Theatertreffen

Education

Ein gutes Dutzend internationaler und deutschsprachiger Universitäten und Kunsthochschulen nehmen jedes Jahr am Theatertreffen-Programm für Studierende teil. Die Studierenden besuchen Gastspiele der zehn Inszenierungen und des Stückemarkts, treffen in exklusiven Gesprächen auf eingeladene Künstler*innen und die Festivalleitung und nehmen im Theatertreffen-Camp an künstlerisch-praktischen Workshops und Diskursveranstaltungen mit internationalen Expert*innen, Kulturschaffenden, Blogger*innen und der Jury des Theatertreffens teil.

Ein Ziel des Theatertreffens ist die verstärkte Einbindung eines jüngeren Publikums innerhalb des Festivals, um einen Beitrag zur kulturellen Bildung zu leisten und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Anliegen ist es, Schulen in ihrer historisch-politischen Bildungsarbeit zu unterstützen.

Mit dem Format Education hat das Theatertreffen seit 2014 eine Plattform der Auseinandersetzung für ein jüngeres Publikum geschaffen, in deren Rahmen gesellschaftliche Themen in einem Theater-Kontext thematisiert werden.

Education beim Theatertreffen 2015

Jedes Jahr gemeinsam mit der Herbert Quandt-Stiftung lädt das Theatertreffen Schüler*innen verschiedener Schulen ein, eine der zehn ausgewählten Inszenierungen zu besuchen, und bietet ein begleitendes Workshop-Programm an.

Anliegen ist es dabei, den Vergleich der eigenen Erfahrungswelt mit fremden gesellschaftlichen Wirklichkeiten anzuregen sowie das Kulturverständnis und die Auseinandersetzung der Schüler*innen mit künstlerischen Ausdrucksformen zu fördern.

„An Theater teilzuhaben ist für Berliner Schüler*innen keine Selbstverständlichkeit. Die Berliner Schülerschaft ist bunt und bringt ebenso unterschiedliche Theater- wie Bildungserfahrungen mit. Viele waren noch nie im Theater oder im Museum und nehmen Kino nur über den Mainstream wahr. […] Kulturelle Bildung bedeutet Bildung zur kulturellen Teilhabe. Die Kulturinstitutionen haben in den letzten Jahren ihren Bildungsauftrag neu entdeckt, nicht zuletzt als Akt des „audience development“. Sie wollen und müssen ihr Publikum selbst heranbilden, da die nachwachsenden Generationen ihren Weg zu ihnen nicht mehr wie früher finden.“
Ulrike Kramme und Verena Schonlau Talamonti, Workshop-Leiter*innen Theatertreffen Education 2015

„Wir leben in einer immer komplexer werdenden Welt, die viele Menschen verunsichert. Unsere Stiftung setzt mit dem ,Trialog der Kulturen‘ auf das Verständigungspotenzial der drei abrahamischen Weltreligionen – besonders mit einem Wettbewerb für Schulen. Wir fördern gerne das Education-Programm, weil die Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen nicht früh genug anfangen kann. Das Berliner Theatertreffen ist dazu ein idealer Ort.“
Bernadette Schwarz-Boenneke und Roland Löffler, Herbert Quandt-Stiftung

Die nominierte Inszenierung „Die lächerliche Finsternis“ wurde zur Grundlage für Theatertreffen Education 2015. Mit diesem Projekt hat das Theatertreffen bereits im Vorjahr eine Plattform der Auseinandersetzung für ein jüngeres Publikum geschaffen, in deren Rahmen gesellschaftliche Themen innerhalb eines Theater-Kontextes thematisiert werden. Anliegen des Theatertreffens war es in diesem Jahr, den Vergleich der eigenen Erfahrungswelt mit fremden gesellschaftlichen Wirklichkeiten anzuregen sowie das Kulturverständnis und die Auseinandersetzung der Schüler*innen mit künstlerischen Ausdrucksformen zu fördern.

