Jazzfest Berlin
Maria Faust, Kara-Lis Coverdale © Toomas Volkmann, Nadin Deventer
Maria Faust, Kara-Lis Coverdale

Threads of Estonia

Maria Faust (Dänemark/Estland)
Machina
Deutschlandpremiere
[Fokus Europa]

Maria Faust alto saxophone
Ned Ferm tenor saxophone
Jacob Anderskov piano
Ida Nørholm cello
Nils Bo Davidsen double bass
Adam Pultz Melbye double bass

Kara-Lis Coverdale (Kanada)
Shadow Encounter
Auftragswerk/Uraufführung
[Fokus Europa]

Kara-Lis Coverdale organ solo

Maria Faust: Machina
Die vielfach preisgekrönte estnische Saxofonistin und Komponistin Maria Faust (*1979) ist ein Phänomen. Aufgewachsen noch unter dem Sowjetstern in Kurressare auf der Insel Saaremaa im Südwesten von Estland, absolvierte sie in Tallinn eine klassische Dirigent*innenausbildung, um dann ihr musikalisches Ausdrucksspektrum mit einem Jazzstudium in Kopenhagen zu vertiefen und auszubauen. Dort fanden Ensemblespiel und freie Improvisation zusammen und Jazz Catastrophe, ihr erstes Ensemble, war geboren. Entwaffnende Offenheit, Originalität und Unangepasstheit prägen ihre zahlreichen Projekte, so dass sich Maria Faust inzwischen als ganz eigene Kategorie im Jazzkanon etabliert hat. Ihre Suche nach dem musikalischen Ausdruck elementarer Ur- und Abgründe unseres Daseins sowie das Durchforschen unserer Erinnerung (Memory Analysis nennt Faust es selbst) setzt sie nun in ihrem neuesten tief reichenden kammermusikalischen Werk „Machina“ fort. Wasser und Meer sind hier die zentralen Elemente, für Faust „Symbol für die unberechenbaren Kräfte unterdrückter Gefühle wie Zorn und Trauer“. Schließt man die Augen, tut sich eine Art nordische Saudade auf: Wellenschlag, tuckernde Motorengeräusche, plötzliche Stille, schwere Nebelschwaden und aufbrechendes Licht bilden ein seelenvolles, atmendes inniges Ganzes.

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Kara-Lis Coverdale: Shadow Encounter
Kara-Lis Coverdale (*1987), Kanadierin mit estnischen Wurzeln, ist in der elektronischen Musik weltweit längst kein Geheimtipp mehr. Hochentwickelte und künstlerisch äußerst raffinierte Klangbearbeitungen entfachen die tiefe Wirkung ihrer Musik, was Coverdale inzwischen einen vielbeachteten Namen als Komponistin beschert hat. Vor sich hinfließender Schönklang ist nie ihre Sache gewesen. Der elektronische Fluss trügt. Mit dem, was sich untergründig klanglich vollzieht, unterminiert und kippt sie das Klanggeschehen immer wieder so subtil, dass man es nicht bewusst wahrnimmt, sich aber ein vages Gefühl des Unwirklichen einstellt. Sie sieht sich eher als Schmirgelpapier, schmuggelt äußerst versiert artfremdes Material in ihre Kompositionen und führt damit ihre Zuhörer*innen auf wunderlich glänzendes, spiegelglattes und abschüssiges Eis. Eine Qualität, die gerade in ihren Live-Auftritten – in Berlin bereits im Rahmen von MaerzMusik bei The Long Now im Kraftwerk Mitte oder bei Atonal – mit aller Heftigkeit zum Tragen kommt. Bereits seit ihren Teenagerjahren absorbiert sie nordisch-religiöse Musik und führt diese Leidenschaft seit 2010 als Kirchenorganistin und Chorleiterin in der Estnischen Evangelisch-Lutherischen St. Johannes-Kirche von Montreal fort. In Berlin ist sie nun endlich an ihrem Ursprungsinstrument, der Kirchenorgel zu erleben: „Extended Shadows“ ist ihr speziell für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche entworfenes Werk, bei dessen Ausführung die wirkungsstarke Coverdalesche Kraft des Läuterns auch das Publikum des Jazzfest Berlin in ihren Bann ziehen dürfte.

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Tickets & Termine

Threads of Estonia

Ort:

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Preis/Kategorie:

€ 15 / ermäßigt € 12

Termine:

  • So 04.11.2018, 15:30