Musikfest Berlin

Gastorchester 2018

Aus Europa und Übersee
Orchester beim Musikfest Berlin zu Gast

Es sind vor allem die europäischen Metropolen, aus denen in diesem Jahr die großen Orchester und Ensembles zum Musikfest Berlin kommen. Gleich zwei Orchester reisen aus den Niederlanden an: zum ersten Mal das Rotterdam Philharmonic Orchestra mit Yannick Nézet-Séguin; das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam unter der Leitung von Daniele Gatti war bereits im letzten Jahr beim Musikfest Berlin; aus München die Münchner Philharmoniker mit Valery Gergiev; aus Paris das Ensemble intercontemporain, aus Frankfurt das Ensemble Modern Orchestra und aus Lucern das Orchester der Lucerne Festival Academy. Einzige Ausnahme: Das Boston Symphony Orchestra. 2015, als Andris Nelsons 2015 gerade zum Chefdirigenten des Boston Symphony Orchestra ernannt worden war, trat er mit Gustav Mahlers Sechste Symphonie in der Philharmonie auf. Im diesjährigen Konzert führt er seine beiden Wirkungsstätten, Boston und Leipzig, zusammen in der Aufführung von Gustav Mahlers Dritte Symphonie.

Bruckner +
Die Symphonik Anton Bruckners hat die Geschichte vieler Orchester geprägt. Dirigenten brachten und bringen durch ihre musikalisch-archäologischem Tiefenanalysen immer wieder neue Dimensionen dieser Musik zum Vorschein. In dem sie die Musik Bruckners in wechselnde und neue Kontexte stellen und neu interpretieren, bereichern sie den jeweiligen orchesterspezifischen Spiel-Raum. Anton Bruckners Symphonien bestimmen die Programme gleich dreier großer Orchester und werden mit Werken des 20. Jahrhunderts kombiniert: das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam präsentiert unter der Leitung seines Chefdirigenten Daniele Gatti Anton Bruckners Dritte Symphonie und stellt ihr Musik aus dem frühen 20. Jahrhunderts, von Anton Webern und Alban Berg, zur Seite. Der extensive Raumergreifung durch Bruckner steht die Verdichtung des Raumes durch Webern und Berg gegenüber.
Auch das Rotterdam Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin, einem der profiliertesten Vertreter seiner Dirigentengeneration, wartet mit Bruckner auf. Es spielt die Vierte Symphonie und kombiniert sie mit Bernd Alois Zimmermanns „Sinfonie in einem Satz“ in einer selten gespielten Version mit Orgel. Symphonisches entsteht auf unterschiedliche Weise, durch großräumiges komplex architektonisch gedachtes Komponieren auf der einen Seite oder durch permanente Metamorphose auf der anderen.Bernd Alois Zimmermann und Bruckner ist auch die Kombination, die Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker für ihr Gastspiel in Berlin gewählt haben. Zimmermanns Ekklestiastische Aktion für 2 Sprecher, Bass-Solo und Orchester „Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne“ ist Bruckners Vierten vorangestellt. Bruckner hat seine Neunte dem „lieben Gott“ gewidmet, eine Musik, die Gott huldigt. Zimmermanns letztes Werk stellt letztendlich die zentrale Frage der christlichen Religion, die Frage nach der Rechtfertigung Gottes (eines guten, allmächtigen Gottes) angesichts des Leidens und Unrechts in der Welt. Zimmermann komponiert und inszeniert diesen Konflikt.