Beteiligte Schulen 2015: Albert Einstein Gymnasium (Berlin-Neukölln), Carl-Zeiss-Oberschule (Berlin-Lichtenrade), Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums (Berlin-Pankow), Eckener Gymnasiums (Berlin-Tempelhof), Leonardo da Vinci Gymnasiums (Berlin-Alt Buckow).

Stimmen der Teilnehmenden am Education Programm (Auswahl):

Über den Weg des blühenden Humors erschließt sich mir die Ernsthaftigkeit und Botschaft des Stückes. […] Unterstützt von einer beachtlichen schauspielerischen Leistung der vier Frauen befand man sich mitten im Geschehen. […] Des Weiteren regte mich die im Publikum erzeugte Stimmung dem Stück gegenüber zum Nachdenken an. Fragen wie „Ist unser Lachen an der folgenden Stelle legitim?“ oder „Wird mir hier die ironische Realität geboten?“ stellten sich mir im Laufe des Stückes mehrfach, woraus ich schließe, dass Autor und Regisseur ihre Intention erfüllt haben. Allgemeine Problemfragen über Vertrauen und Vertrauensmissbrauch gegenüber den Medien boten mir die Möglichkeit, persönlich Stellung zur Thematik zu nehmen und das Interesse an keinem Punkt zu verlieren.
Lea, Schülerin des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums

Das Stück war eine schockierende Reise – sowohl in gewisser Weise inhaltlich als auch für mich als Zuschauer selbst. Ein Schock war es deshalb, weil die einzelnen Zwischenstationen dieser Reise einen in eine Welt fernab der Realität transportiert haben. […] Für mich war diese Entführung in etwas durch und durch Fremdes, also in den nicht lokalisierbaren Ort, die ideale Möglichkeit, über alles nachzudenken, das in der tatsächlichen Realität, die uns umgibt, geschieht. Dadurch war, trotz der geballten Ladung an Humor, Schock, Distanz, Obszönität und Verwirrung das Stück das Gesellschaftskritischste, das ich je gesehen habe. Und ich bin froh, dass ich diesen Schock, der mich zum Nachdenken gebracht hat, erlebt habe und ein Teil dieser Reise gewesen bin.
Pascal, Schüler des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums

Mir hat am besten gefallen, dass die Rollen von Frauen gespielt wurden, obwohl es typische Männerfiguren im Stück waren. […] Ich finde, allein durch die Besetzung der Figuren wird deutlich, dass es sich um ein Theaterstück handelt und nicht um die Realität. Jedoch thematisiert dieses Stück auch die Probleme, die es in Wirklichkeit gibt, zum Beispiel, dass die Gesellschaft alles glaubt, was die Medien berichten. Durch die humorvolle Darstellung des Stückes und die differenzierte Besetzung der Figuren wird man auch zum Nachdenken angeregt, da man sich bei solch ernsten, vor allem gesellschaftskritischen Themen fragen muss, was daran eigentlich lustig ist.
Jennifer, Schülerin des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums

Vor allem habe ich großen Respekt vor der Leistung der Schauspielerinnen. Neben den gesangseinlagen und den Geräuschen, die sie zur Simulation des Dschungels machten, vermittelten sie sehr gut die von ihnen dargestellten Charaktere.
Stella, Schülerin des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums

Es war aufgrund der einzelnen erzählten Geschichten der Figuren packend, emotional, ergreifend […] und die Themen, die angeschnitten wurden, haben auch im Nachhinein noch zum Nachdenken angeregt, wie die Themen Freundschaft, Vertrauen, und auch die Reaktion bei einem Aufeinandertreffen von verschiedenen Kulturen.
Janina, Schülerin des Eckener Gymnasiums

Der Regisseur des Stücks „Die lächerliche Finsternis“ hat vor der Aufführung mit uns und anderen Schülergruppen eine erläuternde Diskussion geführt. Dabei wies er auf die Intention des Theaterstücks hin und benannte als zentrale Themen die Problematik der Globalisierung, die Sichtweise der westlichen Welt auf die Dritte Welt und die Unterdrückung der Bewohner der ärmeren Staaten. Mit diesen Vorinformationen erschlossen sich mir weitgehend die Szenen im Stück. Die Schauspielerinnen wirkten auf mich authentisch und überzeugend.
Maria, Schülerin des Eckener Gymnasiums

