Archiv
Theatertreffen
Trailer zu „Kill your Darlings! Streets of Berladelphia“
Kill your Darlings! Streets of Berladelphia. [Videotrailer]

Kill your Darlings! Streets of Berladelphia

von René Pollesch

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

Regie René Pollesch
Bühne und Kostüme Bert Neumann
Licht Frank Novak / Torsten König
Dramaturgie Henning Nass

Mit:
Fabian Hinrichs
Eduard Anselm, Johanna Berger, Christin Fust, Hannes Hirsch, Emma Laule, Ronny Lorenz, Martina Marti, Fynn Neb, Rudolph Perry, Simone Riccio, Nicola Rietmann, Paula Schöne, Anna Smith, Lukas Vernaldi und Claudia Vila Peremiquel (Chor)

„Kill your Darlings“ stützt sich auf das flexibelste Netzwerk der Theatersaison: Ein Bewegungschor junger Berliner Turnerinnen, den der Solo-Akteur Fabian Hinrichs grinsend als „Chor der Kapitalisten“ vorstellt, weiß jedweden Ausstiegsversuch feinakrobatisch zu vereiteln.

Nicht nur klug, sondern auch bestechend lässig stößt sich René Pollesch von Bertolt Brechts „Fatzer“-Fragment ab und deutet das extrem störanfällige Verhältnis des Individuums zum Kollektiv unter heutigen Vorzeichen um. So prägnant und gleichzeitig ebenenreich kam noch keiner vom „Untergang des Egoisten Fatzer“ zum unmöglichen Abgang des Individualisten Hinrichs. Denn Brechts Arbeiterchor- und Klassenkampf-Rhetorik mitsamt ihren Ausläufern ins Gegenwartstheater ist nur eine mögliche Folie, auf der man den komplexen Abend lesen kann. Auf einer zweiten, einer visuellen Ebene, setzen sich klassische szenische Zitate zu einer Art Retrospektive theatraler Repräsentations- und Revolutionsanstrengungen schlechthin zusammen. Auf einer dritten Ebene packt uns Pollesch bei unserem ausschließlichen Liebesbegehren, und auf einer vierten seilt sich der grandiose Fabian Hinrichs, der dem Pollesch-Sound völlig neue Töne abgewinnt, diskursfit vom Schnürboden ab. Dass der Netzwerksport bei aller Metaebenen-Akrobatik auch noch zuverlässig als Antidepressivum wirkt, ist zwar keinesfalls politisch korrekt. Aber es ist großartig.

www.volksbuehne-berlin.de

Dauer 1h 30 keine Pause

Uraufführung 18. Januar 2012

Publikumsgespräch 16. Mai 2012, 23:00 Uhr
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Moderation Jens Roselt