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Horațiu Rădulescu

Horațiu Rădulescu (1942–2008) war ein Rumänischer Komponist und eine zentrale Figur der Rumänischen spektralen Schule. Er studierte an der Musikakademie in Bukarest bei den führenden Komponisten der Rumänischen Avantgarde wie Ştefan Niculescu, Tiberiu Olah und Aurel Stroe, bevor er 1969 nach Paris übersiedelte und 1974 französischer Staatsbürger wurde. In Paris begann er seine eigene Vorstellung einer spektralen Musik zu entwickeln, inspiriert von den Werken Karlheinz Stockhausens und György Ligeti, sowie seine grundlegende Neu-Konzeption der Natur des Klangs. Beides artikulierte er in seinem berühmten theoretischen Text „Sound Plasma: Music oft he Future Sign“, der 1975 veröffentlicht wurde.

Der sogenannte plasmatische Klang, so wie in Rădulescu beschreibt, ist das Ergebnis einer Interaktion von komplexen, permanent in Bewegung befindlichen Tönen. Diese Vorstellung ähnelt in gewisser Weise den Zielen der Komponist*innen, die mit reiner Stimmung oder Mikrotonalität arbeiten. Für diese wie auch für die Französische Schule des Spektralismus ist der Gebrauch von Obertonreihen und traditioneller Klangquellen von zentraler Bedeutung für die Komposition neuer Klangfarben. Jedoch ist Radulescus Vorstellung viel weiter gefasst. Er bezieht Geräuschelemente und die Imitation von natürlichen Klangphänomenen mit und zeichnet sich durch eine konstante Instabilität aus.

Für Rădulescu sind all diese Elemente entscheidend, um einen „magischen Zustand der Seele“ zu erreichen, um das Ewige von Angesicht zu Angesicht zu schauen und um „Natur zu erschaffen“. Der mystische, rituelle, geradezu religiöse Aspekt seiner Musik ist das, was Radulescus Werk am meisten von den Französischen Spektralisten unterscheidet. Deren Werk betrachtete er als eher steril oder klinisch wegen des wissenschaftlichen Zugangs zu Analyse und Synthese von Klangfarben.

Viele Werke von Rădulescu sind utopisch angelegt: „Byzantine Prayer“ erfordert zum Beispiel 40 Flötist*innen, die insgesamt 72 Flöten spielen, „Wild Incantesimo“ 9 Orchester (bei einer Länge von 2 Stunden), und das berühmte 4. Streichquartett mit dem Titel „infinite to be cannot be infinite, infinite anti-be could be infinite” ist für 9 separate Streichquartette geschrieben, die alle zusammen eine imaginäre 128-saitige Viola da Gamba bilden sollen. „Capricorn’s Nostalgic Cricket“, das bei MaerzMusik 2018 aufgeführt wird, ist wiederum Teil eines umfassenderen rituellen Stücks, „Fountains of my Sky“, das u.a. 42 Kinderstimmen vorsieht, die insgesamt 42 Sprachen sprechen sollen sowie eine alte Orgel vorsieht und das zusätzlich zu den 7 Klarinetten.

Stand: Februar 2018

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