Bundeswettbewerbe
Theatertreffen der Jugend 2016

Theatertreffen der Jugend

3. – 11. Juni 2016

Für Jugendliche, die an Schulen, in Theater-AGs oder freien Gruppen eigene Produktionen erarbeitet haben.

10. Juni 2016: Es gibt ein neues Statement des Ballhaus Naunynstraße.

Zusatzveranstaltung

7. Juni, 15:30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele, Oberes Foyer
„Wir nehmen es ernst!“
Ein moderiertes Gespräch über Rassismus und Theater
Moderiert von Mekonnen Mesghena, Heinrich-Böll-Stiftung
für die Teilnehmer*innen des Theatertreffens der Jugend

Update zum Statement vom 4. Juni 2016

6. Juni 2016, 19:00 Uhr

Bei der Eröffnung des 37. Theatertreffens der Jugend am 3.6.2016 ist es zu einem bedauerlichen Vorfall gekommen, den Mitglieder der eingeladenen Produktion „One Day I Went to *idl“ der akademie der autodidakten vom Ballhaus Naunynstraße als rassistische Beleidigung erfahren haben. Wir haben auf diesen Vorfall noch in der Nacht mit einem Statement auf der Webseite der Berliner Festspiele reagiert, das wir vorab, mit direkten Anschreiben, den Spielleiter*innen beider betroffener Gruppen und dem Künstlerischen Leiter des Ballhaus Naunynstraße zur Kenntnis geschickt haben. In dieser Situation war unser erster Gedanke, das Gespräch mit den auf unserem Festival gekränkten Gästen zu führen und uns bei ihnen zu entschuldigen. Danach haben wir das Gespräch mit dem Spielleiter der Produktion aus Aachen aufgenommen, worauf uns auch der Wunsch der Produktion nach einem Gespräch mit der Festivalleitung erreichte.

Dieses Update versucht die Hintergründe unserer ersten Reaktion transparent zu machen und trägt den folgenden Entwicklungen Rechnung: In Reaktion auf unser Statement haben uns von Seiten der Leitung des Ballhaus Naunynstraße u.a. Änderungsforderungen erreicht, die Eingang in ein abgeändertes Statement gefunden haben, das wir veröffentlicht haben, ohne noch einmal mit der Aachener Gruppe Rücksprache zu halten. Hier tauchen die Worte „Übergriff“ und „Angriff“ auf. Durch diese Umformulierungen ist der Eindruck entstanden, dass es sich auf Seiten der Aachener Trailer-Präsentation um einen bewussten und intendierten rassistischen Akt gehandelt hat.

Wir möchten klarstellen, dass wir die rassistische Beleidigung in keinem Moment als intentional angesehen haben. Zugleich gehen wir davon aus, dass Beleidigungen entstehen können, auch wenn man sie nicht beabsichtigt hat. Dieses Mitdenken von unabsichtlich bewirkten Effekten des eigenen Tuns hat in den letzten Jahren zu einer Sensibilisierung und auch anderen Verhaltenspraxen geführt, die wir in Hinblick auf die soziale Veränderung unserer Gesellschaft als dringend notwendig empfinden und sich als Teil eines Bewusstseinswandels auch in unserer Institution ereignet. Dafür, dass wir durch unsere Publikationspolitik den Eindruck eines intendierten Rassismus hervorgerufen haben, entschuldigen wir uns bei den Spieler*innen der Gruppe rohestheater. Auch sie haben sich inzwischen bei den Spieler*innen der akademie der autodidakten entschuldigt und mit einem Statement zu den Vorgängen Stellung genommen.

Eine Situation, in die wir die Jugendlichen aus Aachen gebracht haben, als vorsätzlich rassistisch inkriminiert zu werden, bedauern wir. Wir sind nachdrücklich darum bemüht, das Klima des Dialogs und der Begegnung zu schützen. Als Veranstalter ist es für uns zwingend, dass diese Vorgänge Teil eines kollektiven Reflexions- und Durcharbeitungsprozesses sein müssen, der darauf beruht, dass die beteiligten Ensembles und ihre Spielleiter*innen dafür zur Verfügung stehen. Dieser gesamtgesellschaftliche Lernprozess muss für uns auch im künstlerischen Kontext des Festivals stattfinden. Auch uns als Institution zwingen diese Vorgänge zur Selbstreflexion, insbesondere was unsere Verantwortung bei der Vorbereitung der Veranstaltung betrifft.

Mittlerweile sind die von dem Vorfall betroffenen Jugendlichen beider Ensembles, deren Spielleiter*innen, die Juroren und die Leitung des Theatertreffens der Jugend in verschiedenen Konstellationen miteinander in einen Gesprächsprozess eingetreten und setzten sich mit dem Vorfall auseinander. Am Beginn der Auseinandersetzung stand die Bitte um Entschuldigung der Gruppe rohestheater an die gekränkte Gruppe der akademie der autodidakten, die von den Schauspieler*innen der Gruppe angenommen wurde. Auf dieser Grundlage kann eine konstruktive Auseinandersetzung unter den Jugendlichen beginnen.

Das Theatertreffen der Jugend versteht sich seit seiner Gründung als offene Plattform für Begegnung und Austausch der teilnehmenden Jugendlichen als auch der Spielleiter*innen. Diesem Verständnis folgend, ist es auch ein Ort aufbrechender Konflikte und des verantwortungsbewussten Umgangs miteinander.

Christina Schulz, Leiterin der Bundeswettbewerbe
Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele

Der Spielplan für das Theatertreffen der Jugend 2016 ist da.

Das Bundeswettbewerbe-Blog berichtete auch 2015 wieder täglich vom Festivalgeschehen.

Theatertreffen der Jugend © Berliner Festspiele

36 Jahre Theatertreffen der Jugend: Alle ausgewählten Theaterproduktionen sind aufgelistet in der Chronik.