Das Stück zeigt, was alltäglicher Zynismus mit unserer Wahrnehmung von Krisengebieten anrichtet: Es hüllt die drängenden Probleme der Welt in eine lächerliche Finsternis. Finster bleibt die Bühne auf keinen Fall, viel eher schaffen es die vier Darstellerinnen, ein fantastisches Bühnenbild zu kreieren. Viel brauchen sie dazu nicht […], indem die vier Schauspielerinnen singen, mit Licht und Schatten spielen und eine eigene Geräuschkulisse schaffen, entsteht das ganze Stück über eine Atmosphäre, die die Situationen auf der Bühne gekonnt untermalt. „Die lächerliche Finsternis“ beschäftigt sich mit der Haltung der Gesellschaft und ihrer unangemessenen Distanz, sinnbildlich dafür ist das UN-Camp in Afghanistan, wo sich zwar um fehlendes Internet und Rohstoffabbau gesorgt wird, der Krieg aber ein fernes Gespenst bleibt. Was am meisten in Erinnerung bleibt, ist die zwanzigminütige Pause, die gar keine ist. Das Umstürzen der Holzwand, die vorgetragenen Monologe, der beste Teil der Inszenierung liegt in diesen zwanzig Minuten. In seiner Gesamtheit ist das Stück nicht immer angenehm anzusehen, gerade weil der so problematische Zynismus so treffend dargestellt wird.
Tomek, Schüler des Eckener Gymnasiums

„Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz in der Interpretation des Wiener Burgtheaters war Theater von einer ganz anderen Art. Es war laut, es war durcheinander und es war chaotisch. Es war etwas ganz anderes, weil auf der Bühne gesungen wurde, im Publikum eine ausgelassene Stimmung herrschte und die Schauspielerinnen direkt mit dem Publikum sprachen und auch Antworten erwarteten, deswegen war es erst recht atemberaubend.
Das Stück fordert einen zum Nachdenken auf, indem viele problematische Themen kritisch behandelt wurden, wie zum Beispiel Krisengebiete oder die Ausbeutung von Flüchtlingen beziehungsweise Menschen in Not, aber trotzdem wurde dies unglaublich humorvoll durch ausgezeichnete Schauspielerinnen dargestellt.
Kai, Schüler des Eckener Gymnasiums

[D]as Stück „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz macht aufmerksam auf viele gesellschaftliche und moralische Konflikte, die uns entweder schon beschäftigen oder beschäftigen sollten. […] Das Talent der Schauspielerinnen ist unglaublich. Vom Dialektwechsel bis zum mehrstimmigen Dschungelsound ist alles enthalten. Mit sehr viel Raffinesse und Ideenreichtum hat der tschechische Regisseur etwas Außergewöhnliches geschaffen, das den Zuschauer schon mal abschrecken kann. Aber genau darum geht es. Unsere Welt ist eben kein Idyll.
Vivien, Schülerin des Eckener Gymnasiums

Mein größter Respekt gilt Dušan David Pařízek und wie er das Geschriebene von Wolfram Lotz auf die Bühne gebracht hat, ohne etwas an Effekten oder der Wirkung zu vernachlässigen. Die Idee, nur Frauen die Rollen spielen zu lassen, finde ich dabei sehr entscheidend und ich denke, mit Männern an ihrer Stelle hätte das komplette Stück eine viel einseitigere und relativ fade Wirkung gehabt. „Die lächerliche Finsternis“ greift meiner Meinung nach den Grundgedanken, die Zuschauer zum Nachdenken zu bringen, auf und gilt zu Recht zurzeit als eines der besten Stücke im deutschsprachigen Raum. Was ich persönlich ziemlich nervenzermürbend fand, war die Pause, die keine eigentliche Pause war und, dass keine Szenen zwischendurch vorhanden waren, in denen das Stück zur Ruhe kommen konnte.
Miriam, Schülerin des Eckener Gymnasiums

