Theatertreffen

Stückemarkt: Jury 2019

Mette Ingvartsen
© Danny Willems

Mette Ingvartsen

Choreografin und Tänzerin – Brüssel, Belgien

Mette Ingvartsen ist eine dänische Choreografin und Tänzerin. Ihre Arbeit zeichnet sich insbesondere durch Hybridität aus und verknüpft choreografische Praxis mit Tanz und Bewegung und anderen Disziplinen wie Visual Arts, Technologie, Sprache und Theorie. Eine ihrer bedeutendsten Arbeiten ist die zwischen 2009 und 2012 entstandene Produktion „The Artificial Nature Series“, in der sie neue Formen der Begegnung zwischen Menschen und nicht-humanoiden Objekten vorschlägt. Dem entgegengesetzt steht ihre jüngste Produktionsreihe „The Red Pieces“ (2014–2017), die sich in die Geschichte der Performancekunst einschreibt und den Fokus auf Nacktheit, Sexualität und Körperpolitik setzt. 2003 gründete sie ihre eigene Kompanie, mit der sie seither durch Europa, die USA, Kanada und Australien tourt. Mette Ingvartsen war Artist in Residence am Kaaitheater in Brüssel sowie an der Volksbühne in Berlin, zudem ist sie Teil des apap-Netzwerks.

Ingvartsen hat einen PhD in Choreografie von der Universität der Künste in Stockholm und machte davor ihren Abschluss an der Kunstakademie P.A.R.T.S. - Performing Arts Research and Training Studios in Brüssel. Neben dem Aufführen, Schreiben und Dozieren umfasst ihre Praxis das Lehren und Teilen ihrer Forschung durch Workshops mit Studierenden an Universitäten und Kunsthochschulen. Sie arbeitete mit Xavier Le Roy, Bojana Cvejić, Jan Ritsema und Boris Charmatz zusammen und spielte in kollektiven Forschungsprojekten wie der Künstlerplattform EVERYBODYS (2005–2010), dem Bildungsprojekt „Six Months, One Location“ (2008) und der performativen Konferenz „The Permeable Stage“ (2016 – fortlaufend).

Branden Jacobs-Jenkins

Dramatiker – New York, USA

Branden Jacobs-Jenkins ist ein amerikanischer Dramatiker, der in seinen Arbeiten aus einer Reihe unterschiedlicher zeitgenössischer und historischer Theatergenres schöpft, um offen mit komplizierten Themen rund um Identität, Familie, Class und Race umzugehen. Er hat einen B.A.-Abschluss (2006) von der Princeton University und einen M.A.-Abschluss (2007) von der New York University und ist Absolvent (2014) des Lila Acheson Wallace American Playwrights Program an The Juilliard School.

Seine Stücke wurden u. a. am Signature Theatre, The Public Theatre, Lincoln Center, Soho Rep., Yale Repertory Theatre, Actors Theatre of Louisville, National Theater in London, am Theater Bielefeld und am Residenztheater, München aufgeführt.

Viele der Stücke von Jacobs-Jenkins verwenden eine historische Linse, um die moderne Kultur zu persiflieren und zu kommentieren, insbesondere die Art und Weise, wie Race und Class in privaten und öffentlichen Situationen verhandelt werden. „Neighbors“ (2010) umfasst Performances, die an historische Minstrel Acts erinnern, die von Schauspieler*innen in Blackface gespielt werden. Diese Zwischenspiele offenbaren die angespannten Erwartungen, denen schwarze Künstler*innen ausgesetzt sind. „Appropriate“ (2012) vereint alle Merkmale eines ‚amerikanischen Familiendramas‘, doch wird die scheinbar vertraute Handlung der Zusammenkunft einer Familie nach dem Todesfall des Vaters durch die Entdeckung einer Sammlung von Lynchbildern unter den Habseligkeiten des Verstorbenen gestört. In den unterschiedlichen Reaktionen der Charaktere erhalten vergangene und gegenwärtige Beziehungen zwischen PoCs und weißen Menschen trotz einer vollständig weißen Besetzung eine greifbare Präsenz auf der Bühne. In „An Octoroon“ (2014), einer Adaption von Dion Boucicaults gleichnamigem Theaterstück aus dem 19. Jahrhundert, zeigen anachronistische Schauspielstile, selbstbewusste Verweise auf die dem Theater eigenen Kunstgriffe und erschütternde Gegenüberstellungen von Vergangenheit und Gegenwart das bleibende Vermächtnis der Sklaverei und wie Menschen gleichermaßen in unmittelbarer Nähe und doch Welten voneinander entfernt leben können. Mit „Gloria“ (2015) kehrt Jacobs-Jenkins zum naturalistischen Spiel