Bundeswettbewerbe

Treffen junger Autor*innen – Campus

Das Campus-Programm richtet sich an die Teilnehmer*innen des Treffens junger Autor*innen und ist nicht öffentlich. Es untergliedert sich in die Bereiche Praxis mit verschiedenen Workshops, Dialog mit Einzelgesprächen, Fokus mit einer Leseprobe und Spezial.

Lyrik – Stimmen die Stimmen

SA 17.11.2018, 10:00 - 12:30 & 13:30 - 16:00
mit Dr. Katharina Bauer (siehe Jury) und Rike Scheffler

Was ist die eigene Stimme, wie finde ich sie, was kann ich mit ihr tun? Wie verhalten sich die stimmliche und die grafische Gestalt eines Gedichts zueinander und zum Körper der*des Autorin*Autors? Wie kann ich Vielstimmigkeit oder auch Mehrsprachigkeit in der Poesie Raum und Stimme geben? Wie kann ich den Text als Ereignis entstehen lassen, gemeinsam mit einem Publikum? Und wie kommt überhaupt ins Gedicht, was dieses Gedicht ausmacht? Im Workshop wollen wir unsere Erfahrungen beim Schreiben und Sprechen reflektieren, Neues ausprobieren, mit Text, Stimme, Perspektive, Loopstationen und anderen Verfremdungsmaschinen experimentieren.

Rike Scheffler – geboren 1985 in Berlin, wo sie als Dichterin, Performerin und Künstlerin lebt. Mit ihren Wortinterventionen, Sound- und Sprachräumen hinterfragt sie mit Vorliebe als gegeben vorausgesetzte Wahrnehmungen. Sie studierte Psychologie in Berlin und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Für ihr Schaffen erhielt sie u. a. Arbeitsstipendien der Akademie der Künste, des Künstlerhauses Edenkoben, der Stiftung Brandenburger Tor sowie den Orphil-Debütpreis für Lyrik für ihren 2014 bei KOOKbooks erschienenen Gedichtband „der rest ist resonanz“. In den letzten Jahren realisierte sie zahlreiche internationale Kollaborationen und Präsentationen ihrer Gedichte, Performances und Soundinstallationen, u. a. im Louisiana Museum of Modern Art, in der Neuen Nationalgalerie und im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin sowie an weiteren Orten in Äthiopien, Dänemark, Österreich, der Schweiz und den USA.
www.rikescheffler.tumblr.com
www.raumexperimente.net/de/participant/rike-scheffler

Der politische Essay

SA 17.11.2018, 10:00 - 12:30 & 13:30 - 16:00
mit Deniz Utlu

In diesem Workshop suchen wir gemeinsam nach einer Sprache für das Politische, die das Argument nicht scheut, aber poetisch darüber hinausgehen darf. Ein literarisches Vorgehen bedeutet immer auch ein Suchen nach den Konflikten in uns selbst. Was hat der Erfolg der AfD, die Radikalisierung von manchen Jugendlichen, was haben Identitätsdebatten mit uns und unserer Lebensweise zu tun? Um uns auf diese Suche zu begeben, schauen wir uns ältere und neuere, essayistische und fiktionale Texte an, die sich mit Gewalt, Empathielosigkeit oder Emanzipation beschäftigen. Neben der Diskussion im Workshop, die sich stark von der Erfahrung und dem Wissen der Teilnehmenden nähren wird, werden wir auch selbst in den Schreibprozess gehen.

Deniz Utlu – Romanautor. Er studierte Volkswirtschaftslehre in Berlin und Paris und lebt in Berlin. Er arbeitet als Kurator für Festivals und thematische Reihen und gründete das Literatur- und Gesellschaftsmagazin freitext in Hannover. Sein erster Roman, „Die Ungehaltenen“, kam im Studio Я des Maxim Gorki Theaters in Berlin auf die Bühne. Er schreibt u. a. für den Tagesspiegel.

