Bundeswettbewerbe

Theatertreffen der Jugend – Forum

FORUM für Spielleiter*innen

Das Forum des Theatertreffens der Jugend richtet sich an Spielleiter*innen und gliedert sich in die Bereiche Praxis und Dialog. Die Sektion Praxis beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem Theater(-machen) mit Jugendlichen aus einer intersektionalen Perspektive. Im Rahmen von praxisorientierten Workshops und diskursiven Formaten wird das Zusammenwirken unterschiedlicher Formen von Diskriminierung (und Privilegierung) beleuchtet und die Verflechtungen in bestehende gesellschaftlich (Macht-)Verhältnisse reflektiert. Dies beinhaltet auch die Auseinandersetzung mit und Entwicklung von konkreten Handlungsoptionen für die eigene Theaterpraxis.

Das Theatertreffen der Jugend beginnt mit einem Kick-Off für alle Teilnehmer*innen, in dem sich alle Beteiligten darüber verständigen, wie sich das Theatertreffen der Jugend zu einem gemeinsamen Lern- und Erfahrungsort werden kann mit einer wertschätzenden Gesprächs- und Feedbackkultur, in der viele verschiedenen Perspektiven auf Theater ihren Platz finden. Daran knüpft das Podiumsgespräch mit Azadeh Sharifi und ihren Gesprächspartner*innen an, indem sie einen (repräsentations-)kritischen Blick auf das Theater werfen und der Frage nachgehen, wie eine szenischen Auseinandersetzung mit Themen wie Flucht, Migration und Identität gelingen kann, ohne dass dabei Klischees und Stereotype reproduziert werden. In der Workshop-Einheit von Tupoka Ogette und Stephen Lawson geht es um die Sensibilisierung zum Thema „Kritisches Weißsein und rassistische Sozialisierung“ speziell im Theaterkulturkontext. Um eine kritische Reflexion der Theaterpraxis geht es auch in den nachfolgenden zwei Workshops: Während Julian Warner in seinem Workshop gemeinsam mit den Teilnehmer*innen den Akt der kulturellen Aneignung anhand von Tänzen untersucht, beleuchten Diana Thielen und Alisa Tretau in interdisziplinären Performance-Formaten das Verhältnis von Körperlichkeit, Materialität und Gender.

Die Sektion Dialog unter der Leitung von Birgit Lengers und Kristina Stang lädt alle Teilnehmer*innen am FORUM und Fachbesucher*innen dazu ein, im Rahmen der Aufführungsgespräche über die eingeladenen Produktionen des Theatertreffens der Jugend zu sprechen.

Konzeptionelle Leitung

Ina Driemel, Theaterpädagogin in Theorie und Praxis. Von 2015 – 2018 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin des DFG-Graduiertenkollegs „Das Wissen der Künste“ an der Universität der Künste Berlin tätig. Sie lehrt(e) als Dozentin an verschiedenen Hochschulen in den Studiengängen Soziale Arbeit und Theaterpädagogik, u.a. an der Alice Salomon Hochschule Berlin, Hochschule für Musik und Theater Rostock, Universität der Künste Berlin. Neben ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit ist sie auch theaterpraktisch tätig, u.a. als Mitglied des Künstlerinnenduos gruppegoldstrand.

Anmeldung und Information

Eine Anmeldung für das Forum 2018 ist leider nicht mehr möglich. Alle Plätze sind vergeben.

Auftakt und Dialog sind kostenfreie Veranstaltungen mit Anmeldung.

Für die Praxis-Workshops werden pro Workshop je € 40 Teilnahmegebühr erhoben, die nach Anmeldebestätigung überwiesen werden muss.

Tickets für das Theatertreffen der Jugend werden nach Verfügbarkeit zur Verfügung gestellt für die Tage, an denen Sie am Forum-Programm teilnehmen. An diesen Tagen sind Sie ebenfalls zum Mittag- und Abendessen berechtigt.