Europäische Ensemble-Kultur
Das Ensemble intercontemporain wurde 1976 von Pierre Boulez gegründet, das Ensemble Modern fand sich 1980. Beide Ensembles sind aus der Notwendigkeit heraus entstanden, zeitgenössische Musik durch entsprechend befähigte Musiker*innen aufführen zu können.Das Ensemble Modern tritt in diesem Jahr in seiner zum großen Orchester erweiterten Formation auf. Mit einem Programm, das in seiner ersten Hälfte dem Werk Anton Weberns huldigt. Diesem Komponist und seinem Werk kommt eine entscheidende Rolle in der Gründungsphase zu Beginn der 80er Jahre des Ensembles zu. „paysage/passage“ ein Werk von Mathias Spahlinger aus dem Jahren 1988–1990 , für viele jüngere Komponist*innen ein wichtiger Impulsgeber, nicht zuletzt für den Komponisten und Dirigenten des Abends Enno Poppe, bestimmt die zweite Hälfte des Abends.
Aus Paris kommt das Ensemble intercontemporain mit seinem musikalischen Leiter Matthias Pintscher. Vorwiegend französische Musik wird im Pierre Boulez Saal zu hören sein: Boulez‘ „Marteau sans Maître“ und „Vortex Temporum“ von Gérard Grisey, einem Komponisten aus der Boulez nachfolgenden Generation, die sich zeitweise als Spektralisten bezeichnete und sich durchaus an Boulez Wirken rieb.
Nicht nur die Entstehung des Ensemble intercontemporain oder des renommierten IRCAM ist Pierre Boulez zu verdanken. Auch an der Gründung der Lucerne Festival Academy – ein einzigartiges Ausbildungsinstitut für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts –war er beteiligt: Während der Lucerne Festival-Zeit erhalten junge, hochbegabte Musiker*innen aus aller Welt die Möglichkeit, zeitgenössische Partituren und Klassiker der Moderne in täglichen Proben, Workshops und Lektionen eingehend zu studieren und sie anschließend zur Aufführung zu bringen. Unterstützt werden sie dabei von international renommierten Mentoren. Der Auftritt des Orchesters der Lucerne Festival Academy bildet den Schlusspunkt und den Höhepunkt des Stockhausen-Schwerpunkts des Musikfests. Bei seinem ersten Konzert in Berlin wird es in der Philharmonie die abendfüllenden Gebetszeremonie „INORI – Anbetungen für zwei Tänzermimen und großes Orchester“ von Karlheinz Stockhausen unter der Leitung von Peter Eötvos aufzuführen.

Composer-Conductor
Composer-Conductor – diese Bezeichnung trifft nicht nur auf Enno Poppe, Matthias Pintscher und Peter Eötvös zu, auch der Großbritannien stammenden Komponisten und Dirigenten George Benjamin zeichnet diese Doppelbegabung – Komponieren und Dirigieren – aus. Er wird in der Saison 2018/19 Composer in Residence bei den Berliner Philharmonikern sein. Ihm ist daher in der Spielzeit 2018/19 eine Reihe von Konzerten gewidmet, von denen drei im Rahmen des Musikfest Berlin stattfinden werden. Eines davon bestreitet das Mahler Chamber Orchestra mit der Aufführung seiner 2006 entstandenen Oper „Into the Little Hill“, zu der der Schriftsteller und Dramatiker Martin Crimp das Libretto verfasste.

Keeping it Low Key

Rotterdam Philharmonic Orchestra

Zimmermann / Bruckner
Philharmonie
So 02.09.2018, 20:00
Cold

Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam

Webern / Berg / Bruckner
Philharmonie
Di 04.09.2018, 20:00
Ames Building Boston, ca. 1907

Boston Symphony Orchestra

Mahler
Philharmonie
Do 06.09.2018, 20:00
Bilderforum „Verlassene Orte – Lost Places”

Münchner Philharmoniker

Zimmermann / Bruckner
Philharmonie
Fr 07.09.2018, 20:00
August Strindberg, Photogramm von Kristallisationen, Stockholm

Mahler Chamber Orchestra

Schönberg / Benjamin
Kammermusiksaal der Philharmonie
Mi 12.09.2018, 20:00
Karlheinz Stockhausen, Elisabeth Clarke und Alain Louafi im Herodes Atticus Theater in Athen (Solistenprobe), 1978

Orchester der Lucerne Festival Academy

Stockhausen IV
Philharmonie
Di 18.09.2018, 20:00

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