Martin-Gropius-Bau
Ausstellungsplakat „Diane Arbus“
Ausstellungsplakat „Diane Arbus“

Diane Arbus

Diane Arbus (New York, 1923–1971) hat die Kunst der Fotografie revolutioniert. Mit ihren kühnen Sujets und ihrem fotografischen Zugang schuf sie ein Werk, das in seiner Unverfälschtheit oftmals schockiert. Ihre Gabe, die uns besonders vertraut erscheinenden Dinge in etwas Fremdes zu verwandeln und das Vertraute im Exotischen aufzudecken, erweitert unser Selbstverständnis.

Die meisten ihrer Sujets findet Arbus in New York – einer Stadt, die sie sowohl wie etwas Vertrautes als auch wie ein fremdes Land erkundet hat.

Für Diane Arbus ist Fotografie ein Medium, das sich mit den Fakten anlegt. Ihre zeitgenössische Anthropologie – ihre Portraits von Paaren, Kindern, Jahrmarktartisten, Nudisten, Mittelklassefamilien, Transvestiten, Exzentrikern und Prominenten – ist auch eine Allegorie der menschlichen Erfahrungen, eine Erkundung der Beziehung zwischen Schein und Identität, Einbildung und Glauben, Theater und Realität.

In dieser Retrospektive zeigt der Martin-Gropius-Bau eine Auswahl von etwa zweihundert Fotografien, die es ermöglichen, Ursprünge und Inspiration in der Fotografie von Diane Arbus kennenzulernen. Die Ausstellung zeigt neben berühmten Aufnahmen auch zahlreiche Bilder, die bisher noch nie veröffentlicht wurden.

Die letzten Räume der Ausstellung sind einer ausführlichen und kritischen Dokumentation von Diane Arbus Leben und Werk gewidmet.

Die fotografischen Arbeiten von Diane Arbus wurden nur mit denjenigen Titeln beschriftet, die ihnen die Künstlerin selbst gegeben hat. Es wird auf eine chronologische, thematische oder wissenschaftliche Ordnung verzichtet. Somit können alle Ausstellungsbesucher den Bildern so begegnen, wie auch die Fotografin ihren Sujets begegnet ist: unmittelbar und ohne Vorurteile.

Veranstalter Eine Ausstellung des Jeu de Paume, Paris. In Zusammenarbeit mit The Estate of Diane Arbus LLC, New York und mit Beteiligung des Martin-Gropius-Bau Berlin, Fotomuseum Winterthur und Foam_Fotografiemuseum Amsterdam.

Andreas Kilb in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2012

„Das Göttliche in gewöhnlichen Dingen“

In der Retrospektive, die der Berliner Gropiusbau zusammen mit dem New Yorker Metropolitan Museum und dem Pariser Jeu de Paume erarbeitet hat, hängen die Arbus-Ikonen – die „Identischen Zwillinge“, der „Jüdische Riese“, der „Junge Mann mit Lockenwicklern“ – eingereiht zwischen ihren weniger bekannten Bildern. So kann man noch deutlicher erkennen, dass es der Fotografin nicht um die Schockwirkung, sondern um die menschliche Wahrheit des Exzentrischen ging. Ihre Freaks, hat Diane Arbus geschrieben, seien Aristokraten, weil sie das Trauma des Daseins schon bei der Geburt empfangen hätten.

Tobias Timm in Die Zeit, 05.07.2012

„Mit entsicherter Waffe“

Im Gegensatz zu anderen Fotografen ihrer Zeit rückt die neugierige Arbus ihre Porträtierten meist mittig in den Vordergrund. Und es sind die Ex-Zentriker, die sie besonders gern ins Zentrum ihrer Bilder schiebt. […] Ihre Schwarz-Weiß-Bilder leben von einer paradoxen Mischung aus Distanz und Empathie für die Dargestellten. […] Die Menschen können sich vor Arbus’ Kamera in Ruheaufbauen, sie können sich in Pose bringen. Und es waren meist die etwas steifen Posen, die Diane Arbus dann ablichtete, nicht die exaltierten. Sieht man einmal von diesem Jungen ab, der eine Spielzeuggranate in der Hand hält und ganz fürchterlich wild aussehen will beim Spielen im Park.

Catrin Lorch in Süddeutsche Zeitung, 30.06.2012

„Eine kurze, unvergessliche Verbeugung vor der Welt“

Aus Sicht der Kunst haben Werbung und Bildjournalismus die Fotografie diskreditiert, wie auch die unendliche Fotomühle der Amateure und die Bildfindemaschine Internet. Doch die Aufnahmen von Diane Arbus sind auch über nachträglichen Zweifel erhaben. Weil niemand von ihr je bloßgestellt wurde. Und weil sie, in ihren Exkursionen, letztlich vor allem neugierig war, auf die eigene Präsenz, die sich im anderen abzeichnet. Es sind jetzt nicht mehr die Liliputaner, Nudisten und Tätowierten, die erstaunen – es ist auch das cremeweich glänzende noch fast unberührte Antlitz des „Very young baby, N.Y.C. 1968“. In Arbus’ besten Bildern wird es still. Als wölbe sich alles zurück – Kostüm, Kulisse, Pose – und gönne diesem einen Gesicht seine kurze, unvergessliche Verbeugung vor der Welt.

