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Pressestimmen zu „PUSH“

Gastspiel vom 29. bis 30. Januar 2008

Die Welt, 01.02.08

Da ist er wieder. Dieser Beinschwung. Kurz und entschlossen aus der Hüfte. Himmelwärts. Bis zur Nasenspitze. Sehr athletisch. Wie ein Peitschenhieb. Und sehr sexy. Wir sind erleichtert: Auch jenseits der Vierzig hat der sehnige Ballerinenkörper von Sylvie Guillem nichts von seiner Wucht und Wut verloren. Selbst wenn sie sanftmütig tanzt, vibriert bei ihr jede Muskelfaser vor Energie. Und wir sind froh, dass wir sie überhaupt einmal wieder zu sehen bekommen. Die Dame macht sich rar, besonders in Deutschland. […]
Im Haus der Berliner Festspiele tanzt sie barfuß. Und was sie da in „Push“ macht, von dem Briten Russell Maliphant 2005 ersonnen und auch von ihm tänzerisch assistiert, das muss ihren hochgeschraubten Ansprüchen eigentlich wie gut bezahltes Chill-Out vorkommen. In dem Sylvie Guillem freilich wunderbare Figur macht. Und bereits nach dem ersten Fingerspreizen und sich Warmschütteln jenen undefinierbaren Glamour verbreitet, in dessen Aura ihr Partner nur den Charme eines bemühten Yoga-Lehrers besitzt.
Die Guillem ist in ihrem ersten Solo ganz feminin und weich, im weißen Schmeichelanzug zu Flamenco-Rhythmen: eine iberische Aphrodite im Halbschatten. Ihr zweiter Auftritt zeigt sie minimalistisch hart, ausgezirkelt konturiert. Sie posiert wie einst die Bodybuilderin Lady Lisa Lyon für den Fotografen Robert Mapplethorpe und wird dann, immer mehr beschleunigend, zu einem faszinierend geschmeidigen Irrwisch. […]
Manuel Brug

Der Tagesspiegel, 31.01.08

Lange hatte man sie herbeigesehnt: Im Haus der Berliner Festspiele präsentierte sich Ballerina Sylvie Guillem nun auf der Höhe ihrer Kunst.
[…]
In dem Briten Russell Maliphant hat sie nicht nur einen sensiblen Choreografen, sondern auch einen vorzüglichen Tanzpartner gefunden.
Drei Soli und ein Duett standen auf dem Programm. Wenn Sylvie Guillem in „Solo“ zu den Flamencoklängen von Carlos Montoya erstmals die Bühne betritt, strahlt sie eine unvergleichliche Grandezza aus – und entspannte Nonchalance. Durchscheinend ihr weißes Gewand, durchlässig wirkt ihr hochtrainierter Ballerinen-Körper. Lässig sind die hohen Beinlifts und -kicks, die sie mit stolzen Armgesten kombiniert. Ihr Tanz gerät nie zur Pose, sie modelliert jede Bewegung mit Präzision und Feingefühl.
In „Shift“ entfaltet Russel Maliphant sein Credo: Er streift alle Künstlichkeit ab und dringt zu einer raffinierten Einfachheit vor. Maliphant ist der Öko unter den Choreografen – und er tanzt mit der Geschmeidigkeit einer Katze. In „Two“ lässt Sylvie Guillem zunächst nur Arme und Schultern kreisen und zeigt ihr aufregendes Rückendekolleté. Zu den hypnotischen Ambientklängen von Andy Cowton scheint sie sich dann in pure Energie zu verwandeln.
In dem preisgekrönten Duett „Push“ entfalten die beiden Tänzer dann eine wunderbare Komplizenschaft. Am Anfang sieht man Guillem auf Maliphants Schultern sitzen – eine stolze Amazonenkönigin. Sie lässt sich fallen, gleitet herab, umschlingt und umschlängelt den Mann und schnellt wieder hoch – er ist atemberaubend, dieser Wechsel aus Erhöhung und Hingabe. Wenn sie sich dann geerdet haben, fasst sie ihn bei der Hand, er berührt sie an der Schulter und an Hüfte – „Push“ zeigt, wie Berührungen eine Bewegung auslösen. Zu erleben ist eine geheimnisvolle Kommunikation der Körper, ein wunderbarer flow. Guillem und Maliphant – das ist Magnetismus. Am Ende stehende Ovationen für beide.
Sandra Luzina