Derivé durch das Sprachreich

SA 17.11.2018, 16:30 - 18:30
mit Laura Naumann und Rudi Nuss (siehe Jury)

Sprache ist überall. Jede Sekunde wird das Zweifache der Textmasse der französischen Nationalbibliothek ins Netz gepostet. Durch die ganze Welt fließt Sprache, als sichtbare und unsichtbare Materiewolke. Sie ist auch überall in der Stadt, auf ihrer Oberfläche – auf Schildern, Werbungen und Graffiti. Aber was für eine Materie ist das? Und: Würden wir die ganze Sprachmaterie nehmen und in einen Text packen – wie würde der aussehen? Was würde der Text uns erzählen? Wir lassen uns über den Ku’damm treiben in der Form des „Dérive“, einer revolutionären Strategie, um den urbanen Raum zu erleben, während wir uns die ganze Stadt in einen Text copy-pasten.

Informationsdramaturgie

SA 17.11.2018, 10:00 - 12:30 & 13:30 - 16:00
mit Thomas Freyer (siehe Jury)

„Ich“ sagen – jeden Tag und dann auch noch im Text. Uff. Mit Maggie Nelson und Roland Barthes ließe sich argumentieren, dass das ein bisschen ist wie mit dem mythischen Schiff der Argo, das zwar umgebaut wird, bis nichts mehr an derselben Stelle ist, aber doch noch Argo heißt. Denn so nah dieses eigene Selbst auch scheint, bleibt es gleichzeitig in Bewegung, eigentlich zu schnell um mitzuschreiben – nur der Name bleibt gleich. Und manchmal nicht mal der.

Im Workshop sprechen wir über autofiktionale Formen: vom Tagebucheintrag über den Facebook-Post bis hin zum performativen Essay-Experiment. Dabei nehmen wir auch in den Blick, dass Ich-Sagen nicht voraussetzungslos ist: Welche Rolle spielt meine soziale Position, wenn ich meine Erfahrung zum Thema mache? Was hat das Internet damit zu tun? Und jetzt mal ganz offen: Was ist zu peinlich? Außerdem: Steht dieser verpixelte Flickenteppich von einem Ich-Text wirklich nur selbstverliebt für sich selbst? Oder wie kann dieses Schreiben trotzdem – oder gerade deshalb – Platz machen für die Angeschriebenen, für mich und für dich und mit euch? Auf den Spuren des fahrenden Helden aus dem Mythos um das Schiff Argo probieren wir argonautische Raumanzüge an und experimentieren mit Messgeräten.

Max Wallenhorst – studiert in Gießen Angewandte Theaterwissenschaft. 2010 und 2012 war er Preisträger beim Treffen junger Autoren. Er veröffentlicht essayistische und literarische Texte und tritt als Performer auf. Seit 2015 ist er in CHANGE aktiv, einem Netzwerk junger Wissenschaftler*innen und Künstler*innen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die 2010er Jahre spekulativ zu erfassen und begreifbar zu machen.

mix dir dein gedicht!

SO 18.11.2018, 10:00 - 12:30
mit Lütfiye Güzel (siehe Jury)

was steckt im glückskeks
& was nicht?
eine leere postkarte auf dem tisch:
schreib doch mal wieder!
ein gedicht
auf der fensterbank von bukowski
oder von rilke
die letzte zeile ist gestrichen was dichtest du dazu?
eine handvoll zitate was haben sie
mit dir zu tun?
werbeanzeigen in magazinen lies zwischen den zeilen! schneide worte aus
poetische cut-ups aus dem supermarkt
siehst du das weiße t-shirt auf der wäscheleine?
was ist deine botschaft an die welt?

Poetry-Slam: Textperformance

SO 18.11.2018, 13:30 - 16:00
mit Sulaiman Masomi (siehe Jury)

Bühnenpoesie ist das Metier von Sulaiman Masomi. Es wird um Kniffe, Tricks und Hilfestellungen beim Verfassen von Poetry-Slam-Texten gehen. Und um die Frage, wie diese Texte beziehungsweise die Texte der Teilnehmer*innen auf der Bühne performt werden.