Mir hat das Stück „Die lächerliche Finsternis“ sehr gut gefallen. Vor allem die ausschließlich weibliche Besetzung. Alle Männerrollen werden von Frauen gespielt, unter anderem von Stefanie Reinsperger, welche meiner Meinung nach als diplomierter Pirat aus Somalia eine großartige Leistung an den Tag legte.
Nadine, Schülerin des Eckener Gymnasiums

Während der Vorstellung strömten viele Eindrücke auf mich ein, so dass es schwer war, diese zu verarbeiten und in einen Zusammenhang zu bringen. Und nichts war, wie es auf den ersten Blick schien. Die vier Hauptdarstellerinnen haben den Zuschauer auf eine verwirrende Reise mitgenommen, auf welcher man nicht immer alles verstanden und durchschaut hat. Aber das ist meiner Meinung nach auch nicht der Sinn am Theater. Denn wenn immer alles im ersten Moment klar ist, wird es langweilig. Und das war diese Inszenierung nicht! Sie war laut, chaotisch, witzig und auch verstörend. Sie war ein Erlebnis, über das der Zuschauer noch lange nachdenken wird. Denn nach dem Theaterbesuch soll man nachdenken. Man soll seinen Horizont erweitert und neue Eindrücke gesammelt haben. Denn sonst geht man nicht ins Theater, sondern setzt sich vor den Fernseher.
Cosima, Schülerin der Carl-Zeiss-Oberschule

„Die lächerliche Finsternis“ ist eine großartige Inszenierung, in der Ironie geschickt mit Ernsthaftigkeit verbunden wird. Auf eine ironische Weise wird dem Zuschauer die Auswirkung der Globalisierung dargestellt und wie Menschen darunter leiden. [Die Inszenierung] lässt die Zuschauer über die heutige Gesellschaft nachdenken, was heutzutage nicht viele Stücke schaffen.
Schüler*in der Carl-Zeiss-Oberschule

Das Stück ist zwar amüsant und es wird sehr ironisch und witzig rübergebracht, doch es wird eine ernste Thematik durchgeführt und um diese zu verstehen, muss man alles sehr konzentriert verfolgen. Dieses ernsthafte Thema wird quasi durch die Ironie "gebrochen" […]. Auch hat man oft Szenen wiedererkannt, die sich in der Realität widerspiegeln. Wie z.B. der italienische Blauhelm- Soldat, dem die fehlende Internetverbindung mehr beschäftigte als der gerade herrschende Krieg!
Schüler*in der Carl-Zeiss-Oberschule

Ich, die bisher noch kein Stück von Wolfram Lotz gesehen hatte, musste an einigen Stellen lachen, war verwirrt und am Ende irgendwie überfordert. Das Stück bricht mit den Stereotypen eines Theaterstückes. Es ist laut und chaotisch und das obwohl sich das Bühnenbild kaum verändert und die Schauspielerinnen stets präsent sind. Alle vier glänzen in ihren Rollen. Sie sind überzeugend und talentiert. Sie strotzen vor Gesangstalent und nehmen den Zuschauer mit auf ihre Reise durch den Hindukusch.
Schüler*in der Carl-Zeiss-Oberschule

Das Theaterstück „Die lächerliche Finsternis“ ist wohl das mit Absurdeste, was ich je auf einer Bühne gesehen habe. Was zu Beginn für mich noch ganz herkömmlich und ein wenig „öde“ wirkte, aufgrund der fehlenden Requisiten, entwickelte sich zu einem wilden und verrückten Kunstwerk. […] Die vier Schauspielerinnen, die sozusagen das ganze Stück „stemmten“, weil sie neben Spiel und Gesang auch den individuellen Sound hervorbrachten, waren sehr authentisch, auch wenn sie alle paar Minuten in eine neue Rolle schlüpften. Das machte das Ganze an einigen Stellen aber auch undurchschaubar und ich verlor manchmal den Faden. Dadurch war man aber gezwungen ein zweites Mal über die Szene nachzudenken, was ja nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen ist. Das Stück versuchte mir meiner Meinung nach mitzuteilen, dass jede Geschichte zwei Seiten hat, die man in jedem Fall berücksichtigen sollte, bevor man sich seine Meinung bildet.
Laura, Schüler*in der Carl-Zeiss-Oberschule