Ihre Anmeldung ist verbindlich. Sollten Sie einen Workshop-Termin nicht wahrnehmen können, bitten wir Sie, zwei Tage im Voraus abzusagen, um die Plätze weitergeben zu können. Bei Fernbleiben ohne Absage wird der Teilnahmebetrag nicht zurück erstattet.

Programm FORUM für Spielleiter*innen

KICK-OFF

Alles nur Theater?!
SA 14.04.2018, 09:30-12:30 Uhr
Konzept: Julia Lemmle, Bahar Meric, André Vollrath
Offen für alle am Festival Beteiligten und Forumsteilnehmer*innen

Du bist mit dabei beim Theatertreffen der Jugend 2018! Fragst Du dich insgeheim auch, was das Theatertreffen der Jugend so wirklich genau ist, was dich erwartet und wer noch dabei ist? Und vor allem: Welche Rolle spielst DU in dem Ganzen?

An diesem Kick-off-Workshop nehmen alle Beteiligten des Theatertreffens der Jugend 2018 teil. Wir werfen einen Blick auf die Geschichte und den Spirit des Theatertreffens der Jugend.

Denn wir möchten Wege finden, das Theatertreffen der Jugend 2018 gemeinsam so zu gestalten, dass es für alle eine inspirierende, bereichernde, lustige, herausfordernde und wunderbar intensive Zeit werden kann. Dazu gilt es zu klären: Wie möchten wir miteinander umgehen? Wie reden wir miteinander und wie reden wir über Theater? Gibt es das eigentlich, dieses EINE „Theater“ – und warum versteht dann jede Person etwas anderes darunter? Von wem und aus welcher Perspektive wird wie Theater gemacht? Für wen und für wen nicht? Wer wird auf der Bühne wie dargestellt und was hat das für Folgen? Was hat das alles mit Macht und Diskriminierung zu tun?

Beim Kick-off geht es darum, miteinander zu klären, auf welchen Grundlagen wir gemeinsam das Theatertreffen der Jugend gestalten können: indem wir zum Beispiel herausfinden, wie und wann Feedback konstruktiv und passend ist, warum es wichtig ist, zu sagen, was wir wissen und wie wir unser Wissen weitergeben können, um miteinander und voneinander zu lernen.

Wir möchten eine Grundlage schaffen für so ne richtig krass schöne, verrückte, gemeinsame Zeit!

Julia Lemmle ist Kommunikationstrainerin, system. Coach & Performerin. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Empowerment von Frauen* (LGBTQ) und der Begleitung von Veränderungsprozessen. Sie möchte Räume empathischer Kommunikation schaffen, die (stärkeren) Zugang zu Gefühlen und Körperempfindungen ermöglichen, um sexistische und rassistische Strukturen zu hinterfragen und zu verändern.

André Vollrath ist Diversity- und Kommunikationstrainer, Performer, Musiker und Teil der Performancekollektive Fräulein Bernd und meet MIMOSA. In seiner pädagogischen und künstlerischen Arbeit widmet er sich den Themen Herrschaft, strukturelle Diskriminierung (Schwerpunkt: Rassismus/Kritisches Weißsein), lebendige Kommunikation und Verbindung. Wichtig ist ihm der Dialog zwischen intellektuellem und körperlich-emotionalem Wissen.

