Bundeswettbewerbe

Tanztreffen der Jugend – Forum

Das Forum des Tanztreffens der Jugend richtet sich an Tänzer*innen, Tanzvermittler*innen, Choreograf*innen, tanzerfahrene Theatermacher*innen und Studierende. Es untergliedert sich in Praxis, Dialog und Fokus. Die Praxis-Workshops gehen von den künstlerischen Positionen der Workshopleiter*innen aus und bieten den Teilnehmer*innen Einblicke in deren Herangehensweisen und künstlerische Strategien. Sie dienen sowohl als Rechercheräume zur Entwicklung choreografischen Materials als auch zur Reflexion der eigenen künstlerischen Praxis in der Arbeit mit jungen Menschen.

Die Aufführungsgespräche, die jeweils am Tag nach der Präsentation stattfinden, stellen die Dialogplattform des Forums dar. Die Auftakt-Diskussion zu Beginn des Forums fokussiert diesmal auf die Inhalte des Tanztreffens der Jugend selbst, spricht Erfahrungen, Entwicklungen und Möglichkeiten im Tanz mit Jugendlichen an und gibt Raum für ein erstes gemeinsames Kennenlernen.

Der Besuch der eingeladenen Produktionen des Tanztreffens der Jugend ist Bestandteil des Forums.

Konzept und Leitung Forum: Martina Kessel, studierte Tanzpädagogik an den Akademien in Rotterdam und Essen und absolvierte im Anschluss ein Studium der Ethnologie, Islamwissenschaft und Pädagogik an der Universität zu Köln. Es folgten Anstellungen als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Georg-August-Universität Göttingen und der Universität zu Köln. Von 2003-2013 war sie Projektleiterin von „Take-off: Junger Tanz“ am tanzhaus nrw, wo sie den Bereich Tanz für junges Publikum aufgebaut hat. Aktuell ist sie Projektleiterin von „ChanceTanz“, einem Projekt des Bundesverband Tanz in Schulen e.V. im Rahmen des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Anmeldung

Für die Teilnahme am Forum-Programm ist eine Anmeldung per E-Mail an erforderlich. Bitte geben Sie Ihren vollständigen Namen und ggf. Ihre Institution und den/die von Ihnen gewünschten Workshop/s an. Ihre Anmeldung ist verbindlich nach unserer Bestätigung und erfolgter Zahlung der Teilnahmegebühr. Die Teilnahme an den Veranstaltungen der Sektion Dialog (Auftakt und Aufführungsgespräche) ist immer und kostenfrei möglich!

Teilnahme an Praxis-Workshop I
Touch mit Joke Laureyns
(zeitgleich mit Praxis-Workshop II)
SA, 22. September 2018, 13:30 – 16:00 Uhr
SO, 23. September 2018, 9:30 – 12:00 Uhr & 13:30 – 16.00 Uhr
Tickets für die Aufführungen am 21., 22. und 23. September 2018
(Mittag-, Abendessen sowie alkoholfreie Getränke inkl.)
€ 110 / ermäßigt € 75

Teilnahme an Praxis-Workshop II
Fusion – Diversity in Dance mit Alesandra Seutin
(zeitgleich mit Praxis-Workshop I)
SA, 22. September 2018, 13:30 – 16:00 Uhr
SO, 23. September 2018, 9:30 – 12:00 Uhr & 13:30 – 16:00 Uhr
Tickets für die Aufführungen am 21., 22. und 23. September 2018
(Mittag-, Abendessen sowie alkoholfreie Getränke inkl.)
€ 110 / ermäßigt € 75

Teilnahme an Praxis-Workshop III
„Ballet Is a Woman”? mit Ilse Ghekiere & Dr. Margarita Tsomou
MO, 24. September 2018, 9:30 - 12:00 Uhr & 13:30 – 16:00 Uhr
Tickets für die Aufführungen am 24. September 2018
(Mittag-, Abendessen sowie alkoholfreie Getränke inkl.)
€ 60 / ermäßigt € 45