[I]ch halte es für sehr sinnvoll, jungen Leuten, wie uns Schüler*innen, die Möglichkeit zu geben, ausgewählte Stücke anzuschauen und somit das Interesse am Theater zu wecken. Dass unsere Meinung dazu geschätzt wird ist ebenfalls sehr erfreulich.
Das Gespräch, das wir vor dem Stück geführt haben, in dem wir Fragen stellen konnten, war eine gute Idee, allerdings wäre es sinnvoller gewesen, dieses nach und nicht vor dem Stück zu führen, da wir davor zum Inhalt des Stückes eher weniger Fragen hatten.
Im Allgemeinen finde ich das Theatertreffen-Projekt sehr interessant und hoffe, dass dieses auch in Zukunft fortgeführt wird und dass die Kritik der Schüler*innen dabei hilft, es für junge Leute noch interessanter zu machen.
Schüler*in der Carl-Zeiss-Oberschule

Bei der Inszenierung von Wolfram Lotzs „Die lächerliche Finsternis“ fragte ich mich – soll, darf oder muss die Inszenierung so witzig sein? Wurde der Kerngedanke vielleicht zu sehr außer Acht gelassen? Doch zuallererst zum eigentlichen Highlight des Stückes - zur Pause. Von der kann man halten was man will, aber wird mir die noch lange in Erinnerung bleiben. Da wird Live auf der Bühne einfach das Bühnenbild zerschreddert. Allein auch der Übergang zur Pause und die Symbolkraft die dahinter steckt fand ich gelungen gemacht.
Generell konnte man im gesamten Stück alles gut nachvollziehen. Dazu beigetragen haben die Kulissen und die Arbeit mit zwei Projektoren mit dem man Licht und Schatten inszenieren konnte. Die Montierungen, also das Wechseln zwischen Raum, Zeit, Fiktion oder Wahrheit wurde nicht als störend empfunden und war für mich überraschend unscheinbar wahrzunehmen. Positiv zu erwähnen waren außerdem die ausdruckstarken Figuren die meist von Dialekten, Klischees und Vorurteilen geprägt und durch Ironie und Witz das Stück ansprechender gemacht haben. […] Jedoch war das ganze Stück mit zu viel Ironie und zu wenig Ernsthaftigkeit belastet.
Dennis, Schüler der Carl-Zeiss-Oberschule

“In the jungle, the mighty jungle/ The lion sleeps tonight…” erklingt es von der Bühne.
Zu dem Lied und Gesang hört man das Schreddern von Holz. Gleichzusetzen mit den merkwürdigen Geräuschen ist das Bild, das sich auf der Bühne abspielt. So eine Szene hab ich noch nie im Theater gesehen. Die Protagonistinnen zerhäckseln sehr lange Holzlatten in einer Schreddermaschine, die auf der Bühne im hinteren Bereich steht. Staub breitet sich aus. Mit diesem Schauspiel wird die Pause eingeleitet. Manche Leute stehen auf, andere bleiben sitzen. Was aber alle verbindet, jeder hat eine Meinung im Kopf. […] Das ganze Theaterstück ruft zum Nachdenken auf. Vor dem Beginn des Stücks: „ Die lächerliche Finsternis“, durften meine Mitschüler*innen und ich, uns mit dem Regisseur unterhalten.
Ihm Fragen stellen und mit ihm diskutieren. Aus dieser Fragerunde ist mir eine Aussage von ihm im Kopf geblieben. Er hat darauf angespielt, dass heutzutage viel zu viele Theater und Schauspieler Angst vor Kritik haben und sich deswegen kaum etwas wagen. Dass der Regisseur keine Angst vor Kritik hat, weiß ich jetzt, denn sein Stück sprengt ganz sicher den Rahmen.
Pauline, Schülerin der Carl-Zeiss-Oberschule

