Bruno Cathomas, 1965 in Graubünden, Schweiz geboren, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich, Schweiz. Engagements an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin von 1992–1997, am Theater Basel sowie seit 2004 an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin. Darüber hinaus arbeitete Cathomas am Deutschen Theater / Baracke in Berlin, den Münchner Kammerspielen sowie beim Festival Steirischer Herbst in Graz und bei den Salzburger Festspielen. Als Schauspieler Zusammenarbeit u.a. mit folgenden Regisseuren: Stefan Bachmann, Frank Castorf, Johann Kresnik, Andreas Kriegenburg, Tom Kühnel, Martin Kusej, Christoph Marthaler, Sebastian Nübling, Thomas Ostermeier, Luk Perceval, Falk Richter, Rafael Sanchez und Lars Ole Walburg. Darüber hinaus war er in zahlreichen Kino- und TV-Produktionen zu sehen. Als Regisseur inszenierte er am Theater Basel und am Maxim Gorki Theater in Berlin. Lehraufträge führten ihn an die Hochschule für Musik und Theater, Zürich sowie an die Universität der Künste in Berlin.
Workshop 4 – Spiel
Theater als Chaos-Factory
geleitet von Bruno Cathomas
Seit über fünfzehn Jahren ist der in der Schweiz geborene Schauspieler in großen Rollen auf deutschsprachigen Bühnen zu sehen. Er spielte Richard III an der Berliner Volksbühne (Regie Martin Kusej), König Artus am Theater Basel (Regie Stefan Bachmann), Franz Moor ebenfalls in Basel (Regie Lars Ole Walburg), Woyzeck an der Berliner Schaubühne (Regie Thomas Ostermeier) oder Edward II bei den Salzburger Festspielen (Regie Sebastian Nübling). Daneben ist er in Inszenierungen zu entdecken, in denen das Ensemble im Vordergrund steht wie beispielsweise in der legendären Aufführung „Murx den Europäer, murx ihn …“ an der Berliner Volksbühne (Regie Christoph Marthaler), in „Shoppen und Ficken“ an der Baracke des Deutschen Theaters in Berlin (Regie Thomas Ostermeier) oder in „Turista“ an der Berliner Schaubühne (Regie Luk Perceval). Als Schauspieler interessiert ihn das gemeinsame Entwickeln der Spielweisen, wie es Regisseure wie Sebastian Nübling, Christoph Marthaler oder Luk Perceval pflegen. Die spielerisch angelegten Arbeitsweisen bieten ihm die Freiheit für Improvisationen ohne vorher festgelegtes Ziel. Im Spiel nach gemeinsam entwickelten Regeln – das kann auch das Federballspielen sein – ergeben sich ihm Wege und Erfindungen für die Rollenarbeit, die mit einem psychologischen Zugang zur Figur nicht zu finden wären. Luc Perceval versucht dabei das psychologische Rollendenken hinter sich zu lassen und betont in diesem Zusammenhang: „Wir sind durch die Stanislaswki-Methode deformiert. Die Erotik der Kunst liegt im Geheimnis. Das Leben ist nicht konsequent und logisch. Im Gegenteil, es ist widersprüchlich und komplex. Wir leben aus der Intuition und entscheiden instinktiv. Aber obwohl in der instinktiven Arbeit eine wahnsinnige Kraft steckt, sind wir als Schauspieler nicht darauf trainiert, damit zu arbeiten, das ist sehr schade.“
