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Deutschlandradio Kultur, „Fazit“, 10.01.08
Grzegorz Jarzyna führt einen präzise erarbeiten filmischen Realismus vor, der wie jeder eindringliche Film plötzlich den Raum für Bodenloses, für den Mythos öffnet. Die recht banalen, oft gezwungen komisch erscheinenden Texte sind dabei nur die Kehrseite des Unheimlichen. […]Unter der künstlerischen Leitung von Brigitte Fürle entwickelt sich die ehemalige "Freie Volksbühne" nun wieder zu einer stehenden Berliner Einrichtung, in der über das Jahr verteilt - abseits vom internationalen Festspielzirkus - mit großer Sorgfalt neue Regiehandschriften präsentiert werden, die vor allem den Zuschauer zu neuen Formen des Betrachtens anregen.
Bernhard Doppler
InfoRadio, 11.01.08
Man wird als Medea nicht geboren, man wird zur Medea erst gemacht. Und so vollzieht, mit Schlaftabletten für die Kinder, der Mythos wieder seine gnadenlose Macht.Dank der nie überspannten Rohrer als fulminanter Medea, auch dank der rhythmisch sachten, fast zärtlichen Erzählweise Jarzynas ein Höhepunkt der Saison: Medea.
Harald Asel
NDR Kultur Journal, 11.01.08
Das Gesicht der Medea von Sylvie Rohrer vergisst man nicht so schnell. Es zeigt blanke Verzweiflung und zugleich Widerstand; Selbstverteidigung gegen die Zynik einer Welt, in der sie, die Ausländerin, keinen Rückhalt hat. […] Am Schluss zeigt die Inszenierung die radikale Rache Medeas an Jason, die Ermordung ihrer gemeinsamen Söhne, genau so, wie es sein muss: Als zugleich ungeheuerliche wie unausweichliche Tat. Da bringt der Mythos der Moderne bei, wie schwer Worte wiegen können.Natascha Freundel
Berliner Zeitung, 12.01.08
Jarzyna tastet sich an der Grenze zum Unbegreiflichen entlang, für das Medeas Handeln seit jeher steht. Und er vermag, wie es sich für einen gelungenen Thriller gehört, den Übergang von der Realität zur Wahnvorstellung zu verwischen - bis Medea schließlich mit haarsträubendem Geburtshecheln die Kinder, die sie auf die Welt gebracht hat, wieder von ihr entfernt: „Was geschehen ist, ist nicht ungeschehen zu machen.“Es ist nicht so, dass man sich am Ende mit Medeas Untaten identifizieren könnte. Aber die Zerbrechlichkeit und die Löslichkeit der eigenen Identität blitzen einem mit heißem Ohnmachtsgefühl ins Bewusstsein. Und wer weiß, was dann von einem übrig bleibt und wozu dieser Rest fähig ist.
Ulrich Seidler
www.weltexpress.info, 15.01.08
Sylvie Rohrer meistert ihre Rolle mit bewundernswertem Können. Zu Beginn und kurz vor dem Ende des Stücks erscheint sie ganz unmittelbar als liebenswerte, warmherzige Frau, die man einfach gern haben muss. Sobald aber die Panik in ihren Augen aufflackert, verliert diese Frau ihre gewinnende Natürlichkeit, und, auch wenn sie schreit, zittert, wütet und weint, ist sie wie von gläsernen Wänden umgeben, hinter denen sie von keiner Emotion und keinem Verständnis erreicht werden kann.Hinrike Gronewold
