Theatertreffen

Stückemarkt: Allgemein

Der Stückemarkt des Theatertreffens wurde 1978 als ein Entdeckerfestival für noch unbekannte Autor*innen aus ganz Europa gegründet. Als erste Förderinitiative für Gegenwartsdramatik im deutschsprachigen Raum setzt er sich seit 40 Jahren erfolgreich für eine nachhaltige Förderung von Autor*innen ein und ist ein Marktplatz für internationale Dramatiker*innen, Theatermacher*innen, Festivalkurator*innen, Verlagslektor*innen und Kritiker*innen.

2012 wurde ein Prozess der Öffnung des Stückemarkts für einen zeitgenössischen Autor*innenbegriff begonnen. Heute sucht der Stückemarkt nach neuen Formen der Autor*innenschaft und innovativen Theatersprachen. In einem international offenen Wettbewerb können sich Autor*innen gleichermaßen mit Theatertexten und Theaterprojekten bewerben, in denen das Medium Sprache ein Hauptaspekt ist. Eine fünfköpfige Künstler*innenjury wählt aus den Einsendungen fünf Arbeiten aus. Im Rahmen des Theatertreffens werden die ausgewählten Arbeiten ihrer Form entsprechend präsentiert – als Gastspiele, Szenische Lesung, Performances, Site-specific-Formate u.a.

Der Stückemarkt des Theatertreffens ist das Original: 1978 wurde er als erste Förderinitiative für Neue Dramatik im deutschsprachigen Raum gegründet. Vorher gab es keine solche Autor*innenförderung, keine Plattform für noch nicht aufgeführte Stücke und schon gar keine Schreibschulen für angehende Dramatiker*innen. Der Stückemarkt setzte sich dafür ein, neue Stücke überhaupt erst auf die Spielpläne der Theater zu bringen.

Seit seiner Gründung haben insgesamt 203 Autor*innen am Stückemarkt teilgenommen. Eine Vielzahl von ihnen bestimmt heute die Neue Dramatik auf den Theaterspielplänen – angefangen bei Elfriede Jelinek, die mit ihrem Stück „Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaft“ im ersten Jahr eingeladen war und damals noch als österreichischer Geheimtipp galt.

In den ersten zwanzig Jahren des Festivals wählte die Stückmarkt-Leitung aus den zur Uraufführung freien Stücken jährlich fünf aus, um sie einem breiteren Publikum im Rahmen des Theatertreffens vorzustellen. Eine Jury gab es damals nicht – der Stückemarktleiter war allein für das Programm verantwortlich. 2003 öffnete sich der Stückemarkt für Autor*innen aus ganz Europa, die in Originalsprache Theatertexte einreichen konnten. Aus der Präsentation neuer Dramen für Theaterleute wurde ein Wettbewerb für noch unbekannte Autor*innen. Eine Fach-Jury sichtet seither hunderte von Stücken, von denen während des Theatertreffens zwischen fünf und sieben in Szenischen Lesungen präsentiert werden. In den letzten zehn Jahren setzte der Stückemarkt wichtige neue Impulse bei der Dramatiker*innenförderung, legte den Fokus auf Entdeckungen, Wiederentdeckungen und kontinuierliche Förderung: Preise und Werkaufträge, Kooperationen mit Partnertheatern und einem Radiosender wurden eingeführt, ein internationales Netzwerk wurde aufgebaut und die Übersetzung der Stücke ins Englische, die Realisierung von Masterclasses und Dramatiker*innenworkshops sowie die Übernahme von einjährigen Patenschaften für die Autor*innen wurden etabliert. Mit dem TT-Symposium Schleudergang Neue Dramatik (2009) initiierte der Stückemarkt weitere Schritte in der Zusammenarbeit zwischen Dramatiker*innen und Theatern, wie zum Beispiel den Ausbau von Hausautor*innenenschaften. 2012 erweiterte der Stückemarkt seinen Autor*innenbegriff: Erstmals wurden Projektarbeiten von Theaterkollektiven für den Wettbewerb zugelassen. Ein Performer-Duo wurde eingeladen, im neu gegründeten Projektlabor ihr eingereichtes Konzept zu entwickeln und das Ergebnis im Rahmen des Stückemarkts zu präsentieren.