Bettina Flitner in EMMA, 07/2012

„Diane Arbus“

Diese Retrospektive der bis heute wohl stilprägendsten Fotografin versammelt nicht nur die bekannten Bilder, sondern auch Fotos, die bislang noch nie gezeigt wurden. […] Und dazu gibt es jede Menge Biografisches zu sehen: von Tagebüchern über Abbildungen ihrer Pinnwände bis hin zum Arbeitswerkzeug. Das Werden von Diane Arbus, deren Werk bis heute einzigartig ist und unsere ästhetischen Maßstäbe in der Fotografie, ja unser Sehen verändert hat, kann in dieser Ausstellung also genau studiert werden.

Ingeborg Ruthe in Berliner Zeitung / Frankfurter Rundschau, 23.06.2012

„Vertrautes fremdes Land“

Arbus […] wollte der Gesellschaft tabulos den Spiegel vorhalten, „das Tatsächliche erfassen“ – sie wollte Überbringerin einer Botschaft sein. […]

Heute deuten wir die Motive als Reisen in die Abgründe der Seele und als mystisch verklärte individuelle Suche nach den Geheimnissen des Lebens. Wir sehen sie als kühne Vorreiterin einer kollektiven künstlerischen Suche nach den Untergründen und Rändern einer zukunftsbesessenen Gesellschaft. An die abgrundtiefe und zugleich groteske Melancholie der Arbus aber kommen selbst die effektvollsten Nachahmer nicht heran.

Deike Diening in Tagesspiegel, 23.06.2012

„Das Gesicht des Unsichtbaren“

Rund 200 Bilder hängen in den Fluchten des Gropiusbaus, wir blicken auf das irisierende Werk von Diane Arbus, 2012, und das Werk, beendet 1971, blickt zurück. Die Augenhöhe ist kein Zufall […]Hier muss auch der Betrachter einem Blick standhalten. Arbus war nicht ängstlich und bequem. Das ist nicht erlaubt. Ihr echtes Interesse, ihre kräftezehrende Methode, die so reich belohnt wurde und immer wieder eine echte Begegnung möglich macht, darf man nicht unterbieten. Diese Frau brachte es fertig, Aufreibendes zu suchen, Widersprüche stehen zu lassen, länger hinzusehen und die Spannung zu halten. Die ist ja auch jetzt noch in den Bildern. Dann geht man bewundernd oder auch etwas beschämt aus dieser Charakterprüfung. Auf diese Art ist es, dass man hier gezeigt krieg, wer man ist.

Gabriela Walde in Berliner Morgenpost, 22.06.2012

„Kamera als Handgranate“

Man sieht in viele, viele Augen und in noch mehr schummrige Schlafzimmer. Es gibt wohl keinen anderen Fotografen, der so oft in das Allerheiligste, ja ins intimste Refugium vorgedrungen ist wie Diane Arbus mit ihrer Kamera. Man fragt sich, wie sie das geschafft hat. Natürlich sagt es viel über ihre Art und ihren Umgang als Fotografin aus. […] Es geht um Illusion, Desillusion, Fiktion und Wahrheit, in einer Welt, in der Arbus immer die Ränder gesucht hat, die Abgründe, nie das Mittelmaß. […] Oft ist es das Alltägliche, das in ihren Fotos bizarr und irreal daherkommt. Männer, die aussehen wie schöne Frauen. Reiche Frauen, die aussehen wie autistische Püppchen.

Besucherstimmen

Ein ganz großer Moment!

Oh Gott, ist das eine wunderbare Fotographie. Schade, dass wir nicht mehr Fotos ab 1971 sehen können… Das Format hätte ihr eine neue Dimension eröffnet. Danke, dass es solche Ausstellungen in Berlin gibt!!!

Such a wonderful exhibition

Das ist es was ich liebe: Die Verschiedenheit, die Einzigartigkeit der dinge, die Bedeutsamkeit des Lebens. (Diane Arbus)

Schöner kann ich/man es nicht sagen, eindrucksvoller nicht bebildern!

Ein wunderbarer Spiegel unserer Gesellschaft. Damals und heute.

Tickets & Termine

22. Juni bis 24. September 2012

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Diane Arbus: Revelations

im Schirmer Mosel Verlag
€ 49,80

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MI–MO 10:00–19:00
DI geschlossen

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