Martin-Gropius-Bau
Ausstellungsplakat „Piet Mondrian. Die Linie“
Ausstellungsplakat „Piet Mondrian. Die Linie“. Motiv: Piet Mondrian, Komposition in Oval mit Farbflächen 2

Piet Mondrian. Die Linie

Piet Mondrian (1872–1944) zählt mit seinem Werk zu den Begründern der abstrakten Malerei. Er ist ein Meister der Komposition von Farbflächen. Mit seiner strengen Reduktion auf die Grundelemente der Malerei schuf er Ikonen der klassischen Moderne. Doch Mondrian begann, was weniger bekannt ist, um 1900 im impressionistischen Stil der Haager Schule zu malen, probierte verschiedene Kunststile bis die Linie, die Organisation von Bildflächen sein künstlerisches Werk dominierte. Diese Entwicklung im Werk Mondrians will die vom Gemeentemuseum Den Haag gemeinsam mit dem Martin-Gropius-Bau entwickelte Ausstellung aufzeigen.

Mit rund 50 Gemälden und Zeichnungen entsteht ein Bild von Mondrians Suche nach dem eigenen künstlerischen Weg. Es ist die erste große Mondrian gewidmete Ausstellung in Berlin seit der Eröffnungsausstellung der Neuen Nationalgalerie 1968.

Die Ausstellung zeigt eine große Auswahl an Werken des Gemeentemuseum Den Haag, das die weltweit umfassendste Sammlung von Mondrians Werken besitzt. Benno Tempel, der Direktor des Gemeentemuseum Den Haag hat dieses Vorhaben ermöglicht. Der Mondrian-Experte, Hans Janssen, Kustos am Gemeentemuseum, hat die Ausstellung kuratiert.

„Das erste, was ich in meiner Malerei veränderte, war die Farbe“, notierte Mondrian 1941. Dabei überging er, dass er bereits zuvor drastisch reduzierende Schritte in seinen Zeichnungen vorgenommen hatte, indem er schrittweise die Beziehungen und rhythmischen Strukturen zwischen vertikalen und horizontalen Linien und Elementen hervorhob. Dies übertrug sich auf seinen Umgang mit Farbe. Er entwickelte sich vom Traditionalisten zum Protagonisten der Moderne.

Piet Mondrian wird am 7. März 1872 in der Stadt Amersfoort in der Provinz Utrecht in Holland als Sohn eines Volksschullehrers geboren. In der Familie wird ein strenger Calvinismus gepflegt. Mondrian studiert an der Rijksakademie van beeldende Kunsten in Amsterdam und interessiert sich für die Maler der Haager Schule und ihre Maltechnik.

Seine Motive sind vor allem Felder, Bauernhöfe, Windmühlen und immer wieder Bäume und Flusslandschaften. Um 1905 beginnt er zu experimentieren. An seinen Motiven erprobt er wechselnde Malstile und Maltechniken je nach Lichtmodulation: Für eine Landschaft im Sonnenlicht wählt er einen impressionistischen Malstil, für eine im Abendlicht einen fauvistisch-expressionistischen. Kritiker werden auf ihn aufmerksam. 1910 formiert sich die Gruppe „Moderne Kunst Kring“ (Zirkel der modernen Kunst) mit den Künstlern Jan Toorop, Jan Sluyters und Piet Mondrian. 1911 stellen sie zusammen mit französischen Avantgardekünstlern, darunter Cézanne, Braque, Picasso in der Ausstellung „Moderne Kunst Kring“ im Amsterdamer Stedelijk Museum aus.

Im selben Jahr ist Mondrian mit einer Arbeit im „Salon des Indépendants“ in Paris beteiligt. 1912 zieht er nach Paris. Der Kubismus beeinflusst ihn, wobei sein künstlerisches Interesse eher der Struktur und Organisation von Bildflächen gilt. Mondrian formuliert sein Streben „nach der Harmonie durch die Gleichwertigkeit von Linien, Farben und Flächen“. Landschaften werden schematisiert. Das Naturmotiv wird zur abstrakten Komposition; dabei setzt er die Linie mehr und mehr als Vertikale und Horizontale ein. 1913 ist er in Berlin in Herwarth Waldens Ausstellung „Erster Deutscher Herbstsalon“ vertreten. 1914 besucht Mondrian seinen kranken Vater und kehrt erst nach dem Ersten Weltkrieg wieder nach Paris zurück. Er betreibt weiter die Auflösung des Figurativen. Seine Werke bezeichnet er als „Komposition“, wendet sich der Theosophie zu und nennt später seinen Stil „Neoplastizismus“.

In den 1920er und 1930er Jahren stellt er an vielen Orten aus – in Den Haag, Amsterdam, Rotterdam, Stockholm, Paris, New York, Dresden, Berlin, Potsdam, Wien. Doch der finanzielle Erfolg lässt auf sich warten. Um zu überleben, malt er weiterhin Blumenaquarelle und übernimmt andere Auftragsarbeiten.

