Martin-Gropius-Bau
Ausstellungsplakat „Margaret Bourke-White. Fotografien 1930 – 1945“
Ausstellungsplakat „Margaret Bourke-White. Fotografien 1930 – 1945“

Margaret Bourke-White. Fotografien 1930 – 1945

Margaret Bourke-White (1904-1971) war in der männlich dominierten Welt der Fotografen Amerikas ein Medienstar. Ihr Portrait in Fliegermontur während eines Bombereinsatzes, die Kamera lächelnd in der linken Hand, war ein beliebtes Motiv bei den Soldaten. Margaret Bourke-White musste für ihre Karriere stets kämpfen. Von verschlossenen Türen ließ sie sich nicht beeindrucken. Das Titelfoto der allerersten Life-Ausgabe vom November 1936 stammte von ihr, und der Einfachheit halber hatte sie auch gleich die Geschichte dazu geschrieben.

Die Ausstellung präsentiert das Werk der Fotografin mit 154 Aufnahmen, Briefen und Zeitschriften. Den Schwerpunkt bilden ihren Arbeiten, die in den 1930er und 40er-Jahren in der ehemaligen Sowjetunion, der ehemaligen Tschechoslowakei, Deutschland, England und Italien entstanden sind. Zudem werden die für Bourke-White charakteristischen Fotografien gezeigt, wie jene, die sie im Auftrag von Eastern Airlines und der Chrysler Corporation aufnahm. Im Dokumentationsteil werden einige ihrer Wort-Bild-Strecken der Fotomagazine Fortune und Life zu sehen sein sowie Auszüge ihrer Briefwechsel mit Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, wie Winston Churchill und Georgia O’Keeffe.

Ihre Bilder zeugen von ihrem „unstillbaren Wunsch dabei zu sein, wenn Geschichte geschrieben wird“, wie sie es selbst formulierte. Bourke-White wollte das „Auge der Zeit“ sein. Für das Life-Magazin, damals eines der bekanntesten und ambitioniertesten Magazine für Fotojournalismus, bereiste sie die ganze Welt.

Ihre Karriere begann 1927 in Cleveland. Dort fotografierte sie die Stahlgießereien der Stadt. Sie reiste nach Russland als der erste Fünfjahresplan umgesetzt wurde, sie dokumentierte die Dürrekatastrophen 1934 in den USA, die deutsche Invasion in Russland im Jahr 1941 und das Bombardement der Alliierten auf Deutschland. Als Auftragsarbeit für die Zeitschrift Life hielt sie im Sommer 1945 die zerstörten deutschen Städte fest. Bourke-White war bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald und des Zwangsarbeitslagers Leipzig-Mockau vor Ort. Ihr Foto „Die lebenden Toten von Buchenwald" ging um die ganze Welt.

Ihre Bilder zierten oft die Titelseiten der Magazine Fortune und Life, für die sie jahrelang arbeitete. Manchmal stand sie selbst in den Schlagzeilen, als etwa das Magazin Life am 22. Januar 1943 ihren Bericht über den Luftangriff auf den Flugplatz El Aouina in Tunis – den wichtigsten Luftwaffenstützpunkt der Deutschen für den Nachschub von Truppen aus Sizilien – unter dem Titel „Life’s Bourke-White goes Bombing“ veröffentlichte. Ihre Bilder stehen für eine Epoche.

Veranstalter Berliner Festspiele. Eine Ausstellung von La Fábrica Madrid in Zusammenarbeit mit dem Martin-Gropius-Bau, dem Preus-Museum Norwegen und dem Fotomuseum Den Haag und Syracuse University, Syracuse, USA.

Kuratorin Oliva María Rubio

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Peter Geimer

23.01.2013

„In schwindelnder Höhe, vor grausigem Abgrund“

Was die Ausstellung vor Augen führt, ist die ungeheure, thematische und ästhetische Spannbreite, die eine Fotografenkarriere im zwanzigsten Jahrhundert mühelos umfassen konnte. Die Industrieaufnahmen der dreißiger Jahre erinnern in ihrer Konzentration auf den metallischen Glanz einer Turbine oder die graphische Struktur einer Stahlkonstruktion an die Formexperimente der Neuen Sachlichkeit. […] Was die Ausstellung insgesamt sehr klar vor Augen führt, ist die charakteristische Gratwanderung des Fotojournalismus zwischen politischer Funktion und genuiner Bildästhetik.

Süddeutsche Zeitung, Lothar Müller

28.01.2013

„Vom Titelblatt zum Tafelbild“

Die Fotografin Margaret Bourke-White, geboren 1904 in der Bronx in New York als Tochter eines jüdischen Ingenieurs und Erfinders polnischer Herkunft, war seit ihren Anfängen von der Begeisterung für die Technik als Sphäre spezifisch moderner Schönheit geprägt. […] Aber bei der Feier der Technik, wie sie in Deutschland unter dem Schlagwort „Neue Sachlichkeit“ betrieben wurde, blieb Bourke-White nicht stehen. Sie wurde zur Menschenfotografin, die Reichswehrsoldaten in Berlin, Schulkinder in der Tschechoslowakei, kommunistische Redakteure in Rom, sowjetische Arbeiter, Betende und in Georgien die Mutter und die Großtante Stalins aufnahm, wurde Berichterstatterin aus Krisengebieten und Kriegsreporterin.

Der Tagesspiegel, Bernhard Schulz

29.01.2013

„Arbeit, Leid und Schönheit“

Dass es Bourke-Whites Fotografien aushalten, aus dem erzählenden Zusammenhang herausgelöst zu werden, unterstreicht ihren Rang. […] Margaret Bourke-White begann als Industriefotografin. Trendiger konnte sie in den zwanzigern Jahren gar nicht sein; ungeachtet der Ende des Jahrzehnts hereinbrechenden Weltwirtschaftskrise, galten Industrie und Technik als Königsweg in eine bessere Zukunft.

Berliner Zeitung, Ingeborg Ruthe

24.01.2013

„Stalins Mütterchen und Eisensteins Barbier“

Es mag sein, dass der Zufall oft assistierte bei der fotografischen Karriere der Amerikanerin Margaret Bourke-White (1904 – 1971). […] Die besondere Gabe aber, Menschen, Situationen, auch kuriose Konstellationen mit einer unverstellt strengen, nie sensationsheilen, wohl aber eindringlichen und wahrhaftigen Art und Weise für die Ewigkeit zu fixieren, die hat Bourke-White mitgebracht. Und so lesen sich die Fotos und die Biografie der New Yorker Globetrotterin auch als Geschichte einer gelungenen Emanzipation.

Fotoforum, Marc Peschke

17.12.2012

„Margaret Bourke-White“

Die 1971 verstorbene Fotografin hat ein Werk hinterlassen, das in den wichtigsten Sammlungen zeitgenössischer Fotografie vertreten ist, aber dennoch in den vergangenen Jahren nur wenig gezeigt worden ist. […] Fotografie war für Bourke-White – wie für so viele Fotografen ihrer Generation – eine Waffe im Kampf um Wahrheit. […] Heute gilt Bourke-White als eine der einflussreichsten Reportagefotografinnen überhaupt – und sie war die erste Frau, die sich neben Kollegen wie Walker Evans oder Robert Capa auf diesem Gebiet durchsetzen konnte.

Tickets & Termine

18. Januar bis 14. April 2013

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Katalog

Margaret Bourke-White. Moments in History

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag La Fabrica, Madrid:
Hardcover, 192 Seiten, 22 x 26 cm
ca. 150 Abbildungen, englisch
ISBN 978-8-4153-0396-1
Museumsausgabe 29 €

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