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Die Saison 07|08

»Paradise Now« – mit diesem Aufruf zur anarchisch-pazifistischen Weltveränderung startete das legendäre Living Theatre aus dem Summer of Love in die 68er. Hippies, Haschisch, Happenings, Protest gegen den Vietnamkrieg, Kommunen, freie Liebe … und die Einheit von »life, revolution and theatre« (Julian Beck). Was ist geblieben von diesen Gefühlen und den Utopien von einer besseren Welt? Waren es die letzten Zuckungen vor den bleiernen 70er Jahren, vor der »Agonie des Realen« (Jean Baudrillard), so vergänglich wie die Blumenkinder selbst?
Heute, vierzig Jahre später, so scheint es, ist Schluss mit der kollektiven Bewusstlosigkeit. Seit Klimawandel, Glaubenskriege und ökonomische Verteilungskämpfe politische Sprengkraft erzeugen, hat sich die Bewegung neu formiert. Ist Weltveränderung wieder möglich?
Die kommende spielzeit’europa 07/08 stellt sich unter dem Motto PARADIES JETZT einem Zeitgefühl, das die Erinnerung und Fiktion der 68er gleichermaßen hinterfragt wie Sehnsucht und Utopien heute. Im Theater und in der bildenden Kunst finden bereits Paradigmenwechsel statt, die aus der Abstraktion zum konkreten Geschichtenerzählen führen, die mit Verlangsamung und Entschleunigung spielen und den Mut zu Emotionen wagen. In der spielzeit’europa, die in diesem Jahr zum vierten Mal im Haus der Berliner Festspiele als ein im deutschsprachigen Raum einzigartiges permanentes Festival präsentiert wird, spüren wir diesen Phänomenen nach: eine Paradiessuche im Theater der Gegenwart.
spielzeit’europa eröffnet mit einem von Adalbert Stifters Naturbeschreibungen inspirierten Klang- und Hörraum – Stifters Dinge, dem neuen Stück von Heiner Goebbels; präsentiert die Uraufführungen von Alvis Hermanis’ The Sound of Silence und DV8s To Be Straight With You, beide auf der Suche nach ideologischer und religiöser Freiheit; rockt in Carole King. Queen of the Beach in der Bornemann-Bar, lässt in der Choreographie von Angelin Preljocaj Vivaldis Vier Jahreszeiten als pure Lebensfreude tanzen; spielt Theater als ein verrücktes Fest der Lebenden und der Toten – in Les Paravents – und als großes Gefühlskino – in der Medea von Grzegorz Jarzyna. Mit einem traumhaft schönen Duo, einer einzigartigen Begegnung ohne Worte beschließen Sylvie Guillem und Russell Maliphant in Push diese europäische Theatersaison.
Unser Dank gilt Bernd Neumann, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie dem Kurator des Hauptstadtkulturfonds Elmar Weingarten für die großzügige Unterstützung – und Ihnen, wertgeschätztes Publikum, das wir wieder für unser Programm begeistern möchten. PARADIES JETZT – eine Behauptung, so wunderbar wie sie nur das Theater erfinden kann. Wir laden Sie herzlich ein, spielzeit’europa bei der diesjährigen Paradiessuche zu begleiten.

Joachim Sartorius, Intendant Berliner Festspiele
Brigitte Fürle, Künstlerische Leiterin spielzeit’europa | Berliner Festspiele


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