Über uns

Berlin Mondiale Kooperation

FutureLeaks
FutureLeaks

Eine Zusammenarbeit von jungen Geflüchteten aus dem AWO Refugium am Kaiserdamm mit den Berliner Festspielen und der Universität der Künste Berlin

Die Berlin Mondiale initiiert und begleitet Partnerschaften zwischen Kultureinrichtungen und Geflüchteten-Unterkünften in Berlin. Das 2014 ins Leben gerufene Projekt des Rats für die Künste Berlin mit besonderer Unterstützung des Flüchtlingsrats Berlin e.V. wird gefördert durch den Projektfonds Kulturelle Bildung Berlin und steht in der Trägerschaft des Kulturnetzwerks Neukölln e.V. Seit Herbst 2015 sind die Berliner Festspiele gemeinsam mit der Universität der Künste Berlin Partner der Berlin Mondiale und arbeiten mit den Bewohner*innen und dem Team des AWO Refugiums am Kaiserdamm zusammen.

Im Herbst 2015 gab es zunächst verschiedene Brainstorming-Treffen sowohl im AWO Refugium am Kaiserdamm als auch in der Universität der Künste Berlin. Es wurde die Idee entwickelt, gemeinsam mit Bewohner*innen Kulturausflüge zu Veranstaltungen der Berliner Festspiele zu unternehmen und damit einen Zugang zu hiesigen Kulturereignissen zu eröffnen. Der Wunsch, mit Kulturangeboten die Bewohner*innen zu Ausflügen in die Stadt zu ermutigen, war auch von Seiten der Unterkunft deutlich artikuliert worden. Sich die neue Stadt zu erschließen oder gar anzueignen wurde auch zum Thema des interaktiven Kunstprojekts „home sweet home“, das im September 2016 stattfand und in dessen Rahmen Bewohner*innen des AWO Refugiums am Kaiserdamm gemeinsam mit Wilmersdorfer Anwohner*innen, Mitarbeiter*innen der Berliner Festspiele und sonstigen Interessierten über drei Tage hinweg eine Modellstadt gestalteten. Dieser partizipative Ansatz wurde mit dem zukunftsweisenden Projekt „We fix the future“ noch ausgeweitet, in dem die jungen Geflüchteten gemeinsam mit der Aktionskünstlerin Anna de Carlo über mehrere Monate hinweg selbst eine Theater-Aktion entwickelten, die beim Theatertreffen 2017 präsentiert wurde und als ernst gemeinte Fiktion nicht nur das Festival, sondern auch die sozialen Medien mit positiven Meldungen aus der Zukunft flutete. Dieses Projekt wird auch 2018 beim Theatertreffen fortgesetzt.

FutureLeaks

FutureLeaks-Café: You are not alone

Shifting Perspectives
Haus der Berliner Festspiele, Oberes Foyer
Di 15.05.2018, 16:30

Programm 2017

We fix the future

Was wäre, wenn wir die Möglichkeit hätten, unsere Welt heute zu verändern? Was wäre, wenn wir eine gerechtere und friedvollere Welt ganz nach unseren Wünschen und Bedürfnissen gestalten könnten, wenn wir die Entscheidungsträger*innen unserer Zukunft würden?

Diesen Fragen stellte sich die Aktionskünstlerin und Regisseurin Anna de Carlo gemeinsam mit jungen Menschen mit Fluchthintergrund aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und Palästina sowie Studentinnen der Theaterpädagogik der UdK Berlin und entwickelte im Rahmen des Mondiale-Projekts „We fix the future“ eine gemeinsame Vision. Von Januar bis Mai 2017 befasste sich die Gruppe in Workshops und im Austausch über die eigenen Erfahrungen mit den Möglichkeiten und der Relevanz des eigenen Handelns, jenseits des oft übermächtigen Gefühls der Ohnmacht. Im Zentrum des prozessorientierten Projekts stand die Vorstellung von einer Welt in 50 Jahren, die die Idee eines Lebens in Achtsamkeit und Verantwortung füreinander erfüllt. Anhand von intensiven Dialogen und spielerischen Interventionen wurden Visionen entworfen und Maßnahmen für ein soziales Miteinander entwickelt und erprobt. Dabei entstanden Zukunftsszenarien und Strategien zur Eigenermächtigung, die Anna de Carlo mit den Workshopteilnehmer*innen beim Theatertreffen 2017 in der interaktiven Performance „FutureLeaks“ präsentierte.