Bahar Meric lebt und arbeitet als freischaffende Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin in Berlin. Sie arbeitet projektbezogen und genreübergreifend mit Tänzer*innen, Schauspieler*innen und Laie*n unterschiedlichsten Alters weltweit. Grundlage ihrer Arbeitsweise ist Improvisation und die Verbindung von unterschiedlichen Tanzstilen (zeitgenössischer Tanz, Hip Hop, Ballett). Sie unterrichtet als Dozentin am Berlin Career College der Universität der Künste / TanzTangente im Zertifikatskurs „Creating Dance in Art and Education- Tanzpädagogik und Choreografie“ und leitete u.a. Workshops am Theaterhaus Jena und der TU Berlin. Als Tänzerin war sie an Produktionen u.a. an der Komischen Oper Berlin, Universität Michigan, USA und der Universität Ankara, Türkei beteiligt. Im Bereich der politischen Bildung war sie für das August Bebel Institut zu den Themen Rassismus, Diskriminierung und politische Partizipation tätig. Sie inszenierte u.a. an der Hochschule der Künste Bern, im Haus der Universitäten, Abteilung Kunstgeschichte der Gegenwart des IKG, Bern, am Maxim Gorki Theater Berlin, am Deutschen Theater Berlin (Coaching), für das Goethe Institut Karachi, Pakistan und war als Choreografin und Schauspielerin an mehreren Kinofilm- und Fernsehproduktionen beteiligt. Seit 2013 ist sie Mitglied des Künstlerkollektivs Tangente Company und Vorstandsmitglied von SuB kultur e.V.

Sowie mit Manjiri Palicha, Patricia Okello, Deniz Utlu und Christina Wüstenhagen

Manjiri Palicha arbeitet als wissenschaftlich-pädagogische Mitarbeiterin bei der Geschäftsstelle Integration der Berliner Volkshochschulen. Die VHS Geschäftsstelle Integration steuert im Auftrag der Berliner Volkshochschulen die überbezirkliche Koordination der Deutschkursangebote für geflüchtete Menschen in Berlin. Manjiri Palicha ist auch langjährige Trainerin für Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache. Außerdem hat sie zahlreiche Workshops zu Anti-Diskriminierung und Anti-Rassismus u.a. für die Friedrich-Ebert-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung, LesMigraS gegeben. Ihr Fokus liegt hierbei an der Schnittstelle von Migration, Anti-Diskriminierung, Empowerment und Deutsch als Fremd-/Zweitsprache.

Patricia Okello ist Vorstandsvorsitzende des Vereins Der Zeitgeist. ShareITY e.V., der sich für mehr Demokratie einsetzt. Sie ist Projektkoordinatorin und in der Geschäftsführung des Ludwigshafener Dachverband AG der Kulturen. Im Rahmen ihrer haupt- und ehrenamtlichen Tätigkeiten werden Projekte im Bereich politische Bildung für junge Erwachsene mit Migrationserfahrung realisiert, ebenso für Menschen mit und ohne Fluchterfahrung. Als eine der Erstunterzeichner*innen des Manifests „Relaunch Europe Bottom-Up“ arbeitet sie in einem transnationalen Bündnis mit weiteren Akteur*innen zusammen, um europäische Lösungen für soziale Herausforderungen zu finden.

Deniz Utlu ist Romanautor. Er studierte Volkswirtschaftslehre in Berlin und Paris und lebt in Berlin. Er arbeitet als Kurator für Festivals und thematische Reihen und gründete das Literatur- und Gesellschaftsmagazin freitext in Hannover. Sein erster Roman „Die Ungehaltenen“ kam im Studio des Maxim Gorki Theaters in Berlin auf die Bühne. Er schreibt unter anderem für „Der Tagesspiegel“.

Christina Wüstenhagen geboren 1989, ist freischaffende Tänzerin und staatlich anerkannte Pädagogin. Sie initiiert und leitet verschiedene Tanz- und Kulturprojekte in Kooperation mit Theatern, Museen und Schulen. Ausgehend von ihrem Interesse an Tanz, Medien und dem Erforschen neuer, interaktiver Aufführungsformate, kreiert sie gemeinsam mit den Künstler*innennetzwerken SuB Kultur e.V. und Dreitausend e.V. interdisziplinäre, künstlerische Arbeiten. Gemeinsam mit Berliner Tänzer*innen realisiert sie zeitgenössische Tanzproduktionen und Community-Dance-Projekte in Zusammenarbeit mit der „TanzTangente“ in Berlin.