Teilnahme an Praxis-Workshop IV
Postkoloniale Biografien Inszenieren mit Josep Caballero Garcia & Ella Huck
(zeitgleich mit Praxis-Workshop V)
DI, 25. September 2018, 9:30 – 12:00 & 13:30 – 16:00 Uhr
MI, 26. September 2018, 12:00 – 13:30 Uhr
Tickets für die Aufführungen am 25. und 26. September 2018
(Mittag-, Abendessen sowie alkoholfreie Getränke inkl.)
€ 110 / ermäßigt € 75

Teilnahme an Praxis-Workshop V
Körperansichten – Body Views by The100hands mit Jasper Džuki Jelen & Mojra Vogelnik Škerlj
(zeitgleich mit Praxis-Workshop IV)
DI, 25. September 2018, 9:30 – 12:00 & 13:30 – 16:00 Uhr
MI, 26. September 2018, 09:30 – 12:00 Uhr
Tickets für die Aufführungen am 25. und 26. September 2018
(Mittag-, Abendessen sowie alkoholfreie Getränke inkl.)
€ 110 / ermäßigt € 75

Fokus
„INVITED“ von Ultima Vez – Performance und Workshop mit Seppe Beyens
DO, 27. September 2018, 11:00 – 12:00 Uhr & 13:30 – 16:00 Uhr
€ 80 / ermäßigt € 55

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Veranstaltungsorte
Praxis-Workshops:
Uferstudios
Uferstraße 8, 13357 Berlin
U8 Pankstraße / U9 Nauener Platz / S-Bahn Gesundbrunnen

Bühne, Dialog & Fokus:
Haus der Berliner Festspiele
Schaperstraße 24, 10719 Berlin
U9 / U3 / Bus 204 Spichernstraße

Bitte kümmern Sie sich rechtzeitig um Ihre Übernachtungsmöglichkeiten.

Kontakt
Bundeswettbewerbe der Berliner Festspiele
Tanztreffen der Jugend
Schaperstraße 24, 10719 Berlin
Tel. +49 (0)30 254 89 122
Fax +49 (0)30 254 89 132

www.berlinerfestspiele.de/bundeswettbewerbe

Auftakt

Let’s talk about Tanztreffen der Jugend!
SA, 22. September 2018, 10:00 – 11:30 Uhr

Mit Alexander Wenzlik, Silke Gerhard, Anthony Mejeh, Felix Berner, Josep Caballero und Christina Schulz
Moderation: Martina Kessel

Das Tanztreffen der Jugend geht in diesem Jahr in die fünfte Runde. Zeit, um Gewesenes zu resümieren, Bestehendes zu diskutieren und Visionen zu entwickeln! Wo steht der Tanz mit Jugendlichen in Deutschland heute und welche Entwicklungen wünschen wir uns? Ein Gespräch mit Vertreter*innen der Jury, der Bundeswettbewerbe der Berliner Festspiele, Choreograf*innen, weiteren Gästen, den anwesenden Expert*innen und Interessierten.

Praxis

Körper und Identität sind die zentralen Begriffe des diesjährigen Forums. Sowohl unsere Identität als auch der Umgang mit dem Körper sind geprägt durch unsere jeweiligen kulturellen Wurzeln, unser soziales Umfeld, durch persönliche Neigungen und Erfahrungen, historische Entwicklungen, gesellschaftliche Vorgaben, Zuschreibungen und vieles mehr. Die Workshops nähern sich diesem Themenkomplex auf der Basis unterschiedlicher Blickwinkel und damit verbundenen Ansätzen, sowohl um Körper als auch Identitäten wahrzunehmen, zu erforschen und zu inszenieren.