„The Internets“ *

SO 18.11.2018, 16:30 - 18:30
mit Rudi Nuss (siehe Jury)

Der pure Wahnsinn. Das Internet. Von den schimmernden Utopien, die sich Medienphilosophen in den 80er- und 90er-Jahren über das kommende globale Netzwerk ausgemalt haben, ist nicht viel übrig: Alt-Right. Porn-Bots. Hate, wo du auch hinschaust. Neo-Dada in der Meme-Hölle. Bingeing als zentrales Prinzip des Lebens, während die Welt zerfällt. Das Netz ist aber auch ein Raum, in dem marginalisierte Stimmen zu Wort kommen, sich neue Diskurse entfalten können – dort finden wir wohl den utopischen Rest. Gibt es noch Hoffnung? Und noch viel wichtiger für uns: Wie lässt sich über oder in oder sogar durch diesen Raum schreiben? Diesen omnipräsenten und doch so immateriellen Raum? Wie über diesen hyperkomplexen Hypertext im constant flow schreiben, dieses Unding? Wir schauen uns verschiedene Zugänge an, um dem Wahnsinn gerecht zu werden.
Feat. Hannes Bajohr und Stefanie Sargnagel.

* Zitat: George W. Bush, US-Wahlkampf 2004

Werkstattgespräche

SA 17.11.2018, 16:30 - 18:30
SO 18.11.2018, 16:30 - 18:30
mit Anvar Cukoski und Rabea Edel (siehe Jury)

Ein Plot, erste Sätze, letzte Sätze, Figuren und vor allem die Sprache, die Erzählstimme … darum geht es unter anderem, wenn man an und mit einem Text arbeitet. Erweitert man den eigenen, sehr persönlichen Raum und setzt sich der Kritik und den Fragen anderer aus, wird daraus ein Werkstattgespräch.

Wie kann also ein konstruktives und vor allem persönliches Sprechen über Texte aussehen und stattfinden? Wir wollen in einer Gruppe gemeinsam eure mitgebrachten oder während des Treffens entstandenen Texte lesen und Antworten auf die Fragen suchen, die der jeweilige Text stellt. Wir werden das offene, spontane Vorgehen der Textkritik in der Gruppe üben und einen Umgang mit dem Geschriebenen anderer finden. Es geht darum, zusammen an einem Text zu arbeiten, den Kern zu erfassen, auszuprobieren. Aber auch darum, Feedback zu geben, Tendenzen zwischen den Zeilen zu erkennen, den Text im Kontext seiner*seines Autorin*Autors zu betrachten und im Kontext der anderen. Individuell, spontan, ohne Angst, mit der Lust am Hinterfragen. Ein Workshop, der auch produktive Phasen des Umschreibens und Neuschreibens umfasst. Jede Textgattung wird berücksichtigt. Für die Arbeit bitte Texte mitbringen – egal ob fertig, unfertig, alt oder neu!

Anvar Čukoski – geboren 1982 in Köln, lebt in Berlin und ist dort Leitender Lektor für deutschsprachige und internationale Belletristik im Aufbau Verlag. Er hat Neuere deutsche Literatur und Philosophie in Berlin studiert, war danach im Berlin Verlag, und von 2014 bis 2017 im Piper Verlag in München tätig. Dort hat er auch ein Jahr in der Literatur- und Filmagentur Marcel Hartges als Literaturagent gearbeitet. Außerdem war Anvar Čukoski Mitglied der Auswahljury beim open mike 2016 im Haus für Poesie in Berlin, Lehrbeauftragter am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim und hat gemeinsam mit Antje Rávic Strubel ein Seminar der Bayerischen Akademie des Schreibens im Literaturhaus München geleitet. Im Aufbau Verlag ist er insbesondere für das Programm des Blumenbar Verlags verantwortlich.

Lektorat

mit Katharina Bauer, Marcus Braun, Rabea Edel und Rike Scheffler (siehe Jury)

In Einzelgesprächen wird es um Stil, Rhythmus, Struktur, logische oder sachliche Fehler in den Texten der Preisträger*innen gehen. Am Ende dieser Arbeit steht das druckfertige Manuskript für die Anthologie des 33. Treffens junger Autor*innen, die im Februar 2019 erscheinen wird.

Eins zu Eins: Lektüre und Kritik

mit den Autor*innen der Jury, wenn und wann ihr wollt!

Alle Teilnehmer*innen sind ausdrücklich aufgefordert, neue, alte, fertige oder unfertige Texte mitzubringen und sich mit den Autor*innen der Jury zu verabreden, um in Einzelgesprächen darüber zu reden, an Ideen zu feilen oder dem Gedankenstau entgegenzuarbeiten. Mit den Autor*innen der Jury, wenn und wann ihr wollt!