AUFTAKT

Der kritische Blick – Podiumsgespräch
SA 14.04.2018, 14:00-16:00 Uhr
Mit Saraya Gomis, Laura Paetau und Bonn Park
Moderation: Dr. Azadeh Sharifi
Für Fachgäste des Theatertreffens der Jugend

Theaterschaffende sind in ihrem Selbstverständnis zuallermeist gesellschaftskritisch engagiert, setzen sich mit Diskriminierung und Rassismus auseinander und sind darum bemüht, die eigene (privilegierte) Situation zu reflektieren. Und trotzdem werden auf der Bühne Machtgefälle, Ausschlüsse, Klischees und Stereotype reproduziert – selbst dort, wo sich Theaterschaffende große Mühe geben, Diskriminierung zu vermeiden. Dass, was vermeintlich (gut) gemeint war, vermittelt sich scheinbar nicht, sondern muss (nachträglich) erklärt werden. Das Podiumsgespräch versucht einen diskriminierungskritischen Blick auf das Theater zu werfen und beleuchtet Möglichkeiten einer szenischen Auseinandersetzung mit Themen wie Flucht, Migration und Identität. Dabei sollen möglichst viele Formen des Ausschlusses in den Blick genommen werden.

Saraya Gomis – ist Antidiskriminierungsbeauftragte in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Berlin und lernt mit jungen Menschen, die Theater, Kunst und Schule machen.

Laura Paetau – bewegt sich mit ihren Projekten zwischen Theorie, Performance und Politik. Sie arbeitet als Kuratorin, Dramaturgin und Autorin zu queer-feministischen und postmigrantischen Themen und Formen. Zuletzt kuratierte sie das performative Labor „Intercultural Processes & Art: the Next Level“ am Ballhaus Naunynstraße und veröffentlichte als Teil des Redaktionsteams das Dossier „Kulturelle Bildung im Kontext Asyl“.

Bonn Park – Autor und Regisseur. Geboren 1987 in Berlin und nach einer Stadt benannt. Ab 2008 studiert er Slawische Sprachen und Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2010 bewirbt er sich erfolgreich für den Studiengang Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Für sein erstes Stück „Die Leiden des Jungen Super Mario in 2D“, das er im Rahmen des Studiums verfasste, erhält er 2011 den Innovationspreis des Heidelberger Stückemarkts. 2013 nimmt der Theaterverlag henschel SCHAUSPIEL Bonn Park unter Vertrag. Sein Stück „Traurigkeit & Melancholie oder der aller aller einsamste George aller aller Zeiten“ wird 2014 mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis ausgezeichnet und im Juni 2015 in Bonn unter der Regie von Mina Salehpour uraufgeführt. Es folgen Vertonungen seiner Stücke bei Deutschlandradio Kultur und Werkaufträge für das Theater an der Parkaue – Junges Staatstheater Berlin, das Schauspiel Chemnitz und das Schauspiel Frankfurt. 2016 erhält er mit „Wir trauern um Bonn Park“ den Jugendjurypreis der Essener Autorentage. Mit „Das Knurren der Milchstraße“ gewinnt er 2017 den 1. Preis des Stückemarktes beim Berliner Theatertreffen und inszeniert das Stück anschließend selbst am Theater Bielefeld. Mit seiner Oper „Drei Milliarden Schwestern“ kehrt er zum Jugendtheater P14 an der Volksbühne zurück, mit dem er zum ersten Mal ein Stück für die große Bühne des Hauses entwickeln wird.

Dr. Azadeh Sharifi ist promovierte Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Aktivistin. Seit Oktober 2016 arbeitet sie an ihrem PostDoc-Projekt "(Post)migrantisches Theater in der deutschen Theatergeschichte – (Dis)Kontinuitäten von Ästhetiken und Narrativen" am Institut für Theaterwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 2014 bis 2015 war sie Fellow am Internationalen Forschungskolleg Interweaving Performance Cultures der Freien Universität Berlin. Neben Lehr- und Forschungstätigkeit, ist sie auch in praxisnahen Feldern, u.a. als Mitkuratorin des Festivals Politik im Freien Theater 2018 in München tätig.