Gemeinsam mit der belgischen Choreografin Joke Laureyns der Kompanie kabinet k widmen wir uns dem berührenden und berührten Körper im Tanz. Wie entsteht Berührung und was löst sie bei den beteiligten Personen aus? Das sind Fragen, die in ihrem Workshop zentral sind. Mit der kulturell bedingten Diversität körperlicher Bewegungen beschäftigt sich Alesandra Seutin in „Fusion – diversity in dance“, einem Workshop, der uns mit ihrer Fusion von traditionellen afrikanischen Tänzen, zeitgenössischem Tanz und Hiphop vertraut macht. Das Inszenieren postkolonialer Biografien und das Erinnern der Körper an zum Teil diffus memorierte Erfahrungen sind Themen des zweitägigen Workshops von Ella Huck und Josep Caballero García. Ella Huck, die künstlerische Leiterin von Hajusom, und der Choreograf Josep Caballero teilen mit uns künstlerische Ansätze, die sie in gemeinsamen Produktionen erprobt haben. Margarita Tsomou und Ilse Ghekiere greifen ausgehend von der MeToo-Debatte Geschlechterinszenierungen im Tanz und die Bedeutung von Tanz- und Körperarbeit als Ausdrucksmittel der eigenen (Geschlechts-)Identität bei Kindern und Jugendlichen auf. Und schließlich beschäftigen wir uns im Workshop von Mojra Vogelnik Skerlj und Jasper Džuki Jelen mit dem Darstellen und Betrachten von Körpern im theatralen Kontext und versuchen durch neue Theatersettings, vertraute Muster zu durchbrechen und Körper neu und anders zu sehen und zu inszenieren.
Der letzte Workshoptag wird in diesem Jahr gemeinsam mit den Campus-Teilnehmer*innen stattfinden. Für diesen Tag haben wir Ultima Vez aus Belgien mit ihrer aktuellen Arbeit „INVITED“ in der Leitung von Seppe Baeyens eingeladen.

Praxis-Workshop I

Touch
Mit Joke Laureyns
SA, 22. September 2018, 13:30 – 16:00 Uhr
SO, 23. September 2018, 9:30 – 12:00 Uhr & 13:30 – 16:00 Uhr
Arbeitssprache des Workshops ist Englisch.

In der Arbeit der belgischen Kompanie kabinet k ist der Körper das zentrale Moment. Es ist nicht der Tanz oder eine spezielle Technik, die sie umtreibt, sondern ihr Interesse an Körperlich- und Leiblichkeit: Körper, die erforschen, suggerieren, verlagern, erzählen, spielen, anfassen und berühren. In ihrer Praxis verbindet sich der Körper mit seiner Umwelt, mit anderen Körpern und nicht zuletzt mit sich selbst.
Der Tanz als sozialer Akt lädt ein, miteinander in Kontakt zu treten. Gleichgültig ob dieser Kontakt spontan oder bedacht geschieht, entsteht er in ihrer Arbeit immer frei von Manipulation, quasi als „organische“ Konsequenz einer zielgerichteten Aktion.
Berührung als eine Form von Kontakt ist essentieller Bestandteil der Tanzsprache von kabinet k. Neben dem Atem ist die Berührung das Erste, was wir im Leben erfahren. Sie bildet die Basis unseres Wesens, die Grundlage unserer Kommunikation und Sprache. Berührung ist permanenter Bestandteil unseres Lebens. Doch ist der Umgang mit ihr keinesfalls so selbstverständlich wie es zunächst erscheinen mag: Kulturelle Unterschiede innerhalb unserer Gesellschaft, stereotype Sichtweisen auf Gender, tabuisierte sexuelle Vorstellungen oder durch Berührung ausgelöste Ängste weisen auf die Komplexität im Umgang mit Berührung hin. Doch letztlich bildet die Fähigkeit, sich - im konkreten und übertragenen Sinne - berühren zu lassen, die Basis für Empathie und dadurch für Toleranz, Mildtätigkeit und eine funktionierende Gemeinschaft.
In dem Workshop werden wir uns diesem komplexen Thema annähern und dabei den Ansatz des künstlerischen Kreationsprozesses, wie kabinet k ihn handhabt, kennenlernen. Der Workshop lädt auf spielerische und aktive Art dazu ein, den eigenen Umgang mit Berührung im Tanz in Auseinandersetzung mit sich selbst und anderen zu reflektieren.

