MaerzMusik – Festival für aktuelle Musik
17. bis 25. März 2012
Pole: John Cage 100 – Wolfgang Rihm 60
Ihr Werk und die Folgen
Ihr Werk und die Folgen
MaerzMusik 2012 gleicht einer Versuchsanordnung: mit den beiden Jubilaren John Cage und Wolfgang Rihm stehen sich zwei künstlerische Haltungen gegenüber, die in ihrer jeweiligen Radikalität kaum gegensätzlicher gedacht werden können. Sie lassen sich als Pole eines musikalischen Kosmos der Gegenwart betrachten, der sich als viel-dimensionales kreatives Spannungsfeld stetig fortentwickelt, ohne doch unter dem vermeintlich schützenden Dach des ›Anything Goes‹-Pluralismus wirklich versöhnt zu sein.
John Cage hat den Musikbegriff grundsätzlich neu gefasst und interdisziplinär erweitert. Seine Werke und Texte lösten ein künstlerisches Erdbeben mit weittragenden Folgen aus. Im Jahr seines 100. Geburtstags und 20. Todestags untersucht MaerzMusik in vielen Konzerten und einem internationalen Symposium Schaffen und Wirkung dieses Jahrhundertkünstlers.
Wolfgang Rihm feiert im März 2012 seinen 60. Geburtstag. Während Cage einen experimentellen Musikbegriff prägte, reklamierte Rihm für sich ein Idiom höchster Expressivität und Subjektivität. Sein Begriff der künstlerischen Freiheit zielt auf die unmittelbare Kraft der Klangimagination, die sich ungehindert von festen Strategien und Konstruktionen entfaltet. Sie schlägt sich in einer fast unübersehbaren Fülle von Werken vielfältigster Art nieder. Auch Rihm hat, nicht zuletzt durch seine Lehrtätigkeit, eine große Zahl von Komponisten inspiriert und geprägt.
Joan La Barbara, die eng mit Cage zusammenarbeitete, eröffnet das Festival mit einer Neuinszenierung seiner emblematischen Song Books mit den New Yorker Ne(x)tworks und den Berliner Maulwerkern.
Eine Sensation ist der Konzertzyklus von La MonteYoung mit The Just Alap Raga Ensemble in der Lichtinstallation Dream Light von Marian Zazeela. La Monte Young gilt als ›Erfinder‹ der Minimal Music, als er Mitte der 1950er Jahre begann, mit langen Tondauern zu komponieren.
Aufsehenerregend ist auch das Zusammentreffen von Robert Ashley, David Behrman, Alvin Lucier und Gordon Mumma, die zu den wichtigsten experimentellen Komponisten im Gefolge von Cage und der New York School gehören.
In den nächtlichen Sonic Arts Lounges im Berghain und im Haus der Berliner Festspiele sind jüngere Vertreter einer post-cageanischen Strömung zu erleben: u.a. Elliott Sharp (mit zeitkratzer), Annie Gosfield, Tomomi Adachi, Werner Dafeldecker und Valerio Tricoli.
Von Rihm sind Werke aus frühester und jüngerer Zeit zu hören. In den Konzerten des SWR-Orchesters und des Remix Ensembles werden sie direkt konfrontiert mit Werken aus der Sphäre »Cage and Beyond«. Der RIAS-Kammerchor stellt Motetten Rihms Musik von Heinrich Schütz gegenüber, wie überhaupt zeitgenössisches Komponieren im Kontrast zu historischer Musik sich als thematischer Faden durch das Programm zieht. Mark Andre fügt in gefaltet mit Sasha Waltz & Guests Werke von Mozart ein. Sergej Newskis Autland fußt auf einem 32-stimmigen Kanon von Johannes Ockeghem.
Mit der Aufführung von Cages Branches für Pflanzenklänge im Botanischen Garten Dahlem und mit einem vielgliedrigen Programm hommage-artiger Werke von Dieter Schnebel, Phil Corner, Alvin Curran, Akio Suzuki, Walter Zimmermann und anderen im Haus der Berliner Festspiele schließt das Festival.
Verfolgen Sie mit Spannung, Neugierde und Genuss, welche überraschenden und anregenden Ergebnisse die aufgebaute musikalische Versuchsanordnung erbringt!
Matthias Osterwold
John Cage hat den Musikbegriff grundsätzlich neu gefasst und interdisziplinär erweitert. Seine Werke und Texte lösten ein künstlerisches Erdbeben mit weittragenden Folgen aus. Im Jahr seines 100. Geburtstags und 20. Todestags untersucht MaerzMusik in vielen Konzerten und einem internationalen Symposium Schaffen und Wirkung dieses Jahrhundertkünstlers.
Wolfgang Rihm feiert im März 2012 seinen 60. Geburtstag. Während Cage einen experimentellen Musikbegriff prägte, reklamierte Rihm für sich ein Idiom höchster Expressivität und Subjektivität. Sein Begriff der künstlerischen Freiheit zielt auf die unmittelbare Kraft der Klangimagination, die sich ungehindert von festen Strategien und Konstruktionen entfaltet. Sie schlägt sich in einer fast unübersehbaren Fülle von Werken vielfältigster Art nieder. Auch Rihm hat, nicht zuletzt durch seine Lehrtätigkeit, eine große Zahl von Komponisten inspiriert und geprägt.
Joan La Barbara, die eng mit Cage zusammenarbeitete, eröffnet das Festival mit einer Neuinszenierung seiner emblematischen Song Books mit den New Yorker Ne(x)tworks und den Berliner Maulwerkern.
Eine Sensation ist der Konzertzyklus von La MonteYoung mit The Just Alap Raga Ensemble in der Lichtinstallation Dream Light von Marian Zazeela. La Monte Young gilt als ›Erfinder‹ der Minimal Music, als er Mitte der 1950er Jahre begann, mit langen Tondauern zu komponieren.
Aufsehenerregend ist auch das Zusammentreffen von Robert Ashley, David Behrman, Alvin Lucier und Gordon Mumma, die zu den wichtigsten experimentellen Komponisten im Gefolge von Cage und der New York School gehören.
In den nächtlichen Sonic Arts Lounges im Berghain und im Haus der Berliner Festspiele sind jüngere Vertreter einer post-cageanischen Strömung zu erleben: u.a. Elliott Sharp (mit zeitkratzer), Annie Gosfield, Tomomi Adachi, Werner Dafeldecker und Valerio Tricoli.
Von Rihm sind Werke aus frühester und jüngerer Zeit zu hören. In den Konzerten des SWR-Orchesters und des Remix Ensembles werden sie direkt konfrontiert mit Werken aus der Sphäre »Cage and Beyond«. Der RIAS-Kammerchor stellt Motetten Rihms Musik von Heinrich Schütz gegenüber, wie überhaupt zeitgenössisches Komponieren im Kontrast zu historischer Musik sich als thematischer Faden durch das Programm zieht. Mark Andre fügt in gefaltet mit Sasha Waltz & Guests Werke von Mozart ein. Sergej Newskis Autland fußt auf einem 32-stimmigen Kanon von Johannes Ockeghem.
Mit der Aufführung von Cages Branches für Pflanzenklänge im Botanischen Garten Dahlem und mit einem vielgliedrigen Programm hommage-artiger Werke von Dieter Schnebel, Phil Corner, Alvin Curran, Akio Suzuki, Walter Zimmermann und anderen im Haus der Berliner Festspiele schließt das Festival.
Verfolgen Sie mit Spannung, Neugierde und Genuss, welche überraschenden und anregenden Ergebnisse die aufgebaute musikalische Versuchsanordnung erbringt!
Matthias Osterwold