PRAXIS

Weiße Privilegien und rassistische Sozialisierung
SO 15.04., 10:00–16:00
mit Tupoka Ogette und Stephen Lawson

In diesem Workshop geht es um eine nicht konfrontative Sensibilisierung zum Thema Kritisches Weißsein und rassistische Sozialisierung speziell im Theaterkulturkontext. Dabei wird es zunächst um folgende Fragen gehen: Was ist Rassismus? Die Macht der Sprache - Sprache der Macht - Wie können wir diskriminierungsarm Sprechen? Was hat es mit political correctness und Bildsprache im Theater auf sich? Von Vor- und anderen Urteilen - welche gesellschaftlichen "Funktionen" erfüllen Vorurteile und wie können wir vorurteilsbewusster werden? Weiße Privilegien - was bedeutet es Privilegien zu haben und wie können wir sie verantwortungsbewusst "nutzen"? Daran anschließend werden wir gemeinsam Handlungsoptionen für den Alltag mit Fokus auf den Kunst- und Theaterkontext entwickeln und diskutieren. Der Workshop wird interaktiv gestaltet sein. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bereitschaft zur Selbstreflexion.

Tupoka Ogette ist Expertin für Vielfalt und Antidiskriminierung. Langjährige Trainerin, Beraterin und Dozentin. Autorin des Buches „exit Racism. rassismuskritisch denken lernen“, erschienen im UNRAST Verlag.

Stephen Lawson ist Steinmetz, Bildhauer. Rassismuskritischer Referent und Aktivist.

Appropriate Representation / Appropriated Practice
MO 16.04.2018, 09:30-12:00 Uhr und 13:30-16:00 Uhr
mit Julian Warner

2013 performte das weiße Pop-Starlet Miley Cyrus gemeinsam mit ihren afroamerikanischen Tänzer*innen bei den Video Music Awards eine sogenannte Twerking-Choreografie. Das rhythmische Schütteln und pornographische Ausstellen des Hinterns zu basslastigen Beats löste einen Sturm der Entrüstung aus. Gleichzeitig machte die Performance Twerking einem Massenpublikum zugänglich.

Die Aneignung und Vermarktung schwarzer und anderer minoritärer Tanzformen besitzt eine lange Tradition in der Pop-Kultur und reicht zurück bis in die Zeit der Minstrel Shows des 19. Jahrhunderts. Die Fragen, welche diese kulturellen Aneignungen aufwerfen sind seit jeher dieselben: Welche Bedeutungen tragen Tänze? Gehören sie irgendwem und wer darf sie dann überhaupt tanzen?

Im Workshop „Appropriate Representation / Appropriated Practice“ werden die politischen Kämpfe um Repräsentation, Aneignung und Rassismus am Beispiel dreier schwarz rassifizierter Tänze in einen kritischen Tanzkurs überführt. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen untersucht Julian Warner praktisch sowie diskursiv den Akt der kulturellen Aneignung in seiner machtkritischen Dimension wie auch in seiner popkulturellen Bedeutung.

Julian Warner (HAUPTAKTION) – studierte Theaterwissenschaft, Amerikanische Literaturgeschichte und Ethnologie an der Ludwig-Maximiliana-Universität München sowie Visuelle Anthropologie und Soziologie an der University of Kent (UK). Seit 2015 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturanthropologie der Universität Göttingen. Seine Schwerpunkte sind Black European Studies, Rassismus- und Popkulturforschung. Er war als Dramaturg bei Anta Helena Reckes Schwarzkopie von „Mittelreich“ tätig und ist Mitglied der künstlerischen Forschungsgesellschaft HAUPTAKTION. www.hauptaktion.de

Mein Körper, dein Blick und wir – queer-feministische Perspektiven auf performative (Selbst-)Inszenierungen
DI 17.04.2018, 09:30-12:00 Uhr und 13:30-16:00 Uhr
MI 18.04.2018, 09:30-12:00 Uhr und 13:30-16:00 Uhr
mit Diana Thielen und Alisa Tretau