Ich fand das Stück „Die lächerliche Finsternis“ von Pařízek sehr gelungen. Man könnte sagen, es hat mich in seinen Bann gezogen, was ich anfangs nicht gedacht und erwartet habe. Das Gespräch mit dem Regisseur war interessant und aufschlussreich […]. Er hat einem viel Stoff zum Nachdenken gegeben, genauso wie das Stück […]. Pařízek beantwortete Fragen so ausführlich wie möglich und auf eine professionelle Art und Weise, wie ich sie bis jetzt noch nie erlebt habe. […] Der Regisseur hat mit dem Stück und seiner Darstellung bezwecken wollen, dass sich jeder, der es sich angeschaut hat, zum Denken angeregt wird [und] spielte mit unserem Verstand.
Schülerin des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums

Es ist mir positiv aufgefallen, dass sich das Stück mit den aktuellen Krisen der Welt beschäftigt hat. Einerseits war man also belustigt durch die kontrastreiche Umsetzung des Textes, aber andererseits hat man auch immer wieder die Ernsthaftigkeit gespürt. […] Der Workshop hat mich gut auf das Stück vorbereitet […]. Wir hatten uns mit der Handlung im Stück beschäftigt und wenn ich die nicht schon vorher gewusst hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht so gut mitgekommen […].
Schülerin des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums

Education beim Theatertreffen 2014

2014 wurde die Nominierung der Inszenierung „Die letzten Zeugen“ (Burgtheater Wien) von Matthias Hartmann und Doron Rabinovici zum Theatertreffen zum Anlass genommen, erstmalig ein vom Theatertreffen initiiertes Education Programm durchzuführen. Dank der Unterstützung der Herbert Quandt-Stiftung konnten insgesamt 103 Schüler*innen von vier verschiedenen Schulen aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zu den insgesamt drei Aufführungen eingeladen werden. Anliegen des Theatertreffens war es, Schulen in ihrer historisch-politischen Bildungsarbeit zu unterstützen und als Plattform zu fungieren, auf der der Umgang mit Zeitzeugen auch im Theater-Kontext thematisiert wird. Darüber hinaus sollte die aktive Auseinandersetzung der Schüler*innen mit der Thematik Holocaust und Nationalsozialismus befördert werden.

Beteiligte Schulen 2014: Emil-Fischer-Schule (Berlin-Reinickendorf), Wald-Gymnasium (Berlin-Charlottenburg), Leonardo da Vinci Gymnasium (Berlin-Alt Buckow), Johann-Pogge-Schule (Lalendorf / Mecklenburg-Vorpommern).

Stimmen der Teilnehmenden am Education Programm (Auswahl):

Uns gefiel besonders, dass die Zeugen durch ihre Anwesenheit die Wahrheit verkörpert und zum Schluss noch die Kraft gefunden haben, ein paar Worte an das Publikum zu richten. Das Stück war durch das ständige Wechseln der erzählten Geschichten abwechslungsreich, allerdings war es dann teilweise etwas schwer, den einzelnen Geschichten zu folgen. Im Allgemeinen fanden wir das Stück äußerst lehrreich und auch emotional bewegend.
Alex und Nick, Schüler der Johann-Pogge-Schule, Lalendorf

Das Stück hat uns sehr angesprochen und es war ergreifend zu erfahren, wie es zu der damaligen Zeit war. Die Darstellung der Personen durch die auf der Leinwand gesehenen Bilder hat uns sehr gefallen.
Sarah und Gritt, Schülerinnen der Johann-Pogge-Schule, Lalendorf