www.kabinetk.be

Joke Laureyns (BE) ist Choreografin mit besonderem Interesse an Philosophie. Gemeinsam mit Kwint Manshoven leitet sie die belgische Kompanie kabinet k. In ihren Produktionen stehen professionelle Tänzer*innen und Kinder gemeinsam auf der Bühne. Ihre Bewegungssprache orientiert sich an konkreten Alltagsbewegungen und -gesten, die sie mit spielerischen Elementen vermischen. Sie arbeiten bevorzugt mit Kindern und alten Menschen, die nicht durch professionelle Tanztechniken oder bestimmte Bewegungsmuster vorgeprägt sind. Seit 2002 haben sie in Kooperation mit großen Theatergesellschaften eine Vielzahl an Tanzproduktionen geschaffen und damit internationale Aufmerksamkeit erlangt. Aktuell kooperieren kabinet k mit hetpaleis (Antwerpen). In diesem Kontext entstanden seit 2016 die Produktionen “Horses” und “invisible”, die sowohl in Belgien als auch international auf Tour gingen.

Praxis-Workshop II

Fusion – Diversity in Dance
Mit Alesandra Seutin
SA, 22. September 2018, 13:30 – 16:00 Uhr
SO, 23. September 2018, 9:30 – 12:00 Uhr & 13:30 – 16:00 Uhr
Arbeitssprache des Workshops ist Englisch.

Die Arbeiten von Alesandra Seutin sind geprägt von der Fusion traditioneller afrikanischer Tänze, zeitgenössischem Tanz und Hiphop. Auf dieser Basis erforscht sie gesellschaftsrelevante Themen und zeigt mit ihrem afro-europäischen Tanztheater zeitgemäße Entwicklungen des Tanzes auf. Mit der von ihr im Jahr 2007 gegründeten Kompanie Vocab Dance baut sie Brücken zwischen afrikanischem und zeitgenössischem Tanz.
In dem Workshop gibt Alesandra Seutin einen praktischen Einblick in die von ihr geprägte Fusion populärer und zeitgenössischer südafrikanischer Bewegungen und lädt die Teilnehmenden ein, über Diversität im Tanz und in den von ihnen geleiteten Jugendtanzgruppen zu reflektieren, um mit Freude und Mut die Herausforderungen unserer diversen Gesellschaft anzugehen.

Alesandra Seutin (ZWE/BE/GB) ist Performerin, Choreografin und international agierende Tanzdozentin. Geboren in Harare, Zimbabwe, wuchs sie in Brüssel auf und lebt heute in London und Antwerpen. Sie erhielt ihr Diplom am Laban Dance Centre in London und erwarb an der Middlesex University ihren Abschluss in Choreografie und Performance. Sie bildete sich an der von Germaine Acogny gegründeten L‘École des Sables (Senegal) weiter, wo sie u.a. mit Choreografen wie Nora Chipaumire, Pierre Doussaint, Flora Théfaine, Pedro Pauwels und David Zambrano arbeitete. Mit ihrer Vocab Dance Company kreiert und zeigt sie eigene Arbeiten u.a. am Sadler’s Wells Theatre, The Place Theatre, Stratford Circus, Théâtre Louis Aragon und dem tanzhaus nrw. Für ihre kontinuierliche Arbeit zur Verbindung des afrikanischen und europäisch zeitgenössischen Tanzes erhielt sie 2014 den Trailblazers Award der Association of Dance of the African Diaspora.

vocabdance.co.uk

Praxis-Workshop III

„Ballet Is a Woman?“
Mit Ilse Ghekiere und Dr. Margarita Tsomou
MO, 24. September 2018, 9:30 – 12:00 Uhr & 13:30 – 16:00 Uhr
Arbeitssprache des Workshops ist Englisch.  

