Martin-Gropius-Bau
Ausstellungsplakat „Lee Miller – Fotografien“
Ausstellungsplakat „Lee Miller – Fotografien“. Motiv: Lee Miller, Brandschutzmasken, London, England, 1941

Lee Miller – Fotografien

Lee Miller (1907-1977) ist eine der vielseitigsten US-amerikanischen Fotografinnen und Fotojournalistinnen des 20. Jahrhunderts. Sie hat in ihrem Werkschaffen gegensätzliche Genres wie den Surrealismus, Mode-, Porträt-, Reisefotografie sowie Kriegsberichterstattung vereint. Die Ausstellung führt durch die verschiedenen Lebensstationen der Fotografin von New York, über Paris und Ägypten bis nach Deutschland. Die rund 100 gezeigten Aufnahmen veranschaulichen Lee Millers Leben aus unterschiedlichen Perspektiven: als Assistentin, Muse und Partnerin von Man Ray im Paris der 1930er-Jahre, als Pionierin der Kunstfotografie und als Fotojournalisten während des Zweiten Weltkriegs. Ihre Aufnahmen des Luftbombardements des nationalsozialistischen Deutschlands auf London, der Befreiung von Paris und der Konzentrationslager in Dachau und Buchenwald zählen zu den eindringlichsten Kriegsdokumenten des 20. Jahrhunderts.

Ihre künstlerische Laufbahn startete Lee Miller 1929 in Paris, als sie gemeinsam mit Man Ray surrealistische Fotografien anzufertigen begann. Dabei war sie mehr als nur Muse und Assistentin, denn häufig entstanden die Aufnahmen in enger Zusammenarbeit. In Aktbildern, die Man Ray von ihr anfertigte, setzte sich Miller – ein Fotomodell der Vogue – bewusst in Szene. In ihren eigenen Fotografien – Akte, Porträts und Straßenszenen – beschäftigte sie sich mit den Stilmitteln des Surrealismus und entwickelte ihre eigene künstlerische Sprache: Miller verfremdete die Bildmotive indem sie enge Bildausschnitten wählte, den menschlichen Körper fragmentierte und mit der Technik der Solarisation arbeitete, die mithilfe einer starken Überbelichtung die Schwarz-Weiß-Werte umkehrt.

Nach einem kurzen Aufenthalt ab 1932 in den USA, wo sie ihr in Paris gegründetes Fotostudio weiterbetrieb, folgte Miller 1934 ihrem damaligen Ehemann nach Ägypten. Dort und auf anschließenden Reisen über Athen nach Bukarest hielt die Fotografin Landschaft, Architektur und Menschen auf ihren Fotografien fest. Ihr eigener, im Surrealismus wurzelnder Blick für eine mehrdeutige Wirklichkeit findet sich in den Naturformen ihrer Landschaftsbilder wieder.

1938 ließ sich Miller in England nieder, um ab 1940 als Fotografin für die britische Vogue zu arbeiten und in Reportagefotografien die gesellschaftlichen Umstände und desaströsen Folgen des Zweiten Weltkrieges festzuhalten. In London fotografierte sie die Zerstörungen durch das deutsche Bombardement während des sogenannten „Blitz“. Die Aufnahmen der zerstörten Stadt von Straßenzügen und Personen in Kriegsmontur sind häufig kunstvoll inszeniert und noch deutlich vom Surrealismus geprägt.