Die Tänzerin Diana Thielen und die Regisseurin Alisa Tretau haben sich als THIELEN_TRETAU zusammengefunden, um in interdisziplinären Performance-Formaten die Implikationen von Gender, Sexualitäten und Körperlichkeiten für Arbeit und Alltag zu erforschen. Zentral sind hierbei Fragen nach sozialen Weiblichkeits*-Konstruktionen und deren Einfluss auf das eigene Körperverständnis, sowie Versuche, solidarische Räume „unter sich“ und mit dem Publikum zu schaffen. In ihrem Workshop laden THIELEN_TRETAU die Teilnehmer*innen ein, sensibel, kritisch und experimentell die eigene Positionierung im genannten Themenkomplex zu erforschen. Mit Hilfe einer bunten Methoden-Mischung aus Tanz, Theater, kreativem Schreiben und Performance, werden eigene Szenen entwickelt, in denen die Flexibilität vermeintlich feststehender Identitäten und Räume erprobt werden kann.

Diana Thielen, Tänzerin und Performerin, engagierte Feministin und Studentin für Erziehungswissenschaften / Gender Studies in Berlin. Sie schloss 2008 die Salzburger Experimental Academy of Dance (SEAD) mit Diplom ab und arbeitet im Bereich Tanz, Performance, Yoga, Pädagogik, künstlerischem Austausch und Kooperationen. Als movement_activist beteiligt sich Diana Thielen u.a. an Zusammentreffen, die den Schnitt von Tanz und Körperpolitik erforschen, wie zum Beispiel das „Radical Contact“. Sie bietet unterschiedliche Workshop-Formate in Contemporary Dance, Partnering und Yoga in Berlin und rundum in Europa an - mit einem besonderen Fokus, Räume / safe spaces für queere Communities zu schaffen.

Alisa Tretau studierte Sozial-/Kulturanthropologie an der FU Berlin, sowie Theaterregie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, und widmet sich leidenschaftlich der theatralen Subversion patriarchaler, neoliberaler Strukturen. Sie experimentierte mit Interventionen und Videowalks, organisierte Musikfestivals, gründete Kollektive und arbeitete als Lichttechnikerin. Seit 2014 inszenierte sie u.a. „X-Freunde“ (Thalia Gaußstraße) und die queere Westerncollage „HIGHHEEL HIGHNOON“ (Kampnagel), die ins Staatstheater Schwerin und zu den Heidelberger Theatertagen 2015 eingeladen war. Als Performerin wirkte sie u.a. bei „my giant gender“ (Galerie Speckstraße), „PRETTY WOMEN“ (St. Pauli Theater), dem Talking Straight Festival und verschiedenen Kampagnen des Peng! Kollektivs mit.

DIALOG

Aufführungsgespräche

täglich 17:00-18:00 Uhr, SA 14.04.2018, 10:30-11:30 Uhr

mit Birgit Lengers und Kristina Stang

Beschreibungen und Beobachtungen führen in das tägliche Aufführungsgespräch der eingeladenen Produktionen mit Juror*innen, Spielleiter*innen und Forumsteilnehmer*innen über formalästhetische, inhaltliche und thematische Aspekte der Produktionen. Gefragt sind Expertise und Kritik, Neugier und ein scharfer Blick sowie Lust auf neue Perspektiven im Gespräch.