Wie ist das Verhältnis von Geschlechterrollen und Tanz? Wie wirken Genderverhältnisse auf die Tanzpädagogik ein? Wie kann Geschlecht im Tanzunterricht emanzipatorisch reflektiert und auf der Bühne performt werden?
George Balanchines bekanntes Zitat „ballet is a woman“ offenbart, dass der (westliche) Tanz historisch stark durch traditionelle Genderbilder geprägt war und auch heute noch oft zwischen Frauen- und Männertänzen strikt unterschieden wird. Dabei werden ständig Geschlechterrollen performt und dargestellt. Wenn jedoch, im Gefolge der berühmten Losung der Gendertheoretikerin Judith Butler, Geschlecht eine (Körper-)Performance ist, könnte der Tanz auch ein Schlüssel sein, um eingelassene Geschlechteraufteilungen körperlich zu verwischen und neu zu erfinden. Der Workshop widmet sich zunächst einem historischen Überblick von Geschlechterinszenierung im Tanz und vertieft aktuelle Diskussionen zu Sexismus und Genderungleichheit im professionellen Tanzfeld (Stichwort #MeToo). In einem zweiten Schritt wird die Bedeutung von Tanz- und Körperarbeit als Ausdrucksmittel der eigenen (Geschlechts-)Identität bei Kindern und Heranwachsenden reflektiert. Daraus sollen Fragen für die Praxis ableitet werden.
Schließlich sollen die Beteiligten die eigene Arbeit mit Jugendlichen auf Genderaspekte hin befragen und gemeinsam Strategien für eine gendersensible Tanzpädagogik erarbeiten.

Ilse Ghekiere (BE) tanzt, schreibt, forscht und lehrt. Ausgehend von ihrer Ausbildung in Tanz (Artesis Hogeschool Antwerpen) und Kunstgeschichte (Vrije Universiteit Brussel) untersucht sie die Beziehung zwischen Literatur, body politics und gender history. Als Tänzerin hat sie mit Choreografen wie Michèle Anne De Mey, Mette Ingvartsen, Jan Martens, Stina Nyberg, Cecilia Lisa Eliceche, Manon Santkin und Pavle Heidler gearbeitet. Ein Stipendium der Flämischen Regierung gab ihr 2016 die Möglichkeit, sich neu zu orientieren. Seitdem fokussiert sie sich auf die Entwicklung feministischer künstlerischer Praktiken. Sie ist Artist in Residence bei RoSa (Archiv für Feminismus und Gendergerechtigkeit). In diesem Kontext verfasste sie den Artikel „#Wetoo: What dancers talk about when they talk about sexism“ und entwickelte das Projekt „OpenCanon“. Mit Unterstützung von Kunstenpunt/Flanders Arts Institute initiierte sie ENGAGEMENT, eine antisexistische Kampagne für die gesamte belgische Kunstszene.

Dr. Margarita Tsomou (GR) ist Autorin, Dramaturgin und Kuratorin. Sie gibt das pop-feministische Missy Magazine heraus und schreibt für deutsche Zeitungen und Radio.
Im Rahmen ihrer Tätigkeiten kooperiert sie regelmäßig mit Institutionen wie HAU Hebbel am Ufer, Kampnagel, Haus der Kulturen der Welt, Maxim Gorki Theater, Münchner Kammerspiele u.a. Ihr jüngstes Projekt war eine Veranstaltungsreihe im diskursiven Programm von Paul B. Preciado der documenta 14. Ihren Doktortitel erhielt sie im Graduiertenkolleg „Versammlung und Teilhabe. Urbane Öffentlichkeiten und performative Künste“, eine Forschungskooperation zwischen der HafenCity Universität Hamburg, K3 - Zentrum für Choreographie und dem FUNDUS THEATER in Hamburg. Margarita Tsomous Arbeit fokussiert auf queer-feministische Sexualitäts- und Kulturkritik sowie politische und interventionistische Performance. Sie gehört dem Verlagskollektiv b_books und der künstlerischen Aktivistinnengruppe Schwabinggrad Ballett an.

Praxis-Workshop IV

Postkoloniale Biografien Inszenieren
Mit Josep Caballero García und Ella Huck
DI, 25. September 2018, 9:30 – 12:00 Uhr & 13:30 – 16:00 Uhr
MI, 26. September 2018, 09:30 – 12:00 Uhr 
Arbeitssprache des Workshops ist Englisch.