Berliner Zeitung, 31.01.08

Mit stehenden Ovationen ging die Spielzeit-Europa im Haus der Berliner Festspiele zu Ende. Kein Wunder, war zum Abschluss doch eine echte Tanzkönigin zu Gast: Sylvie Guillem […].
„PUSH“ heißt der im Haus der Berliner Festspiele gezeigte Abend, der insgesamt vier kurze von Russell Maliphant choreografierte Stücke beinhaltet. Zwei Soli für Guillem, eines für Maliphant und zum Schluss das titelgebende, gemeinsam getanzte Duett „Push“. Russell Maliphant ist ein meditativer, fast schon esoterischer Choreograf. Alles bleibt in der Schwebe in seinen Stücken, keine Steigerungen, keine Entwicklung gibt es, nur Zustände. Und Sylvie Guillem schneidet diese Figuren in die Luft, schmiegt sich in sie hinein, tupft hier und dort, schnell und flüchtig. Sehr viel später, wenn der Abend längst vorbei ist, scheint ihr Tanz wie ein flackerndes, unvergängliches Bild weiter im Raum zu stehen.
Michaela Schlagenwerth

Der Neue Merkur, 30.01.08

„Push“ heißt bekanntlich drücken, doch Tanz-Fans braucht niemand ins Haus der Berliner Festspiele zu drängen, wenn solche Stars wie Sylvie Guillem und Russell Maliphant mit der gleichnamigen Choreografie erstmals nach Berlin kommen. Die beiden Vorstellungen im Rahmen der „spielzeit’europa“ sind seit langem ausverkauft. […]
„Shift“ heißt das Solo, das Russell Maliphant für sich selbst entwickelt hat. Der 47Jährige, einst Tänzer beim Sadler’s Wells Royal Ballet. verließ diese Compagnie 1988. hat sich dann dem zeitgenössischen Tanz zugewandt und seine klassische Ausbildung durch intensive Beschäftigung mit Anatomie, Physiologie und Biomechanik ergänzt. Allein ist er auf der Bühne in diesem Solo jedoch nicht. seine Schatten begleiten ihn. Erst einer, dann zwei. dann drei. Was er dabei im Lichtkegel zeigt (Lichtdesign Michael Hulls), ist eher eine Bewegungsstudie als tatsächlicher Tanz, ist ein Spiel mit seinen Schatten. Mal wirken sie komisch, mal bedrohlich. Zuletzt bleibt ein einziger Schatten übrig, in den er sich zurückzieht, der mit ihm verschmilzt. Eine nachdenklich machende, ebenfalls mit viel Applaus bedachte Darbietung.
Beim Stück „Two“ täuscht der Name. Es ist wiederum ein Solo und wird von Sylvie Guillem hinreißend getanzt. Auf nachtdunkler Bühne zelebriert sie von einem Lichtkegel erfasst – zur Musik von Andy Cowton ungewöhnliche Sequenzen, erst verhalten, dann immer schneller werdend. Sie wird zur Skulptur und löst sie wieder auf. Sie gestaltet Figuren der besonderen Art, und die Zuschauer lassen sich spürbar gefangen nehmen.
Nach der Pause dann das berühmte, mit zahlreichen Preisen bedachte Duett „Push“. Die Uraufführung 2005 in London wurde zur Sensation. Diese Choreografie ist noch immer eine. Der athletische Maliphant trägt seine grazile Partnerin wie eine Schlafwandlerin in den Armen und auf den Schultern. Traumverloren gleitet sie an ihm herab, den Blick in sich gekehrt. Nur kurz dauert die Trennung, dann streben sie wieder zueinander. Sie springt an seinen Körper, windet sich an ihm herab. Sie entweicht, er zwingt sie wieder zu sich. Komplizierte, raumgreifende und streng rhythmische Bewegungsmuster, getanzt mit Hingabe und schlafwandlerischer Sicherheit. Ein fast außerirdisch schöner Pas de deux, der nie enden sollte.
Und welch eine Distanz zur Märchenwelt des klassisch-romantischen Balletts! An diesem Abend agieren nicht Prinzessinnen und Prinzen, sondern Mann und Frau. Heute und immerdar. Zwei, die zusammen gehören, die einander verhaftet sind, die sich kurz trennen, sich dann doch wieder gemeinsam mühen und einander tragen. Mitunter muss gar die Zarte des Mannes Gewicht aushalten. Das ist wunderbar und zutiefst anrührend. Das muss die Liebe sein, die hoffentlich nie zu Ende geht.
Ursula Wiegand

