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Musikfest Berlin

Das Festival 2015

Carl Nielsen, Gustav Mahler und Arnold Schönberg

Über 39.000 Besucher*innen kamen zu den insgesamt 32 Konzerten des Musikfest Berlin 2015, das die Berliner Festspielen in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker dieses Jahr zum 11. Mal veranstalten. Das Programm legte einen Fokus auf das kompositorische Oeuvre von Carl Nielsen, Gustav Mahler und Arnold Schönberg, und bekannte sich damit zu den epochemachenden Werken, die zugleich für prägende Umbrüche, Neuerungen und Wandlungen der musikalischen Sprache stehen. Über 70 Werke von 25 Komponisten standen auf dem Programm, u.a. von John Adams, Steve Reich, Georg Friedrich Haas, Alban Berg, Ludwig van Beethoven, Sir Harrison Birtwistle, Iannis Xenakis und Karlheinz Stockhausen.

Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin eröffneten das Festival mit einem reinen Schönberg-Programm. Der Erfolg der Eröffnung mit dem Schönberg-Schwerpunkt setzte sich in den Gastkonzerten fort, zunächst mit dem San Francisco Symphony Orchestra unter der Leitung von Michael Tilson Thomas, das Schönbergs Variationen op. 43b in den Kontext europäischer Tradition und amerikanischer Avantgarde setzte. Es folgte der Auftritt des Boston Symphony Orchestra und seines Chefdirigenten Andris Nelsons mit Mahlers 6. Symphonie. Des Israel Philharmonic Orchestra spielte unter Zubin Mehta Schönbergs Erste Kammersymphonie und Mahlers Neunte. Bei beiden Werken haben Zubin Mehtas Interpretationen Standards gesetzt. Die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle gestalteten am Abschlusswochenende ein Programm, in dem sie die subkutanen Verbindungslinien zwischen der ausdrucksstarken „Glücklichen Hand“ Schönbergs und großer Tradition amerikanischer Filmmusik zogen und außerdem den großen dänischen Symphoniker Carl Nielsen mit der Aufführung seiner Vierten Symphonie und der Komposition Pan und Syrinx dem Publikum näher brachten.

Ein besonderer Höhepunkt war die Aufführung von Schönbergs „Die Jakobsleiter“ mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und dem Rundfunkchor unter der Leitung von Ingo Metzmacher u.a. mit den Solisten Thomas E. Bauer, Daniel Behle, Yeree Suh und Edda Moser. In das Musikfest Berlin fiel auch das Antrittskonzert von Gijs Leenaars als neuer Chefdirigent des Rundfunkchores Berlin in der Passionskirche. Chor und neuer Leiter begeisterten das Publikum mit einem fein abgestimmten Programm mit Musik von Schönberg, Schütz und Bach. In einem sich über das ganze Festival erstreckenden Streichquartett-Zyklus wurden sämtliche Streichquartette von Arnold Schönberg aufgeführt. Daran beteiligt waren das Schumann Quartett und das Novus String Quartet als junge Streichquartett Formationen sowie das Emerson String Quartet mit Barbara Hannigan und das Arditti Quartet. Gefeiertes Finale des Kammermusikzyklus bildete ein Streichtrio-Konzert von Ilya Gringolts, James Boyd und Nicolas Altstaedt mit der Aufführung von Schönbergs Streichtrio und Wolfgang Rihms „Musik für 3 Streicher“.

Im Zentrum des Festivals stand zudem das Schaffen des dänischen Komponisten Carl Nielsen, den das Musikfest Berlin anlässlich seines 150. Geburtstages mit insgesamt sechs Orchesterkonzerten sowie einer Ausstellung im Foyer der Philharmonie dem Publikum vorstellte. Neben der mitreißenden Interpretation seiner 4. Symphonie „Die Unauslöschliche“ durch die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle, kamen seine 3. Symphonie durch das Rundfunk-Sinfonieorchester, seine 6. Symphonie mit dem Mahler Chamber Orchestra und im Konzert der Royal Danish Orchestra seine 5. Symphonie zur Aufführung.

Im Haus der Berliner Festspiele wurden die Aufführungen von „Michaels Reise um die Erde“, dem II. Akt aus der Oper „Donnerstag aus Licht“ von Karlheinz Stockhausen mit dem Ensemble Musikfabrik und Trompeter Marco Blaauw als Solisten gefeiert. So wie das Haus der Berliner Festspiele zum ersten Mal auch zu den Veranstaltungsorten des Musikfest Berlin zählte, gab es außerdem mit der Premiere der performative Installation „Orfeo nach Claudio Monteverdi – eine Sterbeübung“ von Susanne Kennedy, Bianca van der Schoot, Suzan Boogaerdt und dem Solistenensemble Kaleidoskop im Martin-Gropius-Bau einen Brückenschlag des Festivals zum Ausstellungshaus der Berliner Festspiele.

Winrich Hopp
Künstlerischer Leiter Musikfest Berlin