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Walter Smetak

In Deutschland weit gehend unbekannt, gilt Walter Smetak Kennern neben Edgard Varèse und John Cage als einer der großen Neuerer der Musik des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde Smetak am 12. Februar 1913 in Zürich als Sohn tschechischer Eltern. Er studierte Violincello am Salzburger Mozarteum. 1937 emigrierte er nach Porto Allegre, Brasilien. Das dortige Sinfonieorchester, das ihn verpflichtet hatte, löste sich jedoch kurz darauf auf. Smetak schlug sich deshalb, ähnlich wie Hans-Joachim Koellreutter, als freier Musiker durch bis Koellreuter ihm 1957 eine Stelle an der von ihm gegründeten Escola de Música der Universität Bahia (UFBA) im nordbrasilianischen Bundesstaat Salvador, dem Zentrum für neue Musik in Brasilien, anbot. Hier wirkte Smetak bis zu seinem Tod 1984. Smetaks Musik ist wahrscheinlich nur vor dem soziokulturellen Hintergrund Salvadors zu verstehen. In Salvador vermischen sich europäische und nordamerikanische Kultur mit indianischen und afrikanischen Einflüssen „zu einem undurchschaubaren Gemenge mit explosiv-vitalem Zukunftspotential“ (Max Nyffeler). Smetaks Musik ist gerade in ihrer Vitalität, Prozesshaftigkeit und Experimentierfreudigkeit von diesem hybriden Gemisch inspiriert. Im Lauf seines Lebens erschuf er mehr als 150, teilweise fantastisch anmutende, Klanginstrumente, um seine Vision einer mikrotonal basierten, sich ständig in Bewegung befindenden, interaktiven Musik zu verwirklichen. Ähnlich wie Scelsi, mit dem er seine Faszination für Spirituelles und Metaphysisches teilte, erarbeitete sich auch Smetak seine Kompositionen durch Improvisation und Experiment. Erst in einem zweiten Schritt brachte er das so Erschaffene zu Papier – oft in, für außen Stehende nur schwer verständliche, traditionelle musikalische Ordnungs- und Notationssystemen verschmähenden Zeichnungen. Genau in dieser Arbeitspraxis liegt, neben der relativen Abgeschiedenheit seines Lebensorts, wohl auch die Ursache für die bisher nur zögerlich einsetzende Rezeption seines Werkes außerhalb Brasiliens. Außer einem kurzen Auftritt bei Horizonte 82, dem Lateinamerika gewidmeten zweiten Festival der Weltkulturen in Berlin, wurde sein Werk in Deutschland bisher so gut wie gar nicht zur Kenntnis genommen. In Brasilien dagegen gibt es eine eigene Gesellschaft der Freunde Walter Smetaks. Das Wirken dieses Vereins wird mit großem öffentlichen Interesse und Anteilnahme verfolgt. Vielleicht liegt dies auch an einem der bekanntesten Schüler Smetaks: Gilberto Gils, dem weltberühmten Musiker und derzeitigen Kulturministers Brasiliens. Gil widmet Smetak auf seiner eigenen Homepage eine ausführliche Würdigung: Eine der wenigen erhältlichen Quellen zu Leben und Wirken des Komponisten.

Stand: Januar 2017

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Die Berliner Festspiele stehen für ein Kulturprogramm, das Neues sichtbar macht. Ganzjährig realisieren sie eine Vielzahl von Festivals, Ausstellungen und Einzelveranstaltungen in ihren zwei Häusern.

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