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Theatertreffen

Das Festival 2014

Das Theatertreffen 2014 war vielfältig, konzentriert, aber auch ausschweifend. Geprägt von einer neuen Festivalstruktur bot es an Tag, Abend und Nacht in Camp, Bühne und Bar eine streitbare und sinnliche Auseinandersetzung mit dem Theater, mit seinen Themen, Fragen und Antworten.

Es war auch ein Festival des Umbruchs und Aufbruchs. Mit den Gesprächen und Workshops im neuen Camp wurden die Foyertüren aufgestoßen und Tageslicht ins Haus der Berliner Festspiele gelassen. Dieser analoge Diskursraum ist in 11 Tagen zu einem lebendigen Ort der Gemeinschaft geworden und hat die Brücke geschlagen vom Bühnengeschehen zu gesellschaftlich und politisch relevanten Motiven des gegenwärtigen (globalen) Theaters.

Das Internationale Forum mit Stipendiaten aus nahezu 25 Ländern, welches in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feierte, rückte impulsiv noch näher an das Festival und die Öffentlichkeit heran. Das Theatertreffen-Blog machte das Geschehen nicht nur digital zugänglich, sondern kommentierte das Festival kritisch und experimentell mit Interviews, Audio- und Videoclips, Zeichnungen, Fotos und Beiträgen auf Deutsch, Englisch und Französisch.

Nach dem Rückblick im vergangenen Jahr beschritt auch der Stückemarkt in seiner 36. Ausgabe Neuland. Drei Paten (Simon Stephens, Katie Mitchell und Signa Köstler) präsentierten drei von ihnen ausgewählte Künstler. Diese gaben anhand von Inszenierungen, Gesprächen und Workshops Einblick in ihr Arbeiten. Neben dem klassischen Stücktext von Chris Thorpe bildeten der performative Ansatz von Miet Warlop und der installative Zugang von Mona el Gammal einen umfassenden und facettenreichen Überblick über aktuelle Theaterformen. In dieser Gegenüberstellung verschiedenster Handschriften spiegelte sich ein komplexes Verständnis der zeitgenössischen Urheberschaft von Theaterstücken.

Die 10 bemerkenswertesten Inszenierungen der deutschsprachigen Theaterlandschaft, seit jeher der Kern des Theatertreffens, wirkten in ihrer Zusammenstellung in diesem Jahr besonders vielfältig. Von den mit Standing Ovations bedachten Aufführungen des Tanzstücks „tauberbach“ und des Dokumentartheaters „Die letzten Zeugen“, über die vieldiskutierten Theatertreffen-Debüts der Regisseure Susanne Kennedy und Robert Borgmann bis hin zu konsequenten Arbeiten von Theatergrößen wie Frank Castorf, Herbert Fritsch, Karin Henkel oder Alvis Hermanis präsentierte sich das Theater in seiner ganzen beeindruckenden Bandbreite unterschiedlicher Formen und Inhalte.

Neben den Trophäenübergaben, Premierenfeiern und Publikumsgesprächen im Oberen Foyer, gehörten das Konzert von Get Well Soon und die große Theatertreffen-Party mit DJ Lars Eidinger zu den Höhepunkten des Nachtprogramms.

Insgesamt 19.500 Zuschauer haben dem Aprilwetter im Berliner Mai getrotzt und sich gemeinsam mit den Künstlern und Gästen unter großer Neugier und unbändigem Interesse an diesem Festival beteiligt. Eröffnet wurde das Theatertreffen 2014 am 2. Mai mit „Zement“, der letzten Arbeit des im Herbst verstorbenen Regisseurs Dimiter Gotscheff, dem mit den Porträtzeichnungen Mark Lammerts, einer filmischen Rückschau und einer Mitternachtsmusik ein ganz besonderer Focus gewidmet wurde.

In seinem Prolog zur Eröffnung sagte Alexander Kluge: „Ich bin sicher, dass es ohne Theater keine städtische Öffentlichkeit, auch keine klassische Öffentlichkeit gibt, die diesen Namen verdient. Wir haben guten Grund, deshalb über Aktualität und Funktion des Theaters in einer lebendigen Öffentlichkeit unseres Landes nachzudenken.“ Ein vitales Theater, wie man es in diesen zwei Wochen Theatertreffen erleben konnte, hat die Kraft, unsere Gesellschaft in beglückender Weise zu stärken und zu schärfen. Ich hoffe, dass Sie das Theatertreffen mit positiven und anregenden Eindrücken verlassen haben und freue mich auf ein Wiedersehen im Mai 2015!

Yvonne Büdenhölzer
Leiterin des Theatertreffens