Martin-Gropius-Bau

Pressefotos

Juden, Christen und Muslime
Im Dialog der Wissenschaften 500-1500

9. Dezember 2017 bis 4. März 2018

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Diese Prachthandschrift, die unter anderem die Alfonsinischen Tafeln enthält, wurde für den Luxemburger König Wenzel IV. (1361–1419) ausgeführt und reich mit Initialen und figürlichen Darstellungen ausgeschmückt. Die Tafeln waren von Alfons dem Weisen (1221 – 1284), König von Kastilien und León bzw. König des Heiligen Römisches Reiches, in Auftrag gegeben worden; sie dienten der Festlegung des Jahreskalenders.

Der Philosoph Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) sitzt, an der Physik schreibend, an einem Bücherpult, in dem auch Handschriften verwahrt werden. Abschrift und Buchschmuck wurden in einem Atelier eines byzantinischen Schreibers (Johannes Rhosos aus Kreta) in Rom angefertigt und belegen den intensiven Austausch zwischen den beiden Kulturen, der von der „Migrationsbewegung“ nach dem Fall von Konstantinopel (1453) begünstigt wurde.

Wie das Hebräische ist auch das Arabische im Wesentlichen eine Konsonantenschrift, in der die Kurzvokale ursprünglich nicht wiedergegeben werden konnten. Um Textgenauigkeit zu gewährleisten, die vor allem bei Abschriften des Korans gefordert war, wurden die Vokale mit verschiedenfarbigen Punkten markiert.

Inhaltliche Argumente (lokale Gebräuche beim Öffnen des Toraschreines) legen es nahe anzunehmen, dass der Codex in Wien (oder für Wien) hergestellt und im Stil oberrheinischer Handschriften illuminiert wurde.

Die von Augerius von Busbeck (1522–1592) auf einer seiner Botschaftsreisen in Konstantinopel erworbene und 1576 Kaiser Maximilian II. gewidmete Sammelhandschrift enthält unter anderem die Schriften De internis affectionibus (Über die inneren Leiden), De affectionibus (Über die Leiden) und De morbis (Über die Krankheiten).

Zur Gewinnung des Giftes der Vipern füllt man in feine, enthaarte Schafhäute Stroh, formt sie zu menschlichen Figuren und setzt ihnen Glasaugen ein. Die Vipern halten die Puppen für sitzende Menschen, beißen hinein und können, dadurch geschwächt, leicht aufgespießt werden.

Der Codex geht vermutlich direkt auf ein illustriertes arabisches Vorbild zurück. Als Entstehungsort kann ein Atelier im Umkreis von Montpellier vermutet werden, wo sich seit dem 13. Jh eine medizinische Schule etabliert hatte.

Der Canon de medicina ist das berühmteste Werk des persischen gelehrten Avicenna (Abū Alī al-Husain ibn ʿAbdallāh Ibn Sīnā. Die Entwicklung der Medizin in Europa wurde maßgeblich durch dieses Werk beeinflusst.

Avicenna (~ 980 – 1037) zählt zu den berühmtesten Persönlichkeiten seiner Zeit und hat besonders die Geschichte und Entwicklung der Medizin maßgeblich geprägt. Eine umfassende, die hellenistische Tradition mit einbeziehende Ausbildung bringt ihm hohes Ansehen und eine Anstellung an iranischen Fürstenhöfen. Die weiträumige und lange Rezeption seines Werkes dokumentieren Übersetzungen und zahlreiche Druckausgaben. Noch im 16. Jahrhundert wurde diese Ausgabe in Arabisch in Rom gedruckt.

Dem Pflanzenbuch des Arztes und Pharmakologen Dioskurides (lebte im 1. Jh.) folgt dieses anonyme Gedicht (foll. 388r–392r), das von den Kräften der den Göttern geweihten Pflanzen handelt. Das in 216 Hexametern vorgetragene Werk beschreibt insgesamt 16 Pflanzen, unter anderem die Kamille, den Wegedorn, den Beifuß und das Fünffingerkraut. Einzig das Kapitel über die Koralle enthält auch eine bildliche Darstellung: Der Begleittext rühmt sie als „Heil- und Abwehrmittel gegen alles Böse, das die Erde und die Meeresflut trägt. Es spendet den Embryos Leben, wenn es die Frauen unter dem Bauch tragen. Verwende es gegen die aufkommenden Angstzustände in der Nacht, gegen böse Bezauberung der Menschen und grausiges Leid. […] Wenn Neidische weit weg von ihm stehen, bleibt es geschlossen; wenn sie aber nahe treten, öffnet es den Halm […]“.

