Martin-Gropius-Bau
Ausstellungsplakat „Pasolini Roma“
Ausstellungsplakat „Pasolini Roma“. Standbild aus „Mama Roma“

Pasolini Roma

Die Ausstellung „PASOLINI ROMA“ beschäftigt sich mit dem italienischen Schriftsteller und Filmemacher Pier Paolo Pasolini (1922 – 1975) mit Blick auf seine Beziehungen zu Rom. Pasolini in Rom: das heißt Poesie, Politik, Begeisterung für das Großstadtleben, Sex, Freundschaft und Kino.

Pier Paolo Pasolini ist eine der herausragenden und schillerndsten Persönlichkeiten des intellektuellen Europas der Nachkriegszeit. Als Lyriker in der Sprache seiner friaulischen Heimat, als Autor von Romanen und kulturkritisch-politischen Essays und Kolumnen, als Regisseur polarisierender Filme, aber auch als Zeichner und Maler richtete sich sein Blick in erster Linie auf zeitlose, archaische Themen: das Schicksal des Menschen, das bäuerliche Leben, die Religion, die Sexualität, der Tod. Dabei bewegte er sich stets außerhalb gängiger Normen, fand Bilder von außergewöhnlicher Klarheit und Schärfe und wurde dabei zum größten Provokateur der italienischen Gesellschaft.

Durch die mediale Präsenz der letzten Lebensjahre und erst recht nach seinen gewaltsamen Tod ist Pasolini längst zu einer Ikone der Postmoderne geworden. Autobiografie und Selbstdarstellung sind bei weitem nicht das einzige, aber doch ein wesentliches Thema der Werke, die wie Satelliten um das Ich ihres Autors, seine Widersprüche und seinen Platz in einer sich verändernden Welt kreisen. Nicht zuletzt war es Pasolini selbst, der durch eine Flut von Prätexten, Selbstkommentaren und medialen Inszenierungen die Grenzen zwischen Leben und Werk verwischte.

Nahezu 40 Jahre nach seinem Tod wird die Frage, wer Pasolini denn war, erneut aufgeworfen. Dabei bedarf es des Blicks auf den „ganzen“ Pasolini, das heißt: das Leben und das Werk, den stilistischen Reichtum und die mediale Vielfalt, aber auch auf die gesellschaftspolitische Hellsichtigkeit und die exzessive Provokation dieses hochkomplexen Künstlers, der in letzter Zeit eine jüngere Generation wieder beschäftigt, gerade durch die Relevanz seiner konsum- und sozialkritischen Botschaft unter den veränderten Vorzeichen der globalisierten Gesellschaft.

Die Ausstellung ist nach zeitlichen, künstlerischen und toponymischen Aspekten gegliedert. Mit Hilfe Multimedia fließen die Topoi Kunst, Literatur, Architektur, Film und Leben zusammen. Pasolini gilt als bedeutendster Dichter Roms der Nachkriegszeit. Er hat mit seinen Gedanken, Schriften und Filmen jüngere KollegInnen maßgeblich beeinflusst und bedeutsame Zeitabschnitte der italienischen Geschichte künstlerisch verarbeitet.

Die Schau besteht aus sechs chronologischen Sektionen, die den sechs Phasen im Leben und Schaffen Pasolinis entsprechen. Sie beginnt mit seiner Ankunft in Rom am 28. Januar 1950 und schließt mit dem 2. November 1975, als sein lebloser Körper in der Nähe von Ostia aufgefunden wurde.

Für Pasolini war Rom nicht einfach nur Hintergrund und Ort zum Leben. Rom hatte eine geradezu physische, sinnliche und leidenschaftliche Existenz. Für den Künstler war Rom wie eine große Liebesgeschichte mit ihren Enttäuschungen, gemischten Gefühlen von Liebe und Hass wie auch Phasen der Anziehung, Ablehnung und Entfremdung. Für Pasolini, den Analytiker der Entwicklung der italienischen Gesellschaft, war Rom sein wichtigstes Observatorium, ein immerwährender Ort des Studiums, des Nachdenkens und des Kampfes. Die Wandlungen der Stadt prägten seine Analyse der Wandlungen Italiens und der Italiener in den 1960er und 1970er Jahren.

Es gibt ein Rom vor und ein Rom nach Pasolini. Seine Artikel und Filme schufen für die Stadt Rom eine neue Bildsprache. Pasolini gab sich nicht damit zufrieden, die Stadt als Schauplatz seiner Romane und Filme zu verwenden; ihm gelang eine „Neuerschaffung“ Roms mit den Mitteln von Literatur und Film. Wie ein großer Schöpfer erdachte er einen neuen Mythos der Polis und der Vatikanstadt, ihrer Bezirke und Bewohner.

Pasolini wurde unter anderem mit Filmen wie „Accattone“ (1961), „Mamma Roma“ (1962), „Evangelium nach Matthäus“ (1964) und „Teorema“ (1968) bekannt. 1969 verfilmte er „Medea“ nach Euripides mit Maria Callas. Auf der Berlinale wurde der 1970 gedrehte Film „Decamerone“ gezeigt. Als Schriftsteller trat er vor allem mit seinen Romanen „Ragazzi di vita“ (1955) und „Una vita violenta“ (1959) und später vor allem als Essayist und Lyriker hervor.