Die Art von Stärke, die jeder der Zeitzeugen bewiesen hat, macht mir klar, wie groß menschliche Stärke ist und was der Mensch fähig ist auszuhalten. Auch mein eigener Applaus an die Zeitzeugen bleibt mir im Gedächtnis, denn ich wollte gar nicht aufhören diese Menschen zu würdigen, denn die Kraft, die sie in ihr Leben investiert haben, hat auch kein Ende.
Lea Dina Mohr, Schülerin des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Ich möchte mich bei den Zeitzeugen bedanken, weil sie an diesem Projekt teilgenommen haben und wir die Möglichkeit hatten, alles von ihnen zu hören. Ich finde es sehr gut, dass die Zeitzeugen so stark sind und heute über ihre Erinnerungen sprechen können. Durch sie wissen wir, wie es früher war und können dafür sorgen, dass es so eine Zeit nie wieder geben wird. Sie haben so viel erlebt und durchgemacht und können heute sogar lachen, obwohl sie diese Ereignisse im Kopf haben. Sie verdienen sehr großen Respekt.
Gizem, Schülerin des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Mich hat das alles sehr stark berührt. Bei Szenen wie diesen kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass ein Mensch zu so etwas fähig ist. Sowohl die Juden mithilfe ihrer Willenskraft, als auch die Leute, die Hitler dienten – obwohl die meiner Meinung nach keine Menschen sind, weil ihr Handeln unmenschlich war und ist.
Josephine Rudolph, Schülerin des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Die Einhaltung einer Zeitlinie und der Wechsel zwischen den Geschichten hat mir sehr gut gefallen, da so eine gewisse Spannung gehalten wurde und es nie langweilig wurde. Die Zeitlinie hat gut geholfen das Ganze in einen historischen Kontext zu bringen und gab eine gute Orientierung.
Einerseits möchte ich den Zeitzeugen für ihre Offenheit danken. Geschichte so hautnah zu erleben war etwas ganz besonderes für mich. Es war vollkommen anders, die Geschichte direkt von den Personen, die sie wirklich erlebt haben, zu hören. Man bekommt die Geschichte viel direkter mit. Andererseits möchte ich meinen Respekt gegenüber den Zeitzeugen ausdrücken, weil ich es bewundernswert finde, wie gefasst sie auf der Bühne waren und wie sachlich sie das rübergebracht haben, obwohl sie das schlimmste Kapitel in ihrem Leben wieder haben aufleben lassen.
Pavel, Schüler des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Am meisten kann ich mich an die „Szene“ erinnern, wo die Zeitzeugin mit ihrer Mutter auf dem Friedhof war und die SA die Menschen, die dort waren, aussortiert hat. Ich persönlich fand es sehr beeindruckend, wie die Mutter dafür gekämpft hat, auf die rechte Seite zu gelangen. Sie hat nicht aufgegeben, obwohl es nur eine sehr geringe Chance gab, dieses Hindernis zu überwinden.
Patricia, Schülerin des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Vor allem fand ich es toll, dass die Zeitzeugen am Ende alle noch einmal selbst zu uns gesprochen haben. Auch wenn die Schauspieler, die es sehr gut vorgetragen haben, eher sachlich gesprochen haben, ging es einem trotzdem unter die Haut, vor allem weil man wusste, dass die Zeitzeugen selbst mit auf der Bühne sitzen. Ich bewundere deren Kraft und Stärke, dass sie auf der Bühne sitzen können und ihre Geschichte im Grunde nochmal erleben. Ich finde es sehr toll, dass sie das machen und uns an ihrem Leben teilhaben lassen. Auch ihre Lebensfreude, die sie haben, bewundere ich.
Paula, Schülerin des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Es hat mir sehr gut gefallen, dass die Zeitzeugen wirklich dabei waren und nicht nur ihre Geschichten erzählt wurden. Allgemein fand ich alles sehr gut, die Einblendung der Gesichter der Zeugen und im Vordergrund Bilder, um sich alles besser vorstellen zu können.