Das Tacuinum sanitatis des in Bagdad lehrenden Nestorianers (Anhänger der Lehre des Nestorius (~381 – 451) Ibn Butlan (11. Jh.) wurde erstmals von König Manfred von Sizilien (1232 – 1266) ins Lateinische übersetzt. Dieses Werk war Grundlage für die weiteren Ausgaben der „Gesundheitsregeln“.

Die „Vorschläge für eine gesunde Lebensführung“ haben eine breite, bis in die heutige Zeit hineinreichende Nachfolge gefunden. Impuls gebend für diese Art von medizinischer Fachliteratur waren die sich epidemieartig ausbreitenden Infektionskrankheiten, denen man mit einer richtigen Lebensführung zu begegnen suchte.

Ein hervorragendes Beispiel für eine medizinische Sammelhandschrift aus dem universitären Milieu liegt in einer aufwändig ausgestatteten Arbeit eines Pariser Ateliers aus dem frühen 14. Jh. vor. Bemerkenswert ist vor allem die Ausstattung, die die Texte (darunter Puls- und Urintraktate) durch Darstellungen von Lehr- und Behandlungsszenen illustriert, aber auch durch die an den Rändern eingefügten grotesk-lustigen Darstellungen (sog. Drolerien) in humorvoller Weise unterhält.

Die Titelseite mit dem Wappen des Widmungsträgers zeigt in der prunkvollen Zierinitiale P(er optime) eine idealisierte Darstellung des Ptolemaeus als König und Astronom. Seine drei Werke zur Astronomie, Geographie und Astrologie galten in Europa in der frühen Neuzeit als wichtige wissenschaftliche Standardwerke. Bereits im 9. Jh. wurde seine „Geographie“, wohl in Bagdad, ins Arabische übersetzt. Im Toledo des 12. Jhs. übersetzte Gerhard von Cremona Werke des Ptolemaeus. Heute sind mehr als 70 griechische Handschriften bekannt.

Das dem Losbuch vorangestellte „Autorenbild“ enthält in der Himmelsscheibe die hervorgehobenen Darstellungen von Sonne und Mond sowie die durch Beischriften bezeichneten, nach der Größe abgestuften „Sterne“ Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn. Die zwölf Sterndeuter, Personen aus dem Alten Testament, sind namentlich bezeichnet: Salomo, Josef, Bileam, Joschafat, Israel [Jakob], David, Abraham, Ezechiel, Isaak, Aaron, Josabel (?) und Mose. Die Gelehrten agieren in heftiger Diskussion, lesen in einem aufgeschlagenen Buch oder weisen auf die Planeten. Schwarze, nachträglich eingefügte Linien stellen den direkten Bezug zum „Sternenhimmel“ dar.

Astrolabien sind astronomische Geräte zur Winkelmessung am Himmel. Neben einer sphärischen Form (Armillarsphären), mit Hilfe derer die Sternenkataloge des Hipparchos und des Ptolemaeus erstellt wurden, waren seit dem Mittelalter auch scheibenförmige Instrumente in Verwendung, die die Höhenmessung von Gestirnen über dem Horizont erlauben. Zentraler Bestandteil ist die sogenannte Spinne, eine stereographische Projektion der Himmelskugel.

1460 erschien das von Regiomontanus (1436-1476), einem Schüler von Georg von Peuerbach, erstellte Vorlesungsmanuskript der Theoricae novae planetarum in Buchform Es basiert auf den Lehren des Ptolemaeus von Al-Battani,Al-Farghaniund eines namentlich nicht bekannten Astronomen des Kalifen al-Ma'mūn. Es wurde das maßgebliche Textbuch seiner Zeit und über 50mal gedruckt. Auch Kopernikus und Kepler nutzten dieses Textbuch.