Die Ausstellung „PASOLINI ROMA“ ist ein gemeinsames Projekt der Cinémathèque française Paris, des Azienda Palaexpo–Palazzo delle Esposizioni Rom und des Martin-Gropius-Baus Berlin. „PASOLINI ROMA“ wurde als Projekt von der Europäischen Kommission ausgewählt und finanziert, um den europäischen, transnationalen, aktuellen Charakter von Pasolinis Werk und des Projekts selbst zu würdigen.

Veranstalter Berliner Festspiele.
In Zusammenarbeit mit dem CCCB - Centre de Cultura Contemporània de Barcelona, der Cinémathèque française in Paris und der Azienda Speciale Palaexpo - Palazzo delle Esposizioni.
Im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie Berlin
Mit freundlicher Unterstützung Kulturprogramm Europäische Union
Der Martin-Gropius-Bau wird gefördert durch Die Beauftragte für Kultur und Medien
Die Ausstellung wird gefördert durch Hauptstadtkulturfonds
Partner Italienisches Kulturinstitut, Wall, BTM, KaDeWe, Alexa, Yorck, Dussmann, DB – Der schöne Tag, Bouvet Ladubay, Arsenal, VBKI
Medienpartner Tagesspiegel, zitty, Exberliner, Kulturradio

www.pasoliniroma.com

Andreas Kilb in
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“

11.09.2014

„Und seine Mutter strich ihm sanft übers Haar“

Die von deutschen, französischen, italienischen und spanischen Veranstaltern gemeinsam kuratierte Ausstellung „Pasolini Roma“, die seit gestern im Berliner Gropiusbau zu sehen ist, wählt einen topographischen Weg, um Pasolinis Widersprüche zur Anschauung zu bringen: Sie schließt die Etappen seines Werken mit den Stationen seines Lebens kurz, den Orten, an denen er wohnte, schrieb, filmte und starb. […] Man muss sich ans Gedruckte und Gefilmte halten, um die Hitze dieses an beiden Enden brennenden Lebens zu spüren: fast vierhundert Prozesstermine, Vorladungen und Anzeigen in dreißig Jahren; Skandale, Solidaritätsbekundungen, Fernsehauftritte, Preise, Zusammenbrüche; dazu eine Springflut von Aufsätzen, Interviews, Zeitungstexten aller Art.

Sieglinde Geisel in
„Neue Zürcher Zeitung“

07.10.2014

„Provokateur, Aussenseiter – und unser Zeitgenosse“

„Pasolini Roma“ umspannt das Vierteljahrhundert von Pasolinis Ankunft in Rom 1950 bis zu seinem gewaltsamen Tod 1975 in Ostia. Die Ausstellung im Berliner Gropius-Bau ist abwechslungsreich gestaltet, mit leichter Hand und Hingabe zugleich, so dass man als Besucher tatsächlich in einen Dialog mit Pasolini tritt.

Tilman Krause in
„Die Welt“

19.09.2014

„Dichter der Asche, Regisseur der Rebellion“

Ratatata, ratatata, ratatata, macht die Geräuschmusik im ersten Raum der monumentalen Pasolini-Ausstellung, die jetzt im Martin-Gropius-Bau gezeigt wird. […] Ein Mann wie Pasolini täte uns auch heute Not: Das ist der Cantus firmus dieser Schau, die in Zusammenarbeit mit spanischen, italienischen und französischen Kultureinrichtungen entstanden ist. Sie versucht mit noch mehr Material, mit noch größerer Bilderflut, mit noch authentischerer Lebensdingwelt die These zu veranschaulichen, […] dass wir es hier mit einem Allround-Intellektuellen zu tun haben, der sich so heroisch wie vorbildhaft den Auswüchsen der Moderne entgegenstellte, vor allem in ihrem Materialismus, ihrem Hedonismus und dem, was man in den 70er-Jahren, auch in Deutschland von Pasolini beeinflusst, den „Konsumterror“ nannte.

Enrico Ippolito in
„Die Tageszeitung (taz)“

25.09.2014

„Aufbruch am Schildkrötenbrunnen“

Die Mappen, die Fotos, die Texte, die Briefe, die Filmausschnitte, die Interviews: Darin zeigt sich die wahre Kraft Pasolinis, der Geist und die Stimme eines großen Kritikers, der scharf die Lage Italiens analysierte, das Subproletariat liebte und nie still stand.

Ulrich Kriest in
„Filmdienst“

10.10.2014

„Einer wie er“

Höchst erfrischend nimmt sich angesichts solch totalisierender Inbesitznahme die konzeptionelle Bescheidenheit der aktuellen Berliner Ausstellung „Pasolini Roma“ aus. Hier werden Biografie und Werk materialreich und textintensiv zueinander in Beziehung gesetzt. […] Die Widersprüche und Ungleichzeitigkeiten der Entwicklung Pasolinis zum Maler, Literaten, Filmemacher, öffentlichen Intellektuellen, Polemiker und leidenschaftlichen Fußballer werden ausgebreitet und illustriert.

Tickets & Termine

11. September 2014 bis 5. Januar 2015

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Katalog

Pasolini Roma

Prestel Verlag
Buchhandelsausgabe: € 39,95
Museumsausgabe: € 29
ISBN 978-3-7913-5399-9

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