Martin-Gropius-Bau

Höhlen: Paläontologie, Philologie und Anthropologie

Tagung anlässlich der Ausstellung „Kunst der Vorzeit. Felsbilder aus der Sammlung Frobenius“

Seit dem Zusammenbruch der biblischen Herkunftsgeschichte und der daran gebundenen genealogischen Ordnung ist Europa besessen von seinen historischen Ursprüngen: Wenn nicht aus dem Paradies, woher dann stammt der Mensch? Wie ist seine ursprüngliche ‚Ausstattung‘ zu begreifen und wie steht sie in Zusammenhang mit Struktur und Prozess seiner Weltaneignung?

Wenn die Fragen nach der Tiefenzeit des ‚Menschen‘ wieder Hochkonjunktur in den frühgeschichtlichen Erzählungen unserer Gegenwart haben, von der paläontologischen Genetik bis zu den evolutionären Archäologien, kehren darin doch unter einem neuem Legitimitätsanspruch die geschichtsphilosophischen wie biologischen Metaerzählungen des 19. Jahrhunderts zurück. Schon diese hatten hinter ihren verschiedenen auratisierenden Spielarten nur schlecht ihre religiösen Sehnsüchte und mythologischen Strukturen kaschiert.

Anthropologie und Ethnografie, Philologie und Historische Sprachforschung haben in diesem Sinne seit dem 19. Jahrhundert ausgehend von der Sintflut und den rettenden Bergen die Geschichte der Menschheit erzählt. Eine wichtige Funktion spielen die Höhlen, und dies nicht nur als frühe Siedlungsorte: Schon Platon hatte bekanntlich die Frage nach Anlage und Erkenntnisfähigkeit des Menschen anhand von Schattenbildern auf Höhlenwänden aufgeworfen. Die moderne Forschung konstruiert aus den Höhlenbildern Bilder vom Menschen. Jagddarstellungen sind zugleich Kosmogonien, mythische Zeichen, Rationalität und Sprachrhythmus.

Leo Frobenius, eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Geschichte der modernen Ethnologie, dessen Sammlung von Höhlenbildern parallel zur Tagung im Martin-Gropius-Bau gezeigt werden, ist auch der Autor einer vielgestaltig rezipierten Kulturkreis- und Ursprungslehre. Aufschlussreich sind deshalb nie nur die alten Felsbilder selbst, sondern ihre dichten Beschreibungen; nicht nur die politische Rezeptions- und Ausstellungsgeschichte der Artefakte, sondern die Strukturen des Diskurses über den Menschen und seine ästhetische Gestaltung der Welt. Der Blick auf die Deutung der Höhlenrätsel lässt anthropologische Vorstellungen historisch werden und rationalistische oder romantische, universalistische oder differenzialistische Konzepte hervortreten. Diesem Zusammenhang von Erkenntnisort und Wissensgenese ist die Tagung gewidmet, die Philologen, Philosophen, Ideen- und Kunsthistoriker zusammenführt.

Konzept:
PD Dr. Markus Messling, Centre Marc Bloch, Stellvertretender Direktor
Email:

PD Dr. Marcel Lepper, Deutsches Literaturarchiv Marbach, Leiter des Forschungsreferats
Email:

Dr. habil. Jean-Louis Georget, IFRA, Frankfurt
Email:

In Zusammenarbeit mit Dr. Richard Kuba, Frobenius-Institut, Universität Frankfurt

Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Agence Nationale de la Recherche und der Deutsch-Französischen Hochschule

Tickets & Termine

Höhlen: Paläontologie, Philologie und Anthropologie

Ort:

Martin-Gropius-Bau

Preis/Kategorie:

Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung erforderlich
Anmeldung unter: forschung@dla-marbach.de

Termine:

  • Do 03.03.2016, 10:00
  • Fr 04.03.2016, 10:00

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