Das Zentrum für transnationale Performancekunst Hajusom kreiert seit 1999 Performances mit jungen Menschen mit Migrationserfahrung. Grundlegend für ihre Arbeit ist das gemeinsame Verständnis, Migration als Normalfall der Menschheit anzusehen und Integration als wechselseitigen Prozess zu verstehen. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der Workshop mit unterschiedlichen Übungen und Strategien, postkoloniale Biografien in Bewegung und Theater zu thematisieren. Wie erinnern sich Körper an bestimmte Erfahrungen und wie kann man diese manchmal diffusen Erinnerungen choreografieren und/oder inszenieren? In unseren Kreationsprozessen setzen wir unterschiedliche Materialien und Inspirationsquellen wie Bilder, Videos, erzählte Geschichten, biografische Texte oder bekannte Rituale ein, um diese Körpererinnerungen, persönlichen Assoziationen, Gedanken und Emotionen zu wecken. Verschiedenartige Ansätze und Aufgaben von Bewegungs- und Theaterimprovisationen helfen uns, diese dann zu inszenieren, zu choreografieren und in eine theatrale Form zu bringen. Mit den Teilnehmenden möchten wir unterschiedliche Ansätze teilen und aktiv ausprobieren.

Josep Caballero García (ES/DE)studierte zeitgenössischen Tanz in Barcelona sowie am Centre national de danse contemporaine d'Angers (Frankreich) und beendete seine Ausbildung an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Seit 1994 ist er als Tänzer u.a. bei Pina Bausch, Urs Dietrich, Doris Stelzer und Xavier le Roy tätig. Seit 2006 lebt er in Berlin und entwickelt seine eigenen choreografischen Projekte in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer und Kampnagel. Einen Teil seiner künstlerischen Arbeit realisiert er mit Kindern und Jugendlichen. Er leitet Tanzprojekte in Berlin und Hamburg im Rahmen von Houseclub von HAU Hebbel am Ufer, TanzZeit e.V. Berlin, K3 - Zentrum für Choreographie, JTW Spandau u.a. Seit 2016 arbeitet er regelmäßig als Choreograf in verschiedenen interdisziplinären Produktionen mit dem transnationalen Ensemble Hajusom (Hamburg), einer Kompanie mit jungen Menschen mit Migrationsgeschichte als auch mit Jugendlichen mit Fluchterfahrung. Darüber hinaus gibt er Workshops zur Vermittlung von Tanz für und mit Kindern und Jugendlichen an unterschiedlichen internationalen Institutionen.

josepcaballero.com

Ella Huck (DE) erhielt ihre Schauspielausbildung bei Jacques Lecoq an der École Internationale de Théâtre in Paris. Seit 1992 arbeitet sie als Darstellerin in interdisziplinären Performance-Projekten in Koproduktion u.a. mit dem Theater im Pumpenhaus und der Kunstakademie Münster. Gemeinsam mit Dorothea Reinicke initiiert sie im Jahr 1999 den Ferienworkshop Theater- und Performance-Training für minderjährige, unbegleitete geflüchtete Kinder und Jugendliche. Gemeinsam mit den jungen Performer*innen entwickeln sie daraus das inzwischen mehrfach ausgezeichnete transnationale Kunst-Projekt Hajusom, das u.a. mit Kampnagel (Hamburg) und dem Theater im Pumpenhaus (Münster) koproduziert und mit vielen internationalen Künstlern zusammenarbeitet (u.a. Patrick Kabré (Burkina Faso) und Yaya Coulibaly (Mali)). Sie ist künstlerische Leiterin von Hajusom und arbeitet als Regisseurin für alle Hajusom-Produktionen. Darüber hinaus ist sie als Dozentin für Körpertheater tätig.

www.hajusom.de

Praxis-Workshop V

Körperansichten - Body Views by The100hands
Mit Jasper Džuki Jelen und Mojra Vogelnik Škerlj
DI, 25. September 2018, 9:30 – 12:00 Uhr & 13:30 – 16:00 Uhr
MI, 26. September 2018, 9:30 – 12:00 Uhr
Arbeitssprache des Workshops ist Englisch.

