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Bundeswettbewerbe

Theatertreffen der Jugend 2014

Rückschau auf das Theatertreffen der Jugend 2014

Das Jahr 2014 zeigte thematisch und formal ein sehr großes Spektrum an Theaterproduktionen von und mit Jugendlichen und es wurde die gesamte Szene der Jugendtheaterarbeit repräsentiert. Besonders erfreulich war die Zunahme von Produktionen aus dem Schulbereich, die in den letzten Jahren kaum noch in der Endauswahl vertreten waren. Sie kamen in diesem Jahr aus Greifswald, Schwerin, Grevenbroich und Hamburg, ergänzt um freie Gruppen aus Chemnitz und Berlin und Jugendgruppen von Theatern aus Berlin und München.

Die Fragen der sehr unterschiedlichen Produktionen kreisten um das Glück im Kleinen wie im Großen, um Werte einer Gesellschaft und den eigenen Standpunkt hierzu und schlossen dabei die Frage ein, auf welchem Nährboden Gewaltbereitschaft einzelner und vieler entstehen kann. Sie arbeiteten sich an Frauenbildern und Rollenklischees ab, suchten nach der richtigen Art, Abschied zu nehmen. Sie thematisierten die Unfassbarkeit der Auswirkungen von Krieg anhand des aktuellen Syrienkonflikts und die Unmöglichkeit, sich heute den 1. Weltkrieg vorzustellen. Ob pures, emotionalisierendes Spiel, rockkonzertartige und Performance-Elemente, Rollen- und Szenenwechsel, bewusst gesetzte Posen oder Live-Kameras auf der Bühne, zeigten die Jugendlichen auf beeindruckende Weise, wie sicher sie in den selbstgewählten Mitteln auf der Bühne agieren. Humor, Dynamik und Neugierde gepaart mit Mut und Übermut führten zu einer Direktheit, der sich das Publikum nur schwer entziehen konnte.

Die Diskurse der Produktionen fanden Widerhall im Campus-Programm des Theatertreffens der Jugend: in den Workshops, den Aufführungsgesprächen, der Festivalzeitung, dem Blog und den vielen Begegnungen der Teilnehmer/-innen im Garten, beim Essen, in Gruppen irgendwo im Haus der Berliner Festspiele. Gefeiert wurde natürlich auch, auf und unter der Bühne.

Im Forum-Programm für die künstlerische Leiter/-innen von jugendlichen Theatergruppen sowie für Studierende ging es ebenfalls um den gegenseitigen Austausch. In Workshops und Gesprächen wurden theatrale Formen und Inhalte der eingeladenen Produktionen im Hinblick auf die eigene Theaterarbeit befragt und reflektiert. Darüber hinaus wurden zu verschiedenen Schwerpunkten Impulse für die weitere Theaterarbeit gegeben.

Christina Schulz
Leiterin der Bundeswettbewerbe der Berliner Festspiele