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Hassan Khan, © Graham Waite
Hassan Khan

Hassan Khan „Superstructure (II)“

Sonic Arts Lounge

Hassan Khan
Superstructure (II) (2013) UA

Hassan Khan, Komposition/Performance/Elektronik

Der in Kairo lebende ägyptische Künstler und Musiker Hassan Khan widmet sich in seinen Kompositionen, multimedialen Werken, Installationen und Performances der konzeptionellen und kommunikativen Rolle von Kunst. Kunst als eine Sprache, die kulturelle und soziale Strukturen auf eine ganz eigene Art und Weise offenzulegen vermag – insbesondere, wenn sie traditionelle Konventionen bricht, indem sie diese negiert oder dekonstruiert. So inszenierte Hassan Khan u.a. ein Videowerk allein aus Gesten und Blicken („European Stage Episode“, 2010) oder erstellt eine Serie „fotografischer Miniaturen“ aus scheinbar zufällig mit dem Mobiltelefon aufgenommenen Alltagsbildern („Lust“, 2008).

Ebenfalls mit dem Mobiltelefon aufgenommen ist sein auf der dOCUMENTA (13) präsentierter Videofilm „Blind Ambition“ (2012), ein Film mit professionell nachgestellten Alltagsszenen, in dem es um Klatsch, üble Nachrede und leere Spekulationen geht, um die Muster von Umgangssprache und sozialem Verhalten und schließlich um die Konditionen materieller Kultur. Gerade indem er sich der Kultur und der Sprache des Alltags widmet und seine persönliche Perspektive und Emotionen in sein Schaffen integriert, erscheinen seine Arbeiten als ein Stimmungsbarometer ihrer Zeit.

Gleichermaßen ist Hassan Khans Musik geprägt von einem populären Genre, dass – wie Punk oder Reggae – kollektiv hervorgebracht wurde und dementsprechend die grundlegenden Verhältnisse der Gegenwart verkörpert. Mit seiner „Neu-Artikulation“ der Shaabi-Musik (wörtlich: Musik „vom Volk“) akzentuiert er ihre formale Struktur und überspannte Intensität. Andere Stücke erkunden sowohl abstrakte und chaotische Strukturen wie auch atonale Harmonien und melodische Phrasen.

„Superstructure (II)“ beinhaltet vorkomponiertes Material und Live-Improvisation. Es ist eine Performance, die von zarten hypnotisch schillernden Streicherarrangements, Nocturne-artigen Klaviermenuetts und sorgfältig ausgearbeiteter Elektronik reicht bis hin zu den brutalen Beats einer Ansammlung von Gamelan-Riffs und einer Auswahl aktueller Hardcore New-Wave Synth-Shaabi Musik. Das Finale des Konzerts, „Taraban“, ist eine minimalistische Re-Interpretation eines ägyptischen Klassikers des frühen 20. Jahrhunderts.

Deutschlandradio Kultur überträgt das Konzert am 24.03.2013 um 20:03 Uhr.
Sie hören Deutschlandradio Kultur in Berlin auf 89,6 MHz und Digital 5c.