Zu seinem 35-jährigen Jubiläum 2013 zog der Stückemarkt Bilanz und blickte in die Zukunft: 35 Autor*innen, die beim Stückemarkt eingeladen waren, wurden noch einmal mit neuen Arbeiten präsentiert. 30 Autor*innen haben kurze Texte zum Thema „Wohin? Verfall und Untergang der westlichen Zivilisation“ verfasst, fünf bereits verstorbene Stückemarkt-Autor*innen, die das zeitgenössische Szenische Schreiben geprägt haben, wurden in einem Szenischen Archiv der verstorbenen Autor*innen präsentiert. Die Veranstaltungen fanden als Site-Specific-Projekt in der historischen Pan Am Lounge statt. Die Autor*innen der Jubiläumsausgabe waren u.a. Herbert Achternbusch, John von Düffel, Elfriede Jelinek, Oliver Kluck, Dirk Laucke, Anne Lepper, Philipp Löhle, Wolfram Lotz, Marius von Mayenburg, Roland Schimmelpfennig, Einar Schleef, Werner Schwab und Nis-Momme Stockmann.

2014 wurde die Auseinandersetzung mit neuen Modellen der Autor*innenschaft, die bereits durch das Projektlabor 2012 und das Jubiläum 2013 begonnen wurde, weiterverfolgt: Für die 36. Ausgabe des Stückemarkts machten sich drei Theatertreffen-Pat*innen auf die Suche nach Künstler*innen, die neue Theatersprachen entwickeln.

2015 wurde das Auswahlverfahren für den Stückemarkt noch einmal weiterentwickelt: Eine fünfköpfige Künstler*innen-Jury und ein offener Wettbewerb wurden wieder eingeführt sowie neue Auswahlkriterien, die gleichermaßen auf Theatertexte und Theaterprojekte anwendbar sind. Seit 2016 vergibt der Stückemarkt gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung einen Werkauftrag. Mit dem Stückemarkt 2019 wird der Wettbewerb erstmals international ausgeschrieben.

Maria Nübling
© Christoph Blaas

Maria Nübling

Maria Nübling ist seit 2017 Dramaturgin des Theatertreffens und seit der Spielzeit 2018/2019 Leiterin des Stückemarkts. Sie wurde 1989 in Hildesheim geboren und studierte Theaterwissenschaft und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Parallel zu ihrem Studium absolvierte sie Dramaturgiehospitanzen, Assistenzen und Produktionsdramaturgien an den Münchner Kammerspielen, am Maxim Gorki Theater Berlin, am Staatsschauspiel Dresden, am Pathos Theater in München und am Schauspiel Stuttgart. Gemeinsam mit Christina Gassen initiierte und organisierte sie 2015 das Symposium „Theater.Frauen“ an der Freien Universität Berlin, das sich mit Geschlechterungleichheit am Theater auseinandersetzte, und ko-leitet die gleichnamige Initiative. Von 2015 bis 2017 war sie in der Dramaturgie des Schauspiel Stuttgart beschäfigt, mit Produktionsdramaturgien und Assistenzen u.a. bei Jossi Wieler, Schorsch Kamerun, Sebastian Hartmann, Sébastien Jacobi, Thomas Schmauser, Armin Petras und Eugene Jebeleanu. Außerdem übernahm sie die Leitung der Stückentwicklung „Songs of Europe“ in Kooperation mit dem Schauspiel Stuttgart und der Staatsoper Stuttgart, und kuratierte die Reihe Schauspiel x Offene Gesellschaft sowie ein interdisziplinäres Begegnungsformat zwischen Theater und Bildender Kunst in Kooperation mit der Galerie Projektraum LOTTE.

Stephanie Richter

Stephanie Richter

ist Dramaturgieassistentin des Theatertreffens und seit der Spielzeit 2018/2019 Mitarbeiterin des Stückemarkts, nachdem sie in den Jahren zuvor das Internationale Forum und die Theatertreffen-Redaktion unterstützte. Sie studierte Kulturwissenschaften an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Journalismus und Dramaturgie an der Edinburgh Napier University und Soziokulturelle Studien und Theaterwissenschaft an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und an der Freien Universität Berlin. In der Vergangenheit hat sie das Theaterfestival UNITHEA und das Kunstfestival ART an der Grenze in Frankfurt (Oder) mit und verwirklichte eigene Projekte am TIK Berlin und an der Schlesischen 27.

Tel + 49 30 254 89-200

Theaterbibliothek des Goethe-Instituts

Das Goethe-Institut fördert seit vielen Jahren die Verbreitung zeitgenössischer deutscher Dramatik im Ausland. Um die Verfügbarkeit der dabei entstandenen Übersetzungen in vielen Sprachen weiter zu verbessern, bietet das Goethe-Institut die Möglichkeit an, Übersetzungen per E-Mail abzurufen oder bei Verlagen zu bestellen. Zurzeit verfügt die Theaterbibliothek über rund 650 Titel in 40 Sprachen – einfach zu bestellen per E-Mail, weltweit und kostenlos.

www.goethe.de/theaterbibliothek

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