Bruno Cathomas findet Wege, um genau diese Kraft aus Improvisationen heraus zu entwickeln. Über die Jahre ist so eine umfangreiche Spiele-Sammlung entstanden, die er in seinen eigenen Regiearbeiten erweitert. Am Berliner Maxim Gorki Theater sind seit 2004 auf diese Weise insgesamt drei Inszenierungen entstanden. Die radikalste Umsetzung seiner Spielideen vollzog sich im Projekt „Die Bibel“: Für die Dauer von fünf Monaten verwandelte er zusammen mit seinen Schauspielern das Studio in eine Spielfabrik. Geprobt wurde zum Teil öffentlich, alle zwei Wochen fanden Premieren statt, und die sonst übliche Trennung zwischen Publikum und Schauspielern wurde ebenso häufig aufgelöst wie die Trennung zwischen Probebühne und Bar. Es wurde zusammen gekocht, es wurden Partys gefeiert, und es wurde intensiv am Stoff gearbeitet. Sämtliche Texte der insgesamt fünf Stücke wurden mit den Schauspielern in Improvisationen entwickelt. Sein Regiekonzept, das er während der Proben weiter entwickelte, war geprägt von seiner Sicht als Schauspieler was auch von der Kritik hervorgehoben wurde: „Man erkennt Cathomas’ exaltierte, körperbetonte Spielweise, dieses Bis-an-die-Grenze-Gehen, auch bei der Regie, die stark auf das Ensemble setzt.“
Theater als Chaos-Factory
geleitet von Bruno Cathomas
Seit über fünfzehn Jahren ist der in der Schweiz geborene Schauspieler in großen Rollen auf deutschsprachigen Bühnen zu sehen. Er spielte Richard III an der Berliner Volksbühne (Regie Martin Kusej), König Artus am Theater Basel (Regie Stefan Bachmann), Franz Moor ebenfalls in Basel (Regie Lars Ole Walburg), Woyzeck an der Berliner Schaubühne (Regie Thomas Ostermeier) oder Edward II bei den Salzburger Festspielen (Regie Sebastian Nübling). Daneben ist er in Inszenierungen zu entdecken, in denen das Ensemble im Vordergrund steht wie beispielsweise in der legendären Aufführung „Murx den Europäer, murx ihn …“ an der Berliner Volksbühne (Regie Christoph Marthaler), in „Shoppen und Ficken“ an der Baracke des Deutschen Theaters in Berlin (Regie Thomas Ostermeier) oder in „Turista“ an der Berliner Schaubühne (Regie Luk Perceval). Als Schauspieler interessiert ihn das gemeinsame Entwickeln der Spielweisen, wie es Regisseure wie Sebastian Nübling, Christoph Marthaler oder Luk Perceval pflegen. Die spielerisch angelegten Arbeitsweisen bieten ihm die Freiheit für Improvisationen ohne vorher festgelegtes Ziel. Im Spiel nach gemeinsam entwickelten Regeln – das kann auch das Federballspielen sein – ergeben sich ihm Wege und Erfindungen für die Rollenarbeit, die mit einem psychologischen Zugang zur Figur nicht zu finden wären. Luc Perceval versucht dabei das psychologische Rollendenken hinter sich zu lassen und betont in diesem Zusammenhang: „Wir sind durch die Stanislaswki-Methode deformiert. Die Erotik der Kunst liegt im Geheimnis. Das Leben ist nicht konsequent und logisch. Im Gegenteil, es ist widersprüchlich und komplex. Wir leben aus der Intuition und entscheiden instinktiv. Aber obwohl in der instinktiven Arbeit eine wahnsinnige Kraft steckt, sind wir als Schauspieler nicht darauf trainiert, damit zu arbeiten, das ist sehr schade.“
Bruno Cathomas findet Wege, um genau diese Kraft aus Improvisationen heraus zu entwickeln. Über die Jahre ist so eine umfangreiche Spiele-Sammlung entstanden, die er in seinen eigenen Regiearbeiten erweitert. Am Berliner Maxim Gorki Theater sind seit 2004 auf diese Weise insgesamt drei Inszenierungen entstanden. Die radikalste Umsetzung seiner Spielideen vollzog sich im Projekt „Die Bibel“: Für die Dauer von fünf Monaten verwandelte er zusammen mit seinen Schauspielern das Studio in eine Spielfabrik. Geprobt wurde zum Teil öffentlich, alle zwei Wochen fanden Premieren statt, und die sonst übliche Trennung zwischen Publikum und Schauspielern wurde ebenso häufig aufgelöst wie die Trennung zwischen Probebühne und Bar. Es wurde zusammen gekocht, es wurden Partys gefeiert, und es wurde intensiv am Stoff gearbeitet. Sämtliche Texte der insgesamt fünf Stücke wurden mit den Schauspielern in Improvisationen entwickelt. Sein Regiekonzept, das er während der Proben weiter entwickelte, war geprägt von seiner Sicht als Schauspieler was auch von der Kritik hervorgehoben wurde: „Man erkennt Cathomas’ exaltierte, körperbetonte Spielweise, dieses Bis-an-die-Grenze-Gehen, auch bei der Regie, die stark auf das Ensemble setzt.“
