Martin-Gropius-Bau
Ausstellungsplakat „Antes. Malerei 1958 – 2010“
Ausstellungsplakat „Antes. Malerei 1958 – 2010“

Antes. Malerei 1958 – 2010

Horst Antes ist einer der international bedeutendsten figurativen Künstler der letzten Jahrzehnte. Wie wenige andere deutsche Künstler hat er zum globalen Kunstdialog beigetragen. Dreimal war er auf der documenta vertreten. Auf den Biennalen in Venedig und Sao Paolo war er präsent. In allen wichtigen europäischen, amerikanischen und japanischen Museen und Sammlungen sind seine Werke zu sehen.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau konzentriert sich auf sein malerisches Schaffen und wird alle Epochen dieses Schaffens über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten vorstellen – von den informellen Anfängen um 1958 bis zu den spektakulär großen und strengen ‚Haus’-Bildern der letzten Werkphase. Die Schau im Martin-Gropius-Bau wird die erste große Einzelausstellung der Gemälde nach fast zwei Jahrzehnten sein. Gezeigt werden rund 90 Bilder. Ergänzt werden sie durch zwei eng mit dem malerischen Werk verknüpfte Skulpturen, vier sogenannte „Votive“ und die Präsentation einiger von Horst Antes gestalteter Bücher und Mappen.

Im Hinblick nicht nur auf die vielen ausländischen Leihgeber, sondern auch auf bisher noch nie öffentlich gezeigte Bilder aus dem Besitz des Künstlers selbst wird diese Ausstellung einzigartig sein und den großen Beitrag, den Horst Antes zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts geleistet hat, deutlich machen und im Gedächtnis des Besuchers verankern.

Den Anfang der Ausstellung machen die informellen, gestischen und stark farbigen Arbeiten der späten 1950er Jahre. Es folgen die roten Bilder („Die roten Majas“) von enormer Intensität und archaischer Erotik. Eine größere Werkgruppe befasst sich mit der Herausbildung des „Kopffüßlers“, jener Kunstfigur, die sehr schnell einen Siegeszug durch die gesamte Kunstwelt antritt. Ein weiterer Saal versammelt die wichtigsten Bilder, die sich auf direkte Weise mit seiner Wahlheimat Italien einlassen, mit den Meistern der Renaissance, mit der klaren und versöhnenden Landschaft zwischen Florenz und Siena, mit dem toskanischen Licht. Eine Werkgruppe befasst sich mit der Religiosität des Künstlers, der – als Sammler – schon immer für die magischen Anfänge der Religionen ein brennendes Interesse zeigte. Zum ersten Mal werden zwei motivische Stränge – die Auseinandersetzung mit christlichen Motiven (Werkzeuge der Kreuzigung, Wundmale) und mit dem Glauben und den Ritualen der Hopi-Indianer (Regen, Schlange, Tableta) – zusammengeführt. Die letzten Säle dokumentieren schließlich den Umbruch im Werk von Horst Antes, der sich – nach dem Falkland-Krieg – von der von ihm erfundenen Figur trennt und zu neuen Bildthemen –Fenster, Boote, Datumsbilder – und insbesondere dem Haus vorstößt. Im letzten Saal machen acht sehr große, überwiegend schwarze ‚Haus’-Bilder in ihrer strengen Bildsprache und in ihrer massiven Präsenz einen überwältigenden Eindruck. Die ‚Haus’-Figur hat die menschliche Figur abgelöst und steht für die gesamte Menschheit und ihre Gedanken.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau wird ein Ort der Wiederentdeckung und Neubewertung des komplexen Werkes von Horst Antes sein.

Biographie

Horst Antes wurde 1936 in Heppenheim geboren und lebt in Sicellino, Karlsruhe und Berlin.

Sein Lehrer an der Akademie in Karlsruhe war HAP Grieshaber. Im Kontext der Diskussion um Abstraktion oder Figuration in den späten 1950er Jahren verknüpfte Horst Antes schon früh gestische Farbkompositionen mit figurativen Elementen. In den 1960er Jahren bildete sich dann die Figur des Kopffüßlers heraus. Von da an wurde sein Werk in der ganzen Welt bekannt.

Im Jahr 1982, unter dem Eindruck des Falkland-Krieges, entstehen die ersten Schablonen-Figuren. Ab 1987 beginnt Horst Antes mit den Werkgruppen der ‚Fenster’-Bilder- und ‚Haus’-Bilder. Gleichzeitig fertigt er zahlreiche Großskulpturen, die in Düsseldorf, Salzburg, Stuttgart, Wien und Mainz aufgestellt werden.