FutureLeaks beim Theatertreffen

Mit einer ernst gemeinten Fiktion bezog die Mondiale-Gruppe vom 11. bis 14. Mai 2017 das Zukunftscamp vor dem Haus der Berliner Festspiele und lud alle Besucher*innen des Theatertreffens zur Reparatur der Zukunft ein. Der Aufruf lautete: die Welt mit positiven Meldungen aus der Zukunft zu fluten! Denn der mysteriöse Fund sogenannter „FutureLeaks“ machte es erstmals möglich, selbst die Nachrichten von morgen zu verfassen und damit eine gerechtere, friedvollere Welt zu gestalten. Ideen wie ein Schulfach für Selbstfürsorge und Empathie oder eine internationale ID-Card, die die Gleichstellung aller Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft – manifestieren könnte, wurden mithilfe der „FutureLeaks“-Enthüllungsplattform direkt als Fakten in die Zukunft eingespeist. Diese gelangten über deren Nachrichtenkanal via Facebook ins Netz und infiltrierten sogleich die Gegenwart. Außerdem entwickelten die Besucher*innen gemeinsam mit den Expert*innen vor Ort konkrete Maßnahmen zur schrittweisen Umsetzung ihrer Visionen, die anschließend in einer persönlichen Vereinbarung festgehalten wurden. Damit gestaltete sich das Zukunftscamp als Schnittstelle zwischen utopischer Fiktion und angewandter Praxis und visualisierte sowohl die Wichtigkeit des eigenen Handelns als auch die soziale Bedeutung einer Utopie.

Programm 2016

„home sweet home“ 2016

Wie wollen wir in Zukunft miteinander leben? Was braucht ein Zuhause? Was ist Heimat? Und wie sieht sie aus, die Stadt unserer Träume? Solche und andere Fragen standen im Zentrum des interaktiven Kunstprojekts „home sweet home“, das die britischen Künstlerinnen Abigail Conway und Lucy Hayhoe Anfang September 2016 in Berlin durchführten. Drei Tage lang arbeiteten Bewohner*innen des AWO Refugium am Kaiserdamm und andere Geflüchtete, Wilmersdorfer Anwohner*innen, Mitarbeiter*innen der Berliner Festspiele und sonstige Interessiere gemeinsam an einer Modellstadt in der Kassenhalle der Berliner Festspiele.

Beim ersten Besuch bekam jede*r zukünftige Bewohner*in der Stadt von den Immobilienmakler*innen einen Schlüssel zu seinem/ihrem neuen Besitz, mit dem er/sie während des gesamten Wochenendes jederzeit wieder kommen konnte, um der Stadt beim Wachsen zuzusehen. Es gab verschiedene Immobilientypen und jeder/jedem Eigentümer*in war es selbst überlassen, wie er/sie Gebäude und Grundstück gestalten und nutzen wollte. In einem zuvor durch Teilnehmer*innen abgesteckten und von den Künstlerinnen auf Leinwand übertragenen Terrain zwischen Siegessäule, Brandenburger Tor, Gedächtniskirche, Fernsehturm und dem Haus der Berliner Festspiele entstand so nach und nach ein buntes Sammelsurium unterschiedlichster Wohn- und Gemeinschaftshäuser, Geschäfte, Gärten, Restaurants und Bars, Kultur- und Sportzentren, eine U-Bahnlinie und ein Flughafen.

Außerdem ein großes Gemeinschaftsgefühl sowie, nachbarschaftliche Koalitionen, z.B. zwischen Ökobäuerinnen und Videothek bei der Veranstaltung Kulinarisches Kino, aber auch Korruption und Querelen – etwa zwischen dem Dönerladen Fleisch Traum und den Aktivist*innen der Anti-Tierverwertung oder dem Pornokino und der benachbarten Kita. Die Postbot*innen und das Radioteam halfen bei der Verbreitung und Veröffentlichung von Liebeserklärungen, Einladungen, Anfragen und Aufrufen. Mietwucher und Rassismus, sauberes Spreewasser, Tierschutz und Kapitalismuskritik waren die Themen der Stadt. Entstanden ist für drei Tage ein utopisches Berlin, in dem sich alle Mitwirkenden zuhause fühlten.

Kulturausflüge 2016

Seit die Berliner Festspiele gemeinsam mit der Universität der Künste Berlin Partner der Berlin Mondiale sind, gab es im Herbst 2015 zunächst verschiedene Brainstorming-Treffen sowohl im AWO Refugium am Kaiserdamm als auch in der UdK. Dabei entstand die Idee, gemeinsam mit Bewohner*innen „Kulturausflüge“ zu Veranstaltungen der Berliner Festspiele zu unternehmen und damit einen Zugang zu hiesigen Kulturereignissen zu eröffnen. Der Wunsch, mit Kulturangeboten die Bewohner*innen zu Ausflügen in die Stadt zu ermutigen, war auch von der Leiterin der Unterkunft, Frau Besmil, deutlich artikuliert worden. Bei einem Vorab-Termin in der Unterkunft geben jeweils Künstler*innen, Festivalleiter*innen oder Mitarbeiter*innen einen Einblick in das Programm.

