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Jazzfest Berlin

Jazzfest Berlin 2014

Das Jazzfest Berlin 2014 verzeichnete erneut einen Besucherrekord: Zu den insgesamt 17 Konzerten mit Auftritten von 25 Jazzformationen kamen 7.000 Besucher. Dieser Erfolg war nicht nur der Tatsache geschuldet, dass das Jazzfest Berlin in diesem Jahr sein fünfzigjähriges Jubiläum feierte. Ganz offensichtlich überzeugte das dramaturgisch-künstlerische Konzept des Festivalleiters Bert Noglik das Publikum. Gleich mehrere rote Fäden waren ausgelegt. In mehreren Konzerten konnte man hören wie die Triebkräfte des Jazz funktionieren, wie fruchtbar und frei von jeglicher eindimensionaler Rückwärtsgewandtheit sich musikalische Erneuerung durch die Verlebendigung von bereits Vergangenem ereignet: Dieses Jahr war es Eric Dolphy, dem Alexander von Schlippenbach und Aki Takase sowie die Altsaxofonistin und Bassklarinettistin Silke Eberhard ihre Reverenz erwiesen. Francesco Bearzatti brachte mit seinem Programm „Monk’n’Roll“ Thelonious Monk in einen Rockkontext und Mostly Other People Do the Killing griffen mit „Red Hot“ auf den frühen Jazz zurück. Nicht zuletzt sorgte der Auftritt von Archie Shepp - eine Ikone des modernen Jazz, der für den erkrankten Benny Golson einsprang – für einen der Höhepunkte des Festivals.

„This is triumphant music“ – Martin Luther Kings Worte zum allerersten Jazzfest – war eine weitere Leitidee des Festivals. Sie betonte die Bedeutung des Jazz im Ringen um Freiheit und Gleichheit und als eine Musik der Ermutigung. Die Multi-Media-Aufführung von Denys Baptistes „Now Is The Time – Let Freedom Ring!“ im Vorfeld des Festivals und das speziell für das Jazzfest Berlin in Auftrag gegebene Projekt „Tribute: MLK Berlin ’64“ des New Yorker Klanginnovators Elliott Sharp trugen dem Rechnung. Wie wichtig die Dimension Freiheit für den Jazz ist, machte eine Programmschiene deutlich, die Bert Noglik durch alle drei Ausgaben der von ihm geleiteten Festivals gezogen hat: das Widerständige, die Liberalität und die die Innovationsfreude des Jazz in der ehemaligen DDR. Das Werk „Die Engel – Vier Kurzopern“ von Jochen Berg und Ulrich Gumpert, noch vor dem Mauerfall entstanden, bewies dieses Jahr einmal mehr die Zeitzeugenschaft des Jazz.

Vom Publikum stürmisch gefeiert wurden das Konzert des Schlagzeugers Daniel Humair mit den jungen Jazzstars Emile Parisien (Saxofon) und Vincent Peirani (Akkordeon) wie auch das Set der unkonventionellen Band Get The Blessing. Zusammen mit den Auftritten der Formation um die Saxofonisten und Rapper Soweto Kinch, des Trio Free Nelson Mandoomjazz, des Hedvig Mollestad Trio und der Band um die Schlagzeugerin Eva Klesse profilierte sich das Jazzfest Berlin einmal mehr als eine Plattform aktueller Strömungen und Nachwuchsmusiker.