Bruno Cathomas notiert zu seinem Workshop:
„‚Macbeth‘ von Shakespeare wird unsere Textgrundlage und Spielvorlage sein. Beginnen werden wir zunächst mit einfachen, bekannten Spielen, Kinderspielen – beispielsweise, Ballspielen oder Gesellschaftsspielen –, die die Teilnehmer aus ihrer Heimat mitbringen. Das mag harmlos klingen, ist es auch, doch genau darin liegt der Reiz. Aus diesen Spielen entsteht ein Rhythmus, Musik wird dazu kommen, dann Töne, Stimme und Klänge wie nackte Füße auf dem Boden. Einzelne Wörter werden hinzu formuliert und Sätze entstehen. Möglicherweise noch völlig ohne erkennbaren Zusammenhang: Chaos? Unbedingt. Wie aber kann daraus eine Szene werden? Eine gute Szene. Großer Ehrgeiz allein nützt nichts, im Gegenteil, daran scheitert selbst Macbeth. Womit sonst? Was ist überhaupt eine gute Szene? Shakespeares Drama um die sich selbst bewahrheitende Prophezeiung bietet unterschiedlichste Lesarten an, und ebenso viele Spielideen können daraus entstehen. Letztlich entscheidend ist die Frage, wohin man mit einer Szene kommen möchte. Doch zuvor stellt sich eine andere Frage: Wo beginnt Theater? Noch in der Pause? Beim Essen? Braucht Theater zwingend Schauspieler, Publikum oder nur eine gemeinsame Verabredung? Das werden wir versuchen, herauszufinden. Und zwar spielend im wahrsten, doppelten Wortsinn. Ideal für diese Chaos-Fabrik zwischen Wahn und Wirklichkeit sind Theatermacher mit und ohne Spielerfahrung, einerlei ob Regisseur, Bühnenbildner oder Dramaturg, natürlich auch Schauspieler.“
„‚Macbeth‘ von Shakespeare wird unsere Textgrundlage und Spielvorlage sein. Beginnen werden wir zunächst mit einfachen, bekannten Spielen, Kinderspielen – beispielsweise, Ballspielen oder Gesellschaftsspielen –, die die Teilnehmer aus ihrer Heimat mitbringen. Das mag harmlos klingen, ist es auch, doch genau darin liegt der Reiz. Aus diesen Spielen entsteht ein Rhythmus, Musik wird dazu kommen, dann Töne, Stimme und Klänge wie nackte Füße auf dem Boden. Einzelne Wörter werden hinzu formuliert und Sätze entstehen. Möglicherweise noch völlig ohne erkennbaren Zusammenhang: Chaos? Unbedingt. Wie aber kann daraus eine Szene werden? Eine gute Szene. Großer Ehrgeiz allein nützt nichts, im Gegenteil, daran scheitert selbst Macbeth. Womit sonst? Was ist überhaupt eine gute Szene? Shakespeares Drama um die sich selbst bewahrheitende Prophezeiung bietet unterschiedlichste Lesarten an, und ebenso viele Spielideen können daraus entstehen. Letztlich entscheidend ist die Frage, wohin man mit einer Szene kommen möchte. Doch zuvor stellt sich eine andere Frage: Wo beginnt Theater? Noch in der Pause? Beim Essen? Braucht Theater zwingend Schauspieler, Publikum oder nur eine gemeinsame Verabredung? Das werden wir versuchen, herauszufinden. Und zwar spielend im wahrsten, doppelten Wortsinn. Ideal für diese Chaos-Fabrik zwischen Wahn und Wirklichkeit sind Theatermacher mit und ohne Spielerfahrung, einerlei ob Regisseur, Bühnenbildner oder Dramaturg, natürlich auch Schauspieler.“