  • Nahaufnahme, ein Konzert junger Musiker*innen des Bundeswettbewerbs Treffens junge Musik-Szene, erschien im Januar als Auftakt besonders geeignet, da unter den Bewohner*innen am Kaiserdamm viele Jugendliche und junge Männer sind, so dass es eine Begegnung unter Gleichaltrigen war. Zwei Tage vor dem Konzert hatte der Musiker Simon Benjamin mit Gitarre und einigen seiner Songs im Aufenthaltsraum der Unterkunft ein Teaser-Konzert gegeben, das begeisterten Anklang fand und direkte Anfragen nach Gitarrenunterricht zur Folge hatte.
  • MaerzMusik: Anfang März stellten Teammitglieder von MaerzMusik – Festival für Zeitfragen im AWO Refugium das Festival vor. Das Eröffnungskonzert, Marino Formentis „time to gather“, eine Art partizipativem Klavierabend ohne die auf Konzerten übliche Wand zwischen Künstler und Publikum, wurde von mehreren jungen Bewohner*innen besucht – einer von ihnen bot, begleitet von Formenti, sogar eine eigene Gesangseinlage.
  • Morgenland: Beim Theatertreffen gab es eine Begegnung mit der Bürgerbühne aus Dresden, die in ihrem Stück „Morgenland“ hiesige Vorstellungen vom Nahen Osten von Neudresdner*innen lustvoll dekonstruieren lässt – der mehrsprachige Abend, der auf den Biografien der Teilnehmer*innen beruhte, bot einen idealen Anknüpfungspunkt zum Teilen eigener Erfahrungen.
  • Frankfurt Babel: Beim Bundeswettbewerb Theatertreffen der Jugend setzt sich die Kooperation in einem gemeinsamen Workshop anlässlich der Aufführung „Frankfurt Babel“ des Jungen Schauspiel Frankfurt fort.

AWO Refugium am Kaiserdamm

Seit Ende 2013 dient das AWO Refugium am Kaiserdamm als Unterkunft für neuankommende geflüchtete Menschen. Vorwiegend junge Männer, aber auch Familien mit Kindern und ältere Menschen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, Pakistan und Palästina treffen hier nach ihrer Flucht aus unzumutbaren und meist lebensbedrohlichen Zuständen ein. Vom Eintreffen in Berlin bis zum Erhalt eines Aufenthaltstitels und oft auch darüber hinaus bietet das ehemalige Jugendhotel rund 100 Personen eine Bleibe. Das engagierte Team um die stellvertretende Leiterin Gauhar Besmil sorgt nicht nur für Unterkunft und Verpflegung, sondern unterstützt die Bewohner*innen auch bei den erforderlichen Behördengängen und der Anmeldung schulpflichtiger Kinder sowie den ersten Schritten in ein fremdes Land und eine meist ungewisse Zukunft.

Durch die seit 2015 bestehende Kooperation des AWO Refugiums mit den Berliner Festspielen und der Universität der Künste Berlin sind inzwischen nicht nur Beziehungen zwischen den Institutionen, sondern auch zwischen den Menschen entstanden, die von punktuellen Zusammenkünften über kontinuierliche Kontakte bis hin zur gemeinsamen Entwicklung von Ideen und Projekten reichen und dank der Initiative der Berlin Mondiale einen intensiven und anhaltenden Austausch ermöglichen.

Kooperation UdK Berlin

Schon im Dezember 2015 hatten Studierende und Lehrende der Fakultät Bildende Kunst einen Linolschnitt-Workshop für Kinder in den Werkstätten der Universität der Künste Berlin angeboten. Durch regelmäßige Vernetzung mit der AG Migration, die die UdK Berlin eingerichtet hat, einem Austausch mit dem Weiterbildungsprogramm „Refugee Class“ des Berlin Career College und die Beteiligung der Studierendeninitiative Common Ground, können immer wieder Synergien geschaffen werden.

So organisierte die grund_schule der künste der UdK Berlin im Rahmen ihres Willkommensklassen-Projekts „K:T:B Raum für mich und meine Bilder“ zusammen mit Mitarbeiter*innen der Berliner Festspiele ein Angebot für Kleinkinder und ihre Familien aus dem Refugium. Der besondere, von Olafur Eliasson gestaltete Raum mit der mehrsprachigen Bilderbuchsammlung bietet eine Begegnungsstätte für Jugendliche, Kleinkinder und ihre Eltern aus dem Refugium, Studierende der UdK Berlin und Mitarbeiter*innen der Berliner Festspiele.

Mehr Informationen unter: www.berlin-mondiale.de

Arbeitsgruppe Berlin Mondiale Kooperation

Katharina Fenderl, Christopher Hupe, Agata Lorkowska, Necati Öziri, Anne Phillips-Krug, Anja Predeick, Judith Rücker, Linda Sepp, Lisa Schmidt, Brigitte Schröder, Jeroen Versteele, Sander von Lingelsheim, Adrian Waschmann, Anneke Wiesner

Berliner Festspiele

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Die Berliner Festspiele stehen für ein Kulturprogramm, das Neues sichtbar macht. Ganzjährig realisieren sie eine Vielzahl von Festivals, Ausstellungen und Einzelveranstaltungen in ihren zwei Häusern.

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