Archiv
Theatertreffen

Das Festival 2017

Räume für Vielstimmigkeit schaffen

Vielfalt eine Plattform geben – das war der Anspruch und zugleich die Quintessenz des 54. Theatertreffens. Selten waren die ausgewählten Inszenierungen unterschiedlicher in ihren ästhetischen und thematischen Schwerpunktsetzungen – und stehen damit exemplarisch für die vergangene Theatersaison, die sich in besonderem Ausmaß durch ein bereicherndes Nebeneinander verschiedenster Ansätze und Formate auszeichnete, aber auch durch heftige Diskussionen um Chancengleichheit und Veränderungen im Theaterbetrieb.

Und so gaben detailreiche Bühnenwelten, nuancierte Romanadaptionen, große Dramen und Arbeiten, in denen Musik strukturbestimmend wirkte, dem Festival ein multidimensionales Gesicht. Dabei waren es sowohl die Metropolen als auch die kleineren Städte, die wichtiges und beeindruckendes Theater erarbeiten. Sie wurden ergänzt durch freie, nicht ortsgebundene Produktionen, die ebenfalls einen bestimmenden Teil des breiten Spektrums des vergangenen Theaterjahres ausmachten.

Mit „Shifting Perspectives“ wurde das Programm des Theatertreffens um eine neue Plattform erweitert, die einer Vielfalt an Stimmen Raum bietet. Vom 11. bis zum 14. Mai 2017 verwandelte sich das Festival in ein kollektives Forschungs- und Erlebnislabor, in dem Kunst, Wissenschaft und Gesellschaftspolitik zusammenkamen und neue Möglichkeiten für Austausch und Vernetzung geschaffen wurden. „Shifting Perspectives“ umfasste fünf interdisziplinäre Projekte des neu aufgelegten Internationalen Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts und setzte sich mit Arbeiten aus unterschiedlichen Genres und Ländern wie Kenia, Polen, Südafrika, Ägypten, Frankreich oder Kamerun auseinander.

Zusätzlich präsentierte der Stückemarkt fünf Texte internationaler Autor*innen und eine Performance. Am Ende des Stückemarktes wurde der Werkauftrag von der Bundeszentrale für politische Bildung / bpb vergeben, der dieses Jahr mit einer Uraufführung am Badischen Staatstheater Karlsruhe verbunden war und an den Autor Bonn Park ging. Außerdem veranstaltete der Stückemarkt gemeinsam mit der Bundeszentrale die zweitägige Konferenz „The Art of Democracy“.

Die Preisträger der drei im Rahmen des Theatertreffens verliehenen Preise zeichnen sich ebenfalls durch heterogene künstlerische Handschriften aus. Der Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung ging in diesem Jahr an Herbert Fritsch – auf seinen Volksbühnen-Weggefährten hielt Frank Castorf die Laudatio. Die diesjährige Jurorin des Alfred-Kerr-Darstellerpreises Imogen Kogge prämierte Michael Wächter für seine Rolle als Theodor in Simon Stones Inszenierung von „Drei Schwestern“. Der 3sat-Preis ging 2017 an den zukünftigen Intendanten des NT Gent Milo Rau, dessen Arbeit „Five Easy Pieces“ beim Theatertreffen zu sehen war.

Ein durch eine Vielfalt an Stoffen, Themen, Haltungen und Diskussionen geprägtes Theatertreffen ist zu Ende gegangen. Wir danken unserem treuen Publikum, das sich mit uns auf Experimente einlässt und stets an unserer Seite ist! Die Vorbereitungen für das nächste Theatertreffen laufen bereits jetzt auf Hochtouren, damit wir auch im nächsten Jahr ein abwechslungsreiches und spannendes Festival präsentieren können.