Musikfest Berlin

George Benjamin

George Benjamin war mein Lieblingsschüler. Er musste um die sechzehn gewesen sein, als ich ihn kennenlernte. Er zeigte mir seine ersten Werke, die ich am Klavier nachspielte, und ich begriff sofort, dass er etwas von Harmonien und Orchestrierung verstand und ein untrügliches Ohr hatte … George Benjamin verfügt über eine ähnlich große Begabung, wie sie dem jungen Mozart nachgesagt wird! (Olivier Messiaen 1986)

Dem Komponisten und Dirigenten George Benjamin widmet die Stiftung Berliner Philharmoniker in der kommenden Spielzeit einen großen Schwerpunkt, der den gebürtigen Engländer zum ersten Mal in seiner ganzen künstlerischen Bandbreite in Berlin präsentiert. Von den insgesamt sieben Konzerten mit seinen Kompositionen, darunter Opern, Klavier-, Kammermusik- und Orchesterwerken, finden 3 in Zusammenarbeit mit dem Musikfest Berlin statt.

Komponist und Dirigent
George Benjamin, ein Schüler von Olivier Messiaen und Alexander Goehr, fühlte seine musikalische Berufung schon früh. Mit sieben Jahren begann er zu komponieren, bereits als Zwölfjähriger kannte er nur ein Ziel: Opern schreiben. Die Studienzeit bei Messiaen hinterließ tiefe Eindrücke: Die Menschlichkeit seines Lehrers, dessen bedingungslose Leidenschaft für Musik, sein Gespür für Harmonien und seine neuartigen Ideen zur Rhythmik inspirierten George Benjamin, auch wenn er sich heute – wie er betont – von dem ästhetischen Standpunkt seines Lehrers weit entfernt hat. George Benjamin vereint zwei für ihn vollkommen gegensätzliche Leidenschaften, Dirigieren und Komponieren. „Das Dirigieren ist sehr gesellig und eine physische Tätigkeit“, erklärt er. „Das Komponieren geschieht hingegen hauptsächlich im Kopf. Man braucht sehr viel Ruhe und Geduld dazu. Ich liebe beides!“ In der kommenden Saison kann das Berliner Konzertpublikum Benjamin in diesen so unterschiedlichen Funktionen erleben.

Faszinierende Klanggewebe
2006 gab Benjamin sein Debüt als Dirigent bei den Berliner Philharmonikern, ein Ereignis, auf das er gerne zurückblickt: „Ich erinnere mich noch gut an die außergewöhnliche Klangqualität des Orchesters, diese Klangfülle aus der Tiefe heraus! Das ist unvergleichlich.” Gemeinsam mit den Philharmonikern führt Benjamin am 8. und 9. September im Rahmen des Musikfest Berlin sein zweiteiliges Orchesterwerk „Palimpsests“ auf, in dem er aus sich überlagernden musikalischen Schichten ein faszinierendes Klanggewebe schafft. 2006 erschien auch seine auf der Sage vom Rattenfänger von Hameln basierende Kammeroper „Into the Little Hill“, für das der englische Dramatiker Martin Crimp ihm die idealen Libretti lieferte Es folgte 2012 das Bühnenwerk „Written on Skin“, das nach einem mittelalterlichen Sagenstoff entstand und eine ergreifende Geschichte um Liebe, Macht und Grausamkeit erzählt. Obwohl in weit zurückliegenden Zeiten angesiedelt, sind beide Stoffe doch von ungeheurer Aktualität. „Die Art wie Martin Crimp das Moderne mit dem Alten mischt, hat für mich einen magischen Zauber“. Was beide Bühnenwerke auszeichnet, die zum ersten Mal überhaupt in Berlin erklingen werden, ist die kongeniale Durchdringung von Musik und Sprache.

„Written on Skin“ entstand 2012 für das Mahler Chamber Orchestra, dessen transparenter Klang und wunderbare Artikulationsfähigkeit Benjamin beim Komponieren im Ohr hatte. Das Mahler Chamber Orchestra führt nun beide Opern mit George Benjamin am Pult auf: „Into the Little Hill“ am 12. September im Kammermusiksaal beim Musikfest Berlin im Kontext von Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ und „Written on Skin“ zwei Monate später, am 12. November, als halbszenische Aufführung in der Philharmonie. Das Musikfest Berlin widmet Benjamin am 9. September eine Matinee mit dem Pianisten Florent Boffard. Und im Rahmen der philharmonischen Kammerkonzerte interpretiert das Scharoun Ensemble Berlin sein Oktett, Auch das Education-Programm der Berliner Philharmoniker beteiligt sich am Benjamin-Schwerpunkt und entwickelt ein kreatives Projekt zu „Into the Little Hill“.

Sir George Benjamin

Berliner Philharmoniker

Boulez / Ravel / Ligeti / Benjamin
Philharmonie
SA 08.09.2018, 19:00 & SO 09.09.2018, 20:00
Paolo Monti, Serie Fotografica (Paris 1960)

Florent Boffard

Scarlatti / Kurtág / Skrjabin / Benjamin / Chopin / Debussy / Messiaen
Kammermusiksaal der Philharmonie
So 09.09.2018, 11:00
August Strindberg, Photogramm von Kristallisationen, Stockholm

Mahler Chamber Orchestra

Schönberg / Benjamin
Kammermusiksaal der Philharmonie
Mi 12.09.2018, 20:00

Drei weitere Konzerte mit George Benjamin finden im November, Dezember und Januar in der Philharmonie statt.

George Benjamin - Konzertübersicht

George Benjamin – Konzert IV

George Benjamin Written on skin
Halbszenische Aufführung


Evan Hughes, Bassbariton (The Protector)
Georgia Jarman, Sopran (Agnes)
Bejun Mehta, Countertenor (Angel 1/The Boy)
Victoria Simmonds, Mezzosopran (Angel 2/Marie)
Robert Murray, Tenor (Angel 3/John)
Benjamin Davis, Regisseur


Mahler Chamber Orchestra
George Benjamin, Leitung


Philharmonie, Montag, 12. November 2018. 20:00 Uhr

Eine Veranstaltung der Stiftung Berliner Philharmoniker

George Benjamin – Konzert V

Luigi Dallapiccola Piccola musica notturna
Claudio Ambrosini La dona danada
Stefano Gervasoni Godspell
George Benjamin At first light
Gregor A. Mayrhofer Neues Werk
Franz Schreker Kammersinfonie


Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker
Sophie Klußmann, Sopran
Gregor Mayrhofer, Leitung


Kammermusiksaal, Sonntag, 20. Januar 2019, 20:00 Uhr


Eine Veranstaltung der Stiftung Berliner Philharmoniker

George Benjamin – Konzert VI

George Benjamin Oktett
Arnold Schönberg Streichquartett Nr. 2
Marc Andre Neues Werk UA

Auftragswerk der Stiftung Berliner Philharmoniker
Sofia Gubaidulina Hommage à T.S. Eliot


Rinnat Moriah, Sopran
Scharoun Ensemble Berlin und Gäste


Kammermusiksaal, Samstag, 16. Februar 2019, N.N. Uhr


Eine Veranstaltung der Stiftung Berliner Philharmoniker