Theatertreffen

Stückemarkt Auswahl 2017

Die Jury des Stückemarkts hat die Auswahl für den Stückemarkt des 54. Theatertreffens 2017 bekannt gegeben.

Der Stückemarkt hat in einem offenen, europaweiten Wettbewerb nach innovativen Theatersprachen gesucht. Ausdrücklich erwünscht waren Arbeiten, die sich mit dem politischen Moment und den Möglichkeiten des Schreibens in einer radikalen Ungewissheit der Realität befassen.

Insgesamt wurden 286 Arbeiten eingereicht, davon waren 201 Theatertexte und 85 Theaterprojekte. 17 Arbeiten wurden in der Abschlussdiskussion berücksichtigt.

Das Stückemarkt-Team und die Stückemarkt-Jury gratuliert den eingeladenen Autor*innen!

Petra Hůlová
„Zelle Nummer“
Aus dem Tschechischen von Doris Kouba
(Tschechische Republik) – Szenische Lesung

Die tschechische Elite hat sich in Zellen zurückgezogen um nach einer nationalen Lösung für die umfassende Identitätskrise zu suchen – eine selbstauferlegte Haft für die gedankliche Freiheit. Doch das Volk beginnt, sich still seiner Intellektuellen zu entledigen. Die tschechische Autorin Petra Hůlová spürt mit sprachgewaltiger Dringlichkeit nationaler Selbstbehauptung nach und verhandelt den Wunsch nach Anerkennung in einem immer indifferenter werdenden europäischen Wertegefüge.

Rainer Merkel
„Lauf und bring uns dein nacktes Leben“
(Deutschland) – Szenische Lesung

„Every Day Ghandi“ ist eine Hilfsorganisation, die sich um Kinder in Afrika kümmert. Doch statt zu helfen, verbarrikadieren sich alle Friedensarbeiter*innen in ihrer vermeintlich sicheren Unterkunft und verstricken sich in private Probleme und Machtkämpfe. In seinem Debüt als Theaterautor stellt Rainer Merkel die Peace-Building-Industrie auf die Probe und koppelt scharfsinnig den Idealismus seiner westlichen Entsandten mit ihrem unreflektierten Rassismus.

Bonn Park
„DAS KNURREN DER MILCHSTRASSE“
(Deutschland) – Szenische Lesung

Science-Fiction trifft Theater: Ein Außerirdischer nimmt uns fehlerhafte Menschen unter die Lupe. Dem ernüchterten Donald Trump will sein Vorsatz, endlich nur Gutes tun, nicht gelingen. Und die fette Heidi Klum frisst unsere schlechte Welt einfach auf. Wahnwitzig, präzise und gekonnt nähert sich das Stück der Unaussprechlichkeit unserer Gegenwart an. So haben wir unsere Welt bislang noch nie gesehen.

Tanja Šljivar
„We Are the Ones Our Parents Warned Us About“
Aus dem Serbokroatischen von Cory Tamler und Željko Maksimović
(Bosnien und Herzegowina / Serbien) – Szenische Lesung in englischer Sprache

Der bald 17-jährige Milan und die 45-jährige Mara treffen in einer Toilette einer Raststätte in Bosnien aufeinander. Zwei bis dahin völlig Fremde erzählen sich gegenseitig ihre gemeinsame Vergangenheit in immer neuen Varianten. Die Autorin fügt die Geschichten wie eine meisterhafte Komposition mühelos ineinander, die von der großen Sehnsucht nach einem anderen Leben erzählen.

Swoosh Lieu
„Who cares?! – eine vielstimmige Personalversammlung der Sorgetragenden“
(Deutschland) – Performance

Die Performance versammelt Interviewaussagen von Frauen, deren Arbeit vor allem im Unsichtbaren stattfindet. Swoosh Lieu verleiht ihnen eine Stimme und verdeutlicht dadurch den Wert ihrer Arbeit. Als präzise Partitur übersetzt der Abend die auferlegten Rollen, Zuschreibungen und teilweise unerfüllbaren Aufgaben von Frauen in Sorge tragender Arbeit in eine bildstarke Hörcollage.

Tine Rahel Völcker
„Adam und die Deutschen (Die Mühle)“
(Deutschland) – Szenische Lesung

Tine Rahel Völcker erzählt in ihrem Traumspiel von dem Wunsch nach Befreiung eines jüdischen Polen von der eigenen Vergangenheit, nachdem seine Familie Jahrzehnte zuvor aus dem Deutschen Reich gewaltsam nach Polen deportiert wurde. Das kraftvoll-zarte, melancholisch-humorvolle Stück erzählt von Identität, Familie und Zukunftssehnsüchten eines Lebens zwischen zwei Staaten.

Services

Diese Seite weiterempfehlen:

Diese Seite ausdrucken:

Theatertreffen

Stücke in der Diskussion

Alle Stücke, über die die diesjährige Stückemarkt-Jury debattiert hat.

Theatertreffen

Chronik
1964 – 2017

Die Datenbank mit allen Inszenierungen, Theatern und Regisseuren seit 1964 sowie den Stückemarkt-Autoren