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RusImport − Theater. Konzert. Kino.

29. November bis 9. Dezember 2012

12 Tage lang waren russische Künstler anlässlich des Deutsch-Russischen Jahres 2012/13 zu Gast im Haus der Berliner Festspiele – das ist wenig Zeit für ein so riesiges, an Traditionen und auch Widersprüchen reiches Land wie Russland. RusImport gab davon Impressionen: Bildende Künstler, Film- und Theaterregisseure, Musiker, Literaten und vor allem drei Generationen russischer Bühnenkünstler zeigten Deutschland, wohin die Reise Russlands geht – Gegenwartskunst aus Moskau und Petersburg, zeitgenössische Positionen einer vielfältigen Künstlerszene, die Deutschland und Berlin insbesondere stets nahe gestanden hat.

So war der Regisseur Jewgeni Wachtangow für Bertolt Brecht die wegweisende Figur der russischen Theaterszene und vor wenigen Wochen starb sein wohl bedeutendster Schüler – Pjotr Fomenko. In keinem Theater Russlands folgte man Wachtangows Theaterkonzept so konsequent wie im Fomenko-Studio, dem meistgeliebten Theater Moskaus. In Fomenkos Studio wird Theater zum Fest: leicht, ironisch, musikalisch, erfinderisch und phantasievoll. Eine der wohl berühmtesten Aufführungen Formenkos luden wir zum Auftakt unserer Programmreihe ein.

Ihr folgte eine Arbeit von Dmitri Krymow – seines Zeichens zunächst Bühnenbildner und bildender Künstler, formte dieser Regisseur in den letzten zehn, fünfzehn Jahren die wohl überraschendsten und eigenwilligsten Theateraufführungen Moskaus. Die hier präsentierte Arbeit ist eine surreale Reise durch die politische, literarische und ästhetische Geschichte der Sowjetunion − Krymows Theater, das sind vor allem Bilder, Metaphern und Symbole, die eine eigene Erzählung über die verstörenden Tragödien und Satyrspiele dieses Weltreichs bilden.

AKHE, aus dem Petersburger Underground hervorgegangen, gehen noch einen Schritt weiter: Sie verschmelzen moderne Videotechnik mit Schauspielkunst – Schauspieler, Objekte und Projektionen werden eins. Sie performen keine Geschichten mehr, sondern visualisieren geniale naturwissenschaftliche Irrtümer der letzten 100 Jahre, vom Elementarteilchen bis zum Weltall. Entstanden ist ein assoziativer 3D-Videomapping-Raum, der die Theatergrenzen sprengt und gleichzeitig selbst zum Trip wird.

RusImport brachte den Tarkowski-Schüler Andrej Swjaginzew mit seinem 2011 in Venedig preisgekrönten Film „Jelena“ nun auch endlich nach Berlin, ebenso wie die special guests der Berliner Festspiele: Dmitri Bykow, Michail Jefremow und Andrej Wassiljew – bravourös paraphrasieren und parodieren sie von Puschkin bis zu Jewtuschenko die politische Situation Russlands, sind damit nicht nur im Radio und auf YouTube Stars, sondern füllen riesige Konzertsäle von Petersburg bis London.

Ihnen zur Seite standen die Künstler von AES+F mit ihren riesigen Mythencollagevideoinstallationen im Martin-Gropius-Bau und das virtuelle Museum mit Beiträgen der jungen Moskauer Künstlerszene, kuratiert von Christina Steinbrecher. In Diskussionen an beiden Wochenenden kamen bekannte russische und deutsche Künstler, Journalisten und Intellektuelle zu Themen aus Politik, Literatur und Kunst ins Gespräch – RusImport zeigte an 12 Tagen Kunst aus einem Land, das sich im Augenblick wahrscheinlich am offensten in der Kunst zeigt. Russland heute – das ist viel mehr. RusImport – das war ein Anfang.

Andrea Tatjana Wigger und Thomas Oberender

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