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Theatertreffen

Focus 2014-2016

Die Reihe „Focus“ fand in den Jahren 2014-2016 statt und stellte in einem umfangreichen Programm in Zusammenarbeit mit dem Martin-Gropius-Bau das Werk einer/eines bedeutenden zeitgenössischen Künstler*in vor, deren/dessen Arbeit Elemente aus den Bereichen der Performativen und Bildenden Kunst vereinte.

Focus Arrival Cities – Willkommensland Deutschland?

Derzeit sind knapp 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht vor Kriegen, Konflikten und Verfolgung in der Hoffnung, in den Großstädten westlicher Wohlstandsstaaten ein neues Leben beginnen zu können. Eine Million Geflüchtete hat Deutschland aufgenommen. Zugleich stellen die rasanten räumlichen, soziokulturellen und ökonomischen Transformationsprozesse die Stadtgesellschaften in den Arrival Cities vor ungeahnte Aufgaben. Sind die Orte der Ankunft gewappnet für die Herausforderungen einer neuen Stadtgesellschaft? Während die einen die Chance auf eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit wittern, fühlen sich Teile der Gesellschaft durch die Schnelligkeit der Entwicklungen abgehängt. Verunsicherung und Orientierungslosigkeit münden vielfach in kulturrassistischen Abwehrhaltungen. Wie sieht die Zukunft unserer offenen Gesellschaft aus? Was kann die Kunst als Teil der Zivilgesellschaft leisten? In vier Gesprächen widmet sich das Theatertreffen zentralen Fragen deutscher Willkommenskultur.

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Focus Skulptur / Performance / Schauspiel

Der Focus „Skulptur / Performance / Schauspiel“ lotet anhand der künstlerischen Positionen von Isa Genzken und Susanne Kennedy die Rolle der Schauspieler*innen von heute vor dem Hintergrund einer zunehmenden Interdisziplinarität der Künste aus. Wie hängt die Erweiterung des Skulptur-Begriffes mit dem Einzug des Performativen und der Installation im Theater zusammen? Der Focus präsentiert die Inszenierung „Hideous (Wo)men“ (2013) von Suzan Boogaerdt, Bianca van der Schoot und Susanne Kennedy, eine installative Lesung von „Skizzen für einen Spielfilm“ sowie Filme von Isa Genzken, weitere Gespräche und lädt zum Besuch der Ausstellung „Mach Dich hübsch!“ von Isa Genzken im Martin-Gropius-Bau ein.

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Rainer Werner Fassbinder bei Dreharbeiten zu „Händler der vier Jahreszeiten“
Quelle: DIF © Peter Gaue

Rainer Werner Fassbinder

Focus-Künstler 2015 war der Regisseur, Theatermacher und Autor Rainer Werner Fassbinder. Parallel zur Ausstellung „Fassbinder – JETZT“ im Martin-Gropius-Bau stellte das Festival den enfant terrible der westdeutschen Film- und Theaterszene in den Mittelpunkt.

Neben Susanne Kennedys „Warum läuft Herr R. Amok?“ von den Münchner Kammerspielen, eingeladen als eine der zehn Inszenierungen des Theatertreffens, waren vier weitere aktuelle Fassbinder-Inszenierungen an Berliner Bühnen zu sehen: Die Berliner Schaubühne zeigte „Die Ehe der Maria Braun“ in einer Inszenierung von Thomas Ostermeier, eine Neubesetzung der zum Theatertreffen 2008 eingeladenen Arbeit, sowie Patrick Wengenroths „Angst essen Deutschland auf“. Am Maxim Gorki Theater war „Angst essen Seele auf“ in der Regie von Hakan Savaş Mican zu sehen; im Roten Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz „Der 2. Tod eines Kollektivs oder Die wunderbare Welt des R.W.Fassbinder“, ein Selbstversuch der Schauspieler*innen Lilith Stangenberg, Maximilian Brauer u.a. in der Regie von Henning Nass und mit exklusiven Beiträgen von Irm Hermann und Ulli Lommel.

Außerdem veranstaltete das Festival ein Symposium zu Fassbinder, welches das Fortwirken seiner politisch-ästhetischen Position bis heute beleuchtete. Erstmals produzierte das Theatertreffen auch zwei eigene Arbeiten, die als Uraufführungen an einem Abend zu sehen waren: Hanna Schygulla gedachte Rainer Werner Fassbinder mit der musikalischen Hommage „17/70 – eine Zeitreise“, und Patrick Wengenroth präsentierte eine theatrale Aktion frei nach dem Fassbinder Zitat „Einer, der eine Liebe im Bauch hat, der muss nicht am Flipper spielen“.

Darüber hinaus zeigte das Theatertreffen Volker Schlöndorffs Verfilmung von „Baal“, mit Rainer Werner Fassbinder in der Titelrolle, veranstaltete eine „Fassbinder-Filmnacht“ im Delphi Filmpalast und präsentierte verschiedene auf Bühnenstücken basierende Fernsehfilme im „Fassbinder-Fernsehzimmer“ im Haus der Berliner Festspiele.

Dimiter Gotscheff bei den Proben zu „Zement“
© Thomas Dashuber

Dimiter Gotscheff

Die Juryentscheidung für Dimiter Gotscheffs letzte Regiearbeit „Zement“ wurde 2014 zum Anlass genommen, die Arbeit des im Oktober 2013 verstorbenen Künstlers im Rahmen des Festivals mit einem Focus zu würdigen.

Neben der Münchner „Zement“-Inszenierung waren am Deutschen Theater Berlin „Die Perser“ und „Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten / Mommsens Block“ zu sehen sowie an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz „Iwanow“. Im Haus der Berliner Festspiele konnten Mark Lammerts Porträtzeichnungen von Dimiter Gotscheff unter dem Titel „Eine Wand – 20 Zeichnungen“ erstmals betrachtet werden. Passend dazu veröffentlichten die Berliner Festspiele Lammerts Zeichnungen in ihrer Edition Nr. 11. In einer Videolounge waren Aufzeichnungen und Dokumentationen der Gotscheff-Inszenierungen zu sehen. Ebenfalls lief im Deutschen Theater Berlin ein Screening des Films „Homo ludens“, ein Porträt des Regisseurs, gedreht von seinem bulgarischen Landsmann und Wegbegleiter Ivan Panteleev. Zum Eröffnungswochenende versammelten sich zahlreiche Künstler*innen und Fans des Regisseurs zum Konzert „Mitkos Lieder“, das Dimiter Gotscheffs Theatermusiker Sandy Lopičić mit seiner Band eigens zu diesem Anlass konzipierte und spielte.