Als eine der wenigen Amerikanerinnen ließ sich Miller als Kriegskorrespondentin akkreditieren und berichtete ab 1944 an vorderster amerikanischer Front für die Vogue: Sie fotografierte die Eroberung der Normandie durch die Alliierten und bewegte sich mit den vorstoßenden amerikanischen Truppen durch Europa. Ihre fotojournalistischen Arbeiten zeichnen sich durch eine zunehmend direkte und sachliche Bildsprache aus, die den Fokus auf das Dokumentarische legt. Ab 1945 fotografierte Miller die Folgen des Krieges in Deutschland und Österreich und hielt die Verbrechen der Nationalsozialisten in den soeben befreiten Konzentrationslagern in Dachau und Buchenwald als eine der ersten Fotografinnen und Fotografen fest. Während einer Zwischenstation in München hielt sich Miller in der von amerikanischen Soldaten besetzten Privatwohnung von Adolf Hitler auf und inszenierte sich in der berühmt gewordenen Fotografie in der Badewanne des Diktators – ein politisch aufgeladener Akt der Aneignung, der vielfältige Deutungen zulässt. Das Foto wurde von ihrem Kollegen David E. Scherman aufgenommen. Lee Miller schuf mit ihrem gesamten fotografischen Werk sowohl inszenierte als auch dokumentarische Bilder, die gerade in ihrer Subjektivität und Vieldeutigkeit einzigartig sind.

Die Ausstellung präsentiert das fotografische Werk Lee Millers in seiner ganzen Bandbreite. Alle Fotografien der Ausstellung – überwiegend Vintageprints -, darunter auch Porträts Lee Millers von Man Ray, Sacha Masour und David E. Scherman, sind Leihgaben der Lee Miller Archives.

Der Katalog zur Ausstellung ist im Hatje Cantz Verlag erschienen.

Veranstalter Berliner Festspiele / Martin-Gropius-Bau. Eine Ausstellung der Albertina Wien in Zusammenarbeit mit dem Martin-Gropius-Bau und der Lee Miller Foundation.
Kurator Walter Moser
Partner Wall, Visit Berlin, Alexa, VBKI
Medienpartner Tagesspiegel, Cicero, Exberliner, Aviva-berlin.de, Photo International, fotoforum-Verlag, schwarzweiss, donna, Home, Flair, Kulturradio

Boris Pofalla in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

10.04.2016

„Geblinzelt hat sie nie“

Lee Miller arbeitete während der Bombardierung Londons als Kriegsfotografin für die „Vogue“ und ab 1942 als Kriegskorrespondentin in der US-Armee, während der Rückeroberung Europas von den Nazis […]. Lee Miller aus Poughkeepsie war aus einem anderen Holz, und wenn man ihre Kriegsbilder verstehen will, muss man wissen, was sie zuvor gemacht hat. Das leistet diese Schau.

Serene Tseng in where magazine

01.03.2016

“The Artist As Canvas“

Lee Miller – Photographs opens, featuring the entire expanse of the American photojournalist’s work, including many pieces on loan from the Lee Miller Archieves. […] Even now, her evocative images of the liberation of the Dachau prisoners still carry weight and power.

Marc Peschke in fotoforum

26.02.2016

„Lee Miller – Fotografien“

Experimentelle, surrealistische Fotografie, Mode- und Reisefotografie, Porträts und Reportagen aus dem Zweiten Weltkrieg – Millers Oeuvre ist von erstaunlicher Vielgestaltigkeit. Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin präsentiert jetzt eine Auswahl von rund 100 Bildern.

Laura Storfner in Weltkunst

05.04.2016

„Die Frau am Drücker“

Vom Model zur Modefotografin und Kriegsreporterin: Im Martin-Gropius-Bau wird das Werk der amerikanischen Künstlerin Lee Miller präsentiert. Im Kreis der New Yorker Boheme fühlte Sie sich genauso zu Hause wie in der Pariser Künstlerszene. Sie war ein It-Girl, lange bevor es die Bezeichnung gab.

Besucherstimmen

Die Bilder erzählen die Geschichte ihres Lebens. Beeindruckend!

Diese Fotos sind zeitlos – tolle Ausstellung.

Lee Miller war eine beeindruckende Fotografin, eine starke Persönlichkeit und eine emanzipierte Frau, so hat sie fotografiert.

Wie sich die spielerische Unschuld im Lauf der Jahre verflüchtigt – verständlich ob des Krieges, aber auch ein bisschen schade.

Starke Fotos, starke Frau!

Tickets & Termine

19. März bis 12. Juni 2016

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Katalog

Lee Miller

Deutsch / Englisch
Broschiert, 160 Seiten
Buchhandelsausgabe: € 29,80
Museumsausgabe: € 25
ISBN 978-3-7757-3955-9