Perspektiven

SA 17.11.2018, 19:30 - 21:00

In jedem Jahr laden wir Autor*innen und Expert*innen aus dem Literaturbetrieb ein, um die Perspektiven auf das Schreiben für die Teilnehmer*innen zu erweitern.

Literarisches Kennenlernen

DO 15.11.2018, ab 19:30
mit Laura Naumann und Daniela Seel (siehe Jury)

Ein Workshop, der dem sich Kennenlernen der eingeladenen Autor*innen auf spielerische Weise nachgeht.

Leseprobe: Schritte auf die Bühne

FR 17.11.2017, 10:00 & 14:00
mit Thomas Freyer und Daniela Seel (siehe Jury)

In der Probe für die Lesung der Preisträger*innen geht es um den Umgang mit Mikrofon, Licht, Stimme, Text und Publikum.

Literarisches Finale

SO 18.11.2018, ab 20:00

Die Teilnehmer*innen stellen selbst ein Bühnenprogramm für den letzten Abend zusammen: Ob neue Texte, Feldversuche oder Videos-was immer euch einfällt, bringt es mit und auf die Bühne! Inklusive Party!

Auf www.bundeswettbewerbe.berlin bloggen über das Treffen junger Autor*innen:

Miriam Pontius – wurde 1994 in Karlsruhe geboren und lebt wohl aus diesem Grund am liebsten in Süddeutschland, im Augenblick in Bamberg, wo sie im Master Neuere deutsche Literatur und Literaturvermittlung studiert. Wie das mit Drehbuch, Kamera und Schnitt funktioniert, lernte sie während ihres einjährigen Praktikums in einer Filmproduktionsfirma. „Schneiden oder Schreiben?“ ist keine Frage, die sie beantworten kann. Da lässt sie demnächst den Arbeitsmarkt drüber entscheiden.

Ansgar Riedißer – geboren 1998, war Preisträger u. a. beim Treffen junger Autoren, lyrix, dem Landeswettbewerb Deutsche Sprache und Literatur Baden-Württemberg und dem Jugend-Lyrik Preis der Stadt Stuttgart. Seine Texte wurden mehrfach in Anthologien wie im „Jahrbuch der Lyrik“ 2017 und 2018 veröffentlicht und in Übersetzung im finnischen Lyrikmagazin Tuli & Savu.

Farukh Sauerwein – wurde 1996 im Vogtland geboren und ist dort aufgewachsen. Nach dem Abitur 2015 folgte ein Intermezzo an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit 2016 führt er ein glückliches Leben und absolviert er ein Studium des Kreativen Schreibens und des Kulturjournalismus in Hildesheim. 2015 war er Preisträger beim Treffen junger Autoren und 2016 Teilnehmer beim Literatur Labor Wolfenbüttel. Er ist meist zwischen Killarney und En Gedi anzutreffen.

Sophie Stroux – 1995 in München geboren. Sie hat einen Bachelor in Komparatistik und studiert jetzt Kulturpoetik. Den Herbst 2015 verbrachte sie in einem Vogelnest und blickte auf niederländische Schafe oder Möwen, den folgenden Herbst hat sie in Bibliotheken gelebt, um ihre Abschlussarbeit über zeitgenössische deutsche Lyrik zu verfassen. Zwei ihrer Texte wurden bereits auf der Bühne aufgeführt und sie war u. a. zum Treffen junger Autoren 2016 eingeladen.

Lea Wahode – geboren 1997 in Regensburg, lebte in Lyon und Reims und studiert nun Psychologie in Münster. Sie ist Preisträgerin des Treffens junger Autoren 2017 sowie des Schreibwettbewerbs der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen und nahm 2018 an der Lyrikwerkstatt open poems des Haus für Poesie teil.

Fotograf: Dave Großmann – geboren 1989. Der Linkshänder studierte Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Potsdam. Seit 2014 ist er Herausgeber von KWER – Magazin der Abstraktion. Als Gestalter und Fotograf ist er freiberuflich in Berlin unterwegs. Seine künstlerische Freiheit lebt er sowohl als Tänzer als auch im Kollektiv PlusMinus3 aus. Dave ist nicht sein Spitzname.

Partner

Treffen junger Autor*innen

Impressionen vom Festival 2017

Treffen junger Autor*innen

Die Chronik

Alle Autor*innen seit 1986