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MaerzMusik

MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2015

MaerzMusik stellt Zeitfragen

MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2015 widmete sich mit Konzerten, Installationen, Performances, Filmprojekten und Diskurs-Formaten aktueller Zeit-Diagnose. Damit bot das Festival über zehn Tage ein öffentliches Forum, das sich mit herrschenden Zeitbegriffen, -strukturen und -erfahrungen ebenso befasste, wie mit neuen, imaginativen Zeitformen und -strategien jenseits chronologischer und effizienzorientierter Zeitregime. Die konkreten Zeiterfahrungen in Musik, Performances und Filmen wurden mit den Diskursen und Theorien in Verbindung gebracht und eröffneten den Besuchern unterschiedliche Zugänge zu diesem Phänomen. Damit lieferte das Festival einen umfassenden Beitrag zur Debatte über unseren Umgang mit Zeit.

Eröffnet wurde das Festival am 20. März im Haus der Berliner Festspiele mit dem raumgreifenden Projekt „Liquid Room“, einem vierstündigen Konzertformat zwischen Performance und Installation, entwickelt vom belgischen Ensemble Ictus. Dieses Format bricht das übliche Zeitraster des Konzerts auf und ersetzt die vierte Wand des Konzertsaals durch ein Ensemble von vier Bühnen, zwischen denen sich Publikum und Klänge frei bewegen konnten. Beteiligte Künstler waren Ictus, das Ensemble Mosaik, Eva Reiter, Cédric Dambrain, Bruce McClure und Caspar Langhoff.

Ein Fokus der diesjährigen Festivalausgabe lag auf dem Schaffen des Komponisten und Theatermachers Georges Aperghis. Sein letztes großformatiges Werk „Situations“ für 23 Solisten wurde vom Klangforum Wien aufgeführt. Weitere Konzerte mit Solowerken für verschiedenste Instrumente, Gespräche mit dem Komponisten und Präsentationen seiner Filme standen auf dem Programm.

Außerdem wurden eine Uraufführung von Zeena Parkins (Stipendiatin DAAD Berliner Künstlerprogramm 2014), die Streichquartette „HIDDEN“ von Chaya Czernowin und „In iij. Noct“ von Georg Friedrich Haas, „Longitude“ von Davíð Brynjar Franzson und die Musiktheater-Projekte „KREDIT“ und „RECHT“ von Daniel Kötter und Hannes Seidl an unterschiedlichen Veranstaltungsorten in Berlin präsentiert. Das Projekt Querklang war im Rahmen von MaerzMusik 2015 an zwei Abenden mit Arbeiten von Schülerinnen und Schülern präsent.

Den Abschluss des Festivals bildete ein monumentales, 30-stündiges Projekt im Kraftwerk Berlin: „The Long Now“, eine Komposition in Raum und Zeit, bestehend aus Klanginstallationen, Filmprojektionen, Performances, Konzerten und elektronischen Live-Acts von u.a. Phill Niblock, Morton Feldman und Leif Inge.

Veranstaltungsorte waren neben dem Haus der Berliner Festspiele, der Martin-Gropius-Bau, der Kammermusiksaal der Philharmonie, HAU Hebbel am Ufer (HAU2), Heimathafen Neukölln, Kraftwerk Berlin, Liquidrom und ExRotaprint.

Berno Odo Polzer
Künstlerischer Leiter MaerzMusik