Birgit Lengers Studium Theater-, Film- und Kulturwissenschaft / Ästhetische Praxis in Köln und Hildesheim. Von 1997 bis 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim. Nach 6-jähriger Zusammenarbeit mit dem Regisseur Thorsten Lensing (THEATER T1) Dramaturgin bei German Theater Abroad (GTA) - Konzeption und Realisation transatlantische Festivals und Theaterprojekte wie Stadttheater New York (New York) und Road Theater USA (USA / Berliner Festspiele / Heidelberger Stückemarkt / Düsseldorfer Schauspielhaus). Gastdozentin u.a. in Hildesheim und an der Universität der Künste, Berlin. Moderatorin beim Theatertreffen der Berliner Festspiele; Jurorin beim 1. und 2. Bürgerbühnenfestival, Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin und beim Heidelberger Stückemarkt. Veröffentlichungen u.a. in „Text + Kritik“, im transcript Verlag, „Theater der Zeit“, „Die Deutsche Bühne“ und „Korrespondenzen“. Seit der Spielzeit 2009/10 leitet Birgit Lengers das Junge DT am Deutschen Theater Berlin.

Kristina Stang Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis mit Schwerpunkt Theater an der Universität Hildesheim und an der Hogeschool voor de Kunsten Utrecht / NL. Feste Engagements als Theaterpädagogin und Dramaturgin von 2005 bis 2011 am Theater an der Parkaue Berlin und von 2011 bis 2015 am Jungen DT am Deutschen Theater Berlin. Seit 2015 freiberufliche Tätigkeit als Theaterpädagogin, Dozentin und Dramaturgin. Unter anderem ist sie am Jungen DT, der JugendTheaterWerkstatt Spandau, dem Kinder- und Jugendliteraturzentrum LesArt, für das internationale literaturfestival berlin, den Jugend-Performancewettbewerb unArt und an Schulen tätig. Lehraufträge u.a. an der Universität Erlangen-Nürnberg, am Sozialpädagogischen Institut Berlin und aktuell an der Universität der Künste Berlin. Als Moderatorin der Spielleiter*innengespräche ist sie zum dritten Mal beim Theatertreffen der Jugend.

FORUM für Studierende

mit Dr. Virginia Thielicke

Das Theatertreffen der Jugend lädt Studierende verschiedener Hochschulen/Universitäten ein, sich in einem diskursiven Programm zu begegnen, das sich auf die eingeladenen Aufführungen bezieht und welches von künstlerisch-praktischen Workshops flankiert wird.

Die Studierenden erhalten die Möglichkeit, das Theatertreffen der Jugend an drei Tagen mitzuerleben, Gespräche mit den eingeladenen Gruppen, Spielleiter*innen, Juror*innen und der Leitung der Bundeswettbewerbe zu führen und untereinander in einen professionellen Austausch zu kommen.

Im Workshop mit Virginia Thielicke wird das erfahrungsorientierte Rezeptionsverfahren „Antworten auf Aufführungen“ praktisch erprobt, indem die Studierenden schreibend, zeichnend, Klänge erzeugend und inszenierend auf zwei der beim Theatertreffen der Jugend ausgewählte Aufführungen des Festivals antworten. Im Zentrum stehen dabei ihre eigenen Wahrnehmungen und Aufmerksamkeiten.

Das Forum Praxis für Studierende ist ein geschlossenes Programm für Studierende verschiedener Hochschulen/Universitäten.

Beteiligte Hochschulen/Universitäten 2018

Universität der Künste Berlin
Hochschule für Musik und Theater Rostock
Leibnitz Universität Hannover
Hochschule Osnabrück
Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
Fachhochschule Dortmund
Universität Hamburg
Züricher Hochschule der Künste

Dr. Virginia Thielicke ist Lehrerin für Theater, Kunst und Spanisch an einem Hamburger Gymnasium. Von 2009 bis 2014 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Theaterpädagogik und im Masterstudiengang Performance Studies an der Universität Hamburg tätig, wo sie 2015 zu einem erfahrungsorientierten Aufführungsrezeptionsverfahren promovierte. Virginia Thielicke gibt zahlreiche Workshops und Seminare zu experimentellen Theaterformen und ihrer Rezeption, ortsspezifischem Theater und künstlerischen Strategien in der Theaterpädagogik. Seit 2015 ist sie Heftmoderatorin und Autorin der Zeitschrift „Schultheater“.

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