Josi, Schülerin des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Meine Gedanken danach waren vor allem völlige Fassungslosigkeit, Wut auf die Nationalsozialisten und die Menschen, die nicht geholfen haben. […] Aber noch schlimmer finde ich die Mitläufer, die das einfach machen und gar nicht wissen warum. Außerdem mache ich mir (schon seit wir im KZ Sachsenhausen waren) öfter mal Gedanken, wie ich wohl gehandelt hätte. […] Ich möchte diesen sechs Menschen außerdem noch sagen, dass sie etwas ganz Besonderes sind. Dass sie ein Recht auf Leben haben und dass sie ganz tolle Menschen sind. Sie sind ein Vorbild für viele. […] Es ist so faszinierend, dass sie so schreckliches durchgemacht haben, dass sie so gelitten haben und trotzdem zufrieden mit ihren Leben sind. Das motiviert mich, für mich sind diese Menschen große Helden. Wenn sie es schaffen glücklich und zufrieden zu sein, schafft es jeder!
Mara, Schülerin des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Ich kenne selbst Zeitzeugen. Mit einigen bin ich verwandt (gewesen). Ich finde es immer faszinierend, wenn sie von diesem Abschnitt in ihrem Leben erzählen. Ich weiß auch, dass viele zu diesem Thema schweigen. Deshalb verdient es, meiner Meinung nach, den größten Respekt, über diesen Lebensabschnitt zu sprechen. Diese Erzählungen sind kostbar und müssen festgehalten werden, damit wir diese Zeit nicht vergessen. Denn sowas wie damals darf niemals wieder passieren.
Melissa, Schülerin des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Am meisten erinnere ich mich an die persönlichen Geschichten, Statements und Gedichte der Zeitzeugen. Fasziniert hat mich vor allem der Satz des einen Zeugen, der sagte, dass er sich zur Aufgabe gemacht hätte, die späteren Generationen über die Geschehnisse damals aufzuklären.
Florian, Schüler des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Mir ist der Moment am stärksten hängengeblieben, an dem der erste Zeitzeuge nach vorne kam und die ersten Worte geredet hat. Dies war ein besonderer Moment, da es anders ist, wenn man die Geschichten der Zeitzeugen von Schauspielern vorgelesen bekommt oder man die Zeitzeugen selbst sprechen hört.
Dejan, Schüler des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Selbst einige Tage nach dem Stück bin ich im Grunde genommen einfach nur sprachlos. Mir fehlen die richtigen oder passenden Worte, die ausdrücken könnten, wie sehr beeindruckend, fesselnd und großartig dieses Stück gewesen ist. Es sind so wahnsinnig viele Bilder in meinem Kopf entstanden, die meine Ansicht auf die Dinge, die zu Zeiten des Holocaust geschehen sind, verändert haben. […] Als Frau Rabinovici bei ihrem Abgang ihr im KZ selbst geschriebenes Gedicht vorgelesen hat, überfuhr mich ein Schauer und mein ganzer Körper war voller Gänsehaut, da selten oder besser gesagt noch nie Worte wie diese mein Herz so sehr berührt haben. Trotzdem es eine persönliche Erfahrung oder Geschichte ist, entsteht bei mir jedes Mal, wenn ich die Situation rekapituliere, dieses unglaublich großartige Gefühl, dass ein Mensch, der die wohl unvorstellbar schrecklichsten Dinge in seinem Leben mit eigenen Augen gesehen hat, eben genau diese Erfahrung mit anmutiger Kraft teilt – dass er mich zu einem Teil seiner Geschichte werden lässt.
Pascal, Schüler des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Das Beeindruckendste für mich waren die Abschlusssätze, im speziellen der von Marko Feingold, bei dem er sagte: Überleben verpflichtet.
Jonathan, Schüler des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Ich würde den Zeitzeugen gerne sagen, dass ich großen Respekt vor ihnen habe. Ich würde es nämlich nicht übers Herz bringen, nochmal von meiner Geschichte zu erzählen.
Helen, Schülerin des Leonardo da Vinci Gymnasiums, Berlin

Einige Tage sind schon seit unserem Besuch der Vorstellung „Die letzten Zeugen“ ins Land gegangen. Doch der Eindruck, den sie hinterlassen hat, ist eigentümlich und nachhaltig. Viele Gespräche in der Schule und im Senat haben sich ergeben, die Schülerinnen und Schüler, die Kolleginnen und Kollegen hören nicht auf, sich über Beobachtungen, Erkenntnisse und Gefühle, die mit diesem Abend zusammenhängen, auszutauschen. Vor allem den Schülerinnen und Schülern ist die Einzigartigkeit des Erlebnisses bewusst geworden.
Ulrike Kramme, Fachaufsicht Darstellendes Spiel in der Senatsverwaltung Berlin

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Chronik
1964 – 2016

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