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Theatertreffen

Das Festival 2013

Jubiläen, starke Schauspielerinnen, Live-Music on stage, Raumerfindungen, Blackfacing …

Das Theatertreffen 2013 stand im Zeichen der Jubiläen: 50 Jahre Theatertreffen, 50 Jahre Haus der Berliner Festspiele, 35 Jahre Stückemarkt, 5 Jahre Theatertreffen-Blog. Ein Reigen an Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Gesprächen im Jubiläumsjahrgang reflektierte die für die deutschsprachige Theaterlandschaft prägende Vergangenheit des Festivals und die vielfältigen Erwartungen und Wünsche für seine zukünftige Entwicklung.

Im Zentrum des Theatertreffens 2013 stand die Schauspielkunst - besonders die der Schauspielerinnen. Constanze Becker, Wiebke Puls, Sandra Hüller (Gewinnerin 3sat-Preis), Julia Häusermann (Gewinnerin Alfred-Kerr-Darstellerpreis), Sylvana Krappatsch, Julia Wieniger, Lina Beckmann, Lena Schwarz und Yvon Jansen zeigten die Vielfalt der schauspielerischen Spielweisen, schufen nachdrückliche Charakterbilder.

Formal außergewöhnlich war in diesem Jahrgang der häufige Einsatz von Live-Musik auf der Bühne. Sascha Ring schrieb mit seiner Band Apparat einen Soundtrack für „Krieg und Frieden“, den er live auf der Bühne spielte und mit dem er jetzt tourt, Ingo Günther performte mit seinem Marimbaphon und dirigierte den elfköpfigen Murmler-Chor, der Schweizer Jazz-Pianist Jean-Paul Brodbeck wurde zum wichtigen Mitspieler in „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“, indem er Brechts Klassiker mit jazzigen Rhythmen wie einen restaurierten Stummfilm begleitete. Und in Karin Henkels „Ratten“ wurden die Schauspieler selbst zu Musikern mit Klavier, Gitarre und Trompete. Kein Wunder, dass zum Jubiläumsfest ein veritables Orchester (Theatre Composers Orchestra) eigens zum Anlass formiert aus Theatermusikern, aufmarschierte.

Großformatige Raumerfindungen von Bühnenbildnern wie Olaf Altmann, Herbert Fritsch, Alex Eales, Thilo Reuther, Tilo Baumgärtel, Annette Kurz, Eva-Maria Bauer und Jens Kilian lenkten außerdem maßgeblich die Wahrnehmung der Inszenierungen: Das Theatertreffen 2013 war in außergewöhnlich starker Weise auch ein Fest der Bühnenbildner.

Zwei Inszenierungen sorgten für Zündstoff und regten Debatten an, die in Diskussionsveranstaltungen und Publikumsgesprächen leidenschaftlich geführt wurden. Anlässlich der Einladung von Jérôme Bels „Disabled Theater“ debattierten bei einem Symposium im Haus der Berliner Festspiele Künstler und Wissenschaftler die Frage „Behinderte auf der Bühne – Künstler oder Exponate?“. Die Inszenierung „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ in der Regie von Sebastian Baumgarten vom Schauspielhaus Zürich bot erneut Anlass, über die Frage des Blackfacing zu diskutieren – was denn auch bei einer Veranstaltung Anfang Juni im Haus der Berliner Festspiele fortgesetzt wurde.

Schon jetzt blicken wir mit der reisenden und zum Teil neu zusammengesetzten Jury auf das 51. Theatertreffen vom 2.–18. Mai 2014. Bis dahin möchte ich Sie einladen, in unserem Jubiläumsbuch „Fünfzig Theatertreffen“ oder unserer neu aufgelegten Internet-Chronik zu forschen und zu schmökern: Wer war der meist eingeladene Regisseur? Welches Stück wurde am häufigsten gespielt? Oder blättern Sie im Theatertreffen-Blog zum Beispiel durch eine Sammelmappe voller Zeichenkritiken oder das 50-Zeichen Fazit der Blogger.

Yvonne Büdenhölzer
Leiterin des Theatertreffens