Musikfest Berlin
Karlheinz Stockhausen © Archiv der Stockhausen-Stiftung für Musik, Kürten
Karlheinz Stockhausen

Aimard / Rothbrust / Kobler / Stroppa

Karlheinz Stockhausen II

Karlheinz Stockhausen [1928-2007]

Telemusik
Elektronische Musik [1966]

Refrain
für 3 Spieler [1959]

Zyklus
für einen Schlagzeuger [1959]

Pause

Kontakte
für elektronische Klänge, Klavier und Schlagzeug [1958-1960]

Pierre-Laurent Aimard Klavier (Kontakte), Celesta (Refrain)
Dirk Rothbrust Schlagzeug
Benjamin Kobler Klavier (Refrain)
Marco Stroppa Klangregie

Der Ort ist treffend gewählt. 1959 wurde der Große Sendesaal im Berliner Haus des Rundfunks nach umfangreicher Renovierung wieder in Betrieb genommen. Seitdem wird dort in vielfältigen Formen zeitgenössische Musik vorgestellt. Lange war der Rundfunk ein Laboratorium gewagter Tonkunst. Die Werke Stockhausens, die seit den späten 1950er-Jahren entstanden, sind mit der Institution Rundfunk auf dreifache Weise verbunden: Er fand dort Studios, die elektronisches Komponieren ermöglichten, Räume, an denen neue Werke zur Diskussion gestellt werden konnten, und ein Medium der Ausstrahlung.
„Telemusik” entstand in einem solchen Studio, in Japan, als eine universelle Musik. Ihr Material bilden Tonaufnahmen aus China, dem vietnamesischen Bergland, von der Insel Bali, aus dem Amazonasgebiet, aus Spanien, Ungarn und der südlichen Sahara. Das Material ist nicht einfach collagiert, sondern durchgeführt. Die Materialschichten durchdringen sich. Der Rhythmus der einen wurde mit der Lautstärkekurve des anderen, der dynamische Verlauf des einen mit der Harmonik und den Klangfarben des anderen moduliert. Die Stile und Charaktere durchwirken und verwandeln sich gegenseitig. Symbolisch ist die Welt präsent, zusammengehalten wird sie durch den Schöpfer, den Komponisten, der ihre innere Mechanik kennt.
Die „Kontakte” bieten in gewisser Weise das Spiegelbild zur „Telemusik”. Wird in letzterer vokal und instrumental erzeugte Musik elektronisch verwandelt und in einen neuen Seinszustand versetzt, so greifen in den „Kontakten” live agierende Musiker in eine elektronische Komposition ein. Diese entstand aus Verwandlungen der Zeit: Einzelne Impulse ordnen sich zu Rhythmen, Rhythmen schlagen durch fortgesetzte Beschleunigung in Tonhöhen und Klangfarben um. Durch die Überlagerung mehrerer Transformationen und ihrer verschiedenen Stadien entstanden synthetische Klänge „im Niemandsland zwischen Fell und Metall“; in sie tragen Klavier (Pierre-Laurent Aimard) und Schlagzeug (Dirk Rothbrust) die menschliche Interaktion und verleihen dadurch dem elektronisch vorproduzierten ein immer neues Gesicht. Das Widerspiel von Idee und Gestalt, von Material und Werk, von Existenz und Verwandlung wirkt auch im Hintergrund von „Zyklus” und „Refrain”. In beiden wird das vom Komponisten Vorgegebene zum Material, das unterschiedliche Realisationen ermöglicht.

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin, gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und mit freundlicher Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung

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Einführung 17:30 Uhr

Tickets & Termine

Aimard / Rothbrust / Kobler / Stroppa

Ort:

Großer Sendesaal des rbb

Preis/Kategorie:

€ 12 - 32 / Wahlabo

Termine:

  • Sa 15.09.2018, 19:00