Tanzaufführungen stellen einen idealen Kontext zur Darstellung und Betrachtung des Körpers dar. Doch was sind unsere persönlichen und kulturell bedingten Prägungen, Körper zu betrachten oder unseren Körper betrachten zu lassen? Welche Interaktionsprozesse verbergen sich hinter dem Betrachten und Darstellen von Körpern im Setting einer Aufführung? Im Workshop wollen wir diesen Frage nachgehen, indem wir die traditionelle Aufteilung des Theaters in Bühne und Zuschauerraum aufgeben, die Rollen von Performer*in, Zuschauer*in und Choreograf*in verwischen und somit Möglichkeiten schaffen, die Muster zu durchbrechen, die unsere Auswahl an Bewegungen und unsere Interaktionsmöglichkeiten bestimmen, um so zu neuen Formen und Inszenierungen zu gelangen.
Bei der Betrachtung des Körpers und bei allen menschlichen Interaktionen ist der Blick von wesentlicher Bedeutung. Indem wir unser Augenmerk auf ihn richten, erfahren wir die durch Blicke gesteuerten und meist unterschwelligen Spiele der Macht und Verletzbarkeit.
Der Workshop bietet eine Plattform für persönliche Explorationen und stellt Methoden vor, ein „sicheres“ Umfeld für die teilnehmenden Jugendlichen zu schaffen. Wir lernen konkrete Werkzeuge für Training, Kreation, Aufführung und Diskurs kennen, die im Kontext des Darstellens und Betrachtens von Körpern in der Arbeit mit Jugendlichen wichtig sind.

„but freedom, freedom never greater than its owner / freedom is the mastery of the known / freedom, freedom never greater than its owner /no view is wider than the eye“, Kings of Convenience

Jasper Džuki Jelen (NL/SI) studierte Tanz an der Codarts – Hogeschool voor de Kunsten in Rotterdam und arbeitete über zehn Jahre als Tänzer in enger Verbindung mit Erik Kaiel/Arch8 im internationalen Kontext. Parallel zu seiner Tänzerkarriere entwickelte er eigene Arbeiten in den dansateliers in Rotterdam, im Dance Centrum Jette in Brüssel, im Korzo Theater in Den Haag sowie beim Holland Dance Festival und unterrichtete an Akademien in den Niederlanden und Belgien (Codarts – Hogeschool voor de Kunsten, Artesis Hogeschool Antwerpen, Fontys Dance Academy, Amsterdamse Hogeschool voor de Kunsten/5 o’clock class). 2014 gründete er gemeinsam mit Mojra Vogelnik-Škerlj das junge Theaterkollektiv The100Hands. Fasziniert von den komplexen Beziehungen zwischen Menschen verlässt er in seinen Inszenierungen häufig den traditionellen Theaterkontext, um die Relationen zwischen Performer*innen und Publikum auf diesem Wege neu zu definieren.

Mojra Vogelnik Škerlj (SI) studierte Architektur und erlernte parallel dazu unterschiedliche Tanz-/ Körpertechniken wie Capoeira, Improvisationstechniken und Partnering (u.a. bei J. Hamilton, Nancy S. Smith, D. Zambrano). Architektur spielt eine wichtige Rolle in ihrer Arbeit, wie auch die Beziehung zwischen Zuschauer*innen und Performer*innen. In diesem Kontext erforscht sie, wie Tanz, Improvisation und LARP (Live Action Role Playing) Erfahrungsräume öffnen und auf Seiten des Publikums zur aktiven Teilhabe am Aufführungsgeschehen führen können. Derzeit beschäftigt sie sich mit nachhaltigen kulturellen Praktiken, sowohl auf physischer als auch auf ökologischer Ebene, und untersucht, wie kulturelle Praktiken sowohl unseren Blick auf Produktionsprozesse als auch unseren Umgang mit dem Körper als Hauptressource unserer Arbeit verändern können.

the100hands.com

Fokus

„INVITED“ von Ultima Vez – Performance und Workshop mit Seppe Beyens
DO, 27. September 2018, 11:00 – 12:00 Uhr & 13:30 – 15:00 Uhr

Bereits ausgebucht !