www.weltexpress.info, 04.02.08

Die hohen Erwartungen an das Tanzevent „PUSH“ wurden noch übertroffen. Die französische Tanzlegende Sylvie Guillem und der britische Tanz- und Choreografiestar Russell Maliphant präsentierten ein Kunstereignis von überwältigender Vollkommenheit.
Von der ersten bis zur letzten Sekunde ist dieser Tanzabend von atemberaubender Spannung erfüllt. Die Konzentration auf den Augenblick, auf jede Geste, jede Bewegung überträgt sich zwingend auf das Publikum. Die Zeit scheint stehenzubleiben, während die eineinhalbstündige Vorstellung doch mit rasender Geschwindigkeit vorübergeht.
[…]
Auch Russell Maliphant tanzt ein Solo, obwohl er bei „Shift“ nicht allein auf der Bühne ist. Auf der Wand hinter ihm erscheint riesig sein Schatten. Zuerst ist es nur einer, dann kommt ein zweiter hinzu, und schließlich tanzen drei übermenschlich große schwarze Gestalten mit dem weiß gekleideten Maliphant. Die Schatten verschwinden, und Russell Maliphant begibt sich auf die Suche nach ihnen, spürt ihnen nach, zusammengekauert am Rand der Wände. Als die Schatten zurückkehren, löst Maliphant sich von ihnen, und es scheint, als ob die Schatten aus der Wand heraustreten und ihm folgen.
In ihrem zweiten Solo „Two“ ist Sylvie Guillem eingeschlossen in einen Quader aus Licht. Auf ganz engem Raum entfaltet sie ein Wunder an Beweglichkeit, bei dem jeder Muskel ihres Rückens den Tanz mitgestaltet.
Zweifellos war dies ein würdiges Finale für die spielzeit’europa 07/08 mit ihrem Motto „Paradies Jetzt“. Bei der Abschluss-Pressekonferenz waren auch Sylvie Guillem und Russell Malifant zugegen und berichteten über ihre gemeinsame Arbeit.
Joachim Sartorius, Intendant der Berliner Festspiele und Brigitte Fürle, künstlerische Leiterin der spielzeit’europa zogen das Fazit der viermonatigen Spielzeit, die sich vor allem innovativen Theaterformen verpflichtet gezeigt und den Künstlern einzigartige Produktionsbedingungen für ihren kreativen Arbeitsprozess geboten hatte.
Das Ergebnis ist mehr als zufriedenstellend: Von den sieben Inszenierungen waren vier ausverkauft („Stifters Dinge“, „The Sound of Silence“, „Medea“ und „PUSH“), und die Auslastung lag bei 83%.
Hinrike Gronewold

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