Als Kunsttheoretiker und Mitbegründer der Künstlervereinigung „De Stijl“, die 1917 niederländische Maler, Architekten, Designer, Grafiker und Dichter gegründet hatten, verfasst Mondrian unter anderem Le Néo-Plasticisme. 1925 erscheint die Schrift in deutscher Übersetzung als Bauhausbuch Nr. 5 unter dem Titel Neue Gestaltung. Neo-Plastizismus, Nieuwe Beelding.

Mondrian arbeitet weiter an seinen ,Kompositionen’, indem er sein Linienspiel bis zum Äußersten vereinfacht oder zu einer komplexen Gitterstruktur rhythmisiert und durch wenige Farbflächen ergänzt. Seine Bilder werden in Deutschland nach 1933 als entartet diffamiert, einige seiner Werke werden auf der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München des Jahres 1937 ausgestellt. Vor den Nazis und wegen des aufkommenden Zweiten Weltkriegs zieht er 1938 nach London und 1940 weiter nach New York.

In den USA, besonders in New York stößt seine Arbeit auf großes Interesse. Viele aus Europa geflüchtete Künstler leben in den 1940er Jahren in New York. Neu entstehende Werke lockerte Mondrian nun mosaikartig mit Primärfarben auf und überwand so seine früheren strengen Kompositionen zugunsten einer neuen, fast musikalisch zu bezeichnenden Rhythmisierung des Motivs. Mondrian stirbt in New York am 1. Februar 1944 an den Folgen einer Lungenentzündung.

Die lakonische Struktur seiner späten Bilder fand und findet ihren Niederschlag noch heute in Architektur, Mode, Werbung und Populärkultur.

Veranstalter Berliner Festspiele / Martin-Gropius-Bau. Eine Ausstellung des Stichting Gemeente-museum Den Haag und des Martin-Gropius-Bau. Mit Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin.
Kurator Hans Janssen
Partner Wall, visit Berlin, Alexa, Bouvet Ladubay
Medienpartner Tagesspiegel, Zeit, Weltkunst, Exberliner, Aviva-berlin.de, rbb fernsehen, kulturradio, inforadio

Stephan Speicher in Süddeutsche Zeitung

04.09.2015

„Ordnung ohne Hierarchie“

Sympathisch ist, dass der Besucher nicht in der Fülle des Materials ertränkt wird, dass die Ausstellung sich auf einen Künstler und seine Entwicklung konzentriert und auch eine These formuliert, die von der […] durchgehenden Entwicklung Mondrians.

Nada Weigelt in Gießener Allgemeine

04.09.2015

„Schauet die Linien“

Eine Ausstellung in Berlin erzählt jetzt auf faszinierende Weise, welchen langen Weg der holländische Lehrersohn bis zur „Erfindung“ seiner lakonischen Malerei zurückgelegt hat – angefangen von frühen impressionistischen Landschaftsgemälden bis hin zu einem großartigen Schlussakkord, in dem nur mehr als ein einziges blaues Quadrat den Rhythmus der horizontalen und vertikalen schwarzen Linien aufnimmt.

Lars Grote in Märkische Allgemeine

04.09.2015

„Die Seele ist ein buntes Quadrat“

Die konzentrierte, klug gehängte, mit gut 50 Bildern maßvoll dimensionierte Ausstellung im Martin-Gropius-Bau untermauert, was der Mann für unsere Gegenwart geleistet hat.

Birgit Sonna in art

01.09.2015

„Abstraktion mit Ansage“

Die Werke Mondrians werden wegen ihrer sensiblen Maloberfläche ungern auf Reisen geschickt, umso mehr darf man sich auf die Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau freuen. Rund 50 Exponate kommen aus dem Gemeentemuseum in Den Haag, das die meisten Werke des Meisters besitzt – „viele Arbeiten sind noch nie einer größeren Öffentlichkeit präsentiert worden“, erklärt Benno Tempel, Direktor des Gemeentemuseum.

Marie Kaiser in radioeins

09.09.2015

„Art aber Fair“

Diesen weiten Weg kann man nicht auf den Bildern an den Wänden verfolgen, sondern auch auf in einem Film über Mondrian, der in der Ausstellung projeziert wird. Den sollte man sich unbedingt in ganzer Länge angucken, weil man Mondrian wirklich nah kommt.

Besucherstimmen

Obwohl schon so oft gesehen, immer wieder umwerfend! Modern, avantgardistisch und doch zeitlos. Große Kunst!

Perfekte Ausstellung. Ergreifend.

Very best! Congratulations! Gelungene Darstellung der Person und der Werke.

Eine wunderbare Ausstellung, die die gesamte Schaffenszeit zeigt und nicht nur seine bekannten Linienbilder.

Die minimalistische Auswahl der Werke gefällt mir sehr gut. Eine spannende Reise durch Mondrians Geschichte.