Der letzte Workshoptag wird in diesem Jahr gemeinsam mit den Campus-Teilnehmer*innen stattfinden. Für diesen Tag haben wir Ultima Vez aus Belgien mit ihrer aktuellen Arbeit „INVITED“ unter der Leitung von Seppe Baeyens eingeladen. Nach dem Vorstellungsbesuch sprechen wir mit ihm über seine aktuelle Produktion und erfahren von seiner Arbeit mit Bewohner*innen des Brüsseler Stadtviertels Molenbeek.

„INVITED“
Eine Gruppe ganz unterschiedlicher Menschen trifft sich zur Performance, aber wo bleiben die Tänzer*innen? Ein älterer Mann steht auf. Und tanzt. Ein Kind folgt. Die Sitznachbar*innen gehören auch dazu. Sind sie die eigentlichen Tänzer*innen? Wer ist hier eigentlich Publikum und wer Performer*in? Seppe Baeyens und sein generationsübergreifendes Ensemble fragen sich, wie das Publikum während der Vorstellung Ko-Autor*in einer Choreografie werden kann. Sie suchen mittels Tanz nach einer alternativen Form des Zusammenlebens und der Begegnung. Wie können unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen, Sprachen und Ideen zu einem gemeinsamen Kunstwerk werden? Und wie schafft man Bedingungen dafür, dass jede*r den Mut hat, die eigene Stimme zu erheben?
Der Cast von „INVITED“ besteht aus einer Gruppe professioneller und nicht-professioneller Performer*innen verschiedener Generationen. Seppe Baeyens fing als Jugendlicher an, bei der belgischen Kompanie fABULEUS zu tanzen, bevor er später für das renommierte Produktionszentrum Kopergietery und Kompanien wie Kabinet K., Ontroerend Goed und Miet Warlop performte. Seit 2011 ist er eng mit Ultima Vez, der Kompanie des belgischen Choreografen Wim Vandekeybus, verbunden.

Dialog

Aufführungsgespräche
SA 22. SO 23. MO 24. DI 25. MI 26. & DO 27. September 2018, jeweils 17:30 – 18:30 Uhr
mit Jo Parkes

Das tägliche Aufführungsgespräch wird durch Beschreibungen und Beobachtungen zu der am Vorabend gezeigten Produktion eingeleitet. Choreograf*innen, Juror*innen und Forumsteilnehmer*innen diskutieren hier die formalästhetischen, thematischen und inhaltlichen Aspekte der Produktionen. Gefragt sind Expertise und Kritik, Neugier und ein scharfer Blick sowie Lust auf neue Perspektiven im Gespräch.

Jo Parkes (DE/UK) ist freiberufliche Tanzkünstlerin und Regisseurin. Sie kreiert partizipative Installationen und Performances für den öffentlichen Raum und im Kontext ihrer Videokunstprojekte. Sie ist Gründerin und künstlerische Leiterin von Mobile Dance e.V. Mobile Dance arbeitet sozial engagiert und erreicht mit seinen ko-kreativen Prozessen viele Menschen mit erschwertem Zugang zu partizipativem künstlerischem Schaffen, unter anderem in der internationalen Videoreihe „Postcards from…" (2009-2017) und seit 2014 mit „JUNCTION“, einem Tanz- und Videoworkshopprogramm in fünf Berliner Unterkünften für geflüchtete Menschen. Jo Parkes ist eine international gefragte Gastdozentin für Community Dance, u.a. an der Dans och Cirkushögskolan (DOCH) in Stockholm, an der Universität Bern sowie am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz - Berlin (HZT). 1995 erhielt sie ein Fulbright Stipendium, um ihren Master-Abschluss in Choreografie an der University of California, Los Angeles (UCLA) zu machen. Sie erwarb einen Abschluss (First Class) in Englischer Literatur und Deutsch an der University of Oxford. 2002 gewann sie den Bonnie Bird New Choreography Award. 2009 wurde das Projekt „Postcards from Berlin“ von der Bildungsinitiative „Kinder zum Olymp!“ der Kulturstiftung der Länder ausgezeichnet. 2016 erhielt sie ein Stipendium vom Berliner Senat. Ihr Stück „On tradition: the young generation“ (tjg. theater junge generation, Dresden) wurde 2017 zum Tanztreffen der Jugend eingeladen.

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