Antes nahm an der documenta III (1964), IV (1968) und VI (1977) teil und hatte Einzelausstellungen im Guggenheim-Museum New York (1984), im Sprengel Museum Hannover (2002), in der Kunsthalle Würth (2006) und in verschiedenen japanischen Museen. Er gewann den UNESCO-Preis für Malerei der Berlinale von Venedig (1966), den Premio Marzotto – Europa (1968), den Großen Preis der Biennale von Sao Paolo (1991) und den Kulturpreis des Landes Hessen (1991).

Ein Katalog erscheint im Verlag der Buchhandlung König.

Veranstalter Berliner Festspiele. Ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds.

Kurator Joachim Sartorius

Niklas Maak in Frankfurter Allgemeine Zeitung

16.07.2013

„Bilder aus der Innenwelt“

In seiner Malerei schuf Antes eine modellhafte, allegorische Fabelwelt: Wie die Götter der Antike sind die Kopffüßler seines privatmythologischen Kosmos Darsteller menschlicher Zustände […]. Sie sind, wie das Personal der Mythen der Antike, chiffrenhafte Figuren, an denen ein Mensch sich selbst erklärt. Aber sie sind moderne Götter.

Anna Pataczek in Der Tagesspiegel

19.06.2013

„Kopf und Kosmos“

Das ist das Schöne an dieser Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau, die nach zwei Jahrzehnten erstmals das malerische Werk des 1936 in Heppenheim geborenen Künstlers in einer Einzelschau ehrt, mit mehr als 100 Bildern, ein paar Künstlerbüchern und Skulpturen: Man kann Raum für Raum mitverfolgen, wie er in kleinen Schritten, gänzlich unbeeindruckt von zeitgeistigen Erscheinungen der Kunstwelt, sein Figurenprogramm vorangetrieben hat.

Ingeborg Ruthe in Berliner Zeitung

18.06.2013

„Evas Vulva muss schön sein wie eine Blume“

Diesen nicht im Mainstream schwimmenden Kunstwillen von Antes, seine Konsequenz und Stärke, die fast 20 Jahre lang die Schwäche eines Kunstmarkts belegen, der Antes so gut wie ausgeblendet hat, feiert nun der Martin-Gropius-Bau, das Ausstellungshaus der Berliner Festspiele. Deren vormaliger Intendant, der Dichter Joachim Sartorius, kuratierte eine bildmächtige Schau über die malerische Substanz des vielseitigen Horst Antes. Eine Substanz, die anfangs auf dem informellen Nachkriegsstil fußte, um sich dann zu einer plastischen, mystischen Figuration aufzubauen und seit 1982 in dunkler, fast geometrisch-minimalistischer Abstraktion alles Vorherige zu tilgen.

Gabriela Walde in Berliner Morgenpost

14.06.2013

„Der Künstler vom Kaiserdamm“

So hell und licht, so streng und grafisch war Antes wohl noch nie. Antes hätte sich vom „aggressiven Gestiker“ zum „geometrischen Minimalisten“ entwickelt, so hat US-Kunsthistoriker Donald Kuspit einmal gesagt. Schöner kann man das wohl nicht formulieren.

Claudia von Duehren in Bild

14.06.2013

„Der Mann, der den Köpfen Beine macht“

Sein Kopffüßler machte ihn weltweit berühmt: Mit der rumpflosen Figur räumte Horst Antes (76) Preise auf der Biennale in Venedig ab, war mehrmals Gast der Documenta. […] Museen und Sammler reißen sich um seine Bilder (erreichen auf Auktionen Preise über 100.000 Euro). Heute sind Häuser sein Lieblingsthema, auch Berlin inspiriert ihn dabei.

Johanna Di Blasi in Lübecker Nachrichten

14.06.2013

„Schüchterner Maskenträger“

Mit rund 100 Gemälden aus den vergangenen fünf Jahrzehnten ist es die erste große Antes-Ausstellung seit fast 20 Jahren. Die Schau zeigt die Entstehung der Kopffüßler. Sie sind das Markenzeichen des Künstlers, der heute in Karlsruhe, Berlin und Italien lebt.

Besucherstimmen

Merci für die umfangreiche Ausstellung – bin begeistert von den frühen Arbeiten, in denen die Figur langsam und kämpferisch entsteht. Häuser und Schlangen erweitern Antes´ Motivsprache auf durchaus heitere Art. Danke!

Ich wünsche dieser Ausstellung viele interessierte Besucher. Für mich waren die frühen Werke eine Entdeckung!

Ach, glücklich wer das sehen darf und in Farbenrausch die Sensibilität erfahren kann. Und die starken Formen nachfahren kann mit den Augen. Danke, ein wunderbares Erlebnis.

Alles war dabei, von Farbenvielfalt bis schwarz. Toll, Danke!

Tickets & Termine

14. Juni bis 16. September 2013

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Katalog

Horst Antes
Malerei 1958-2010

Hrsg. von Joachim Sartorius
Verlag der Buchhandlung Walther König
ISBN 978-3-86335-336-0
Buchhandelsausgabe: 29,80 €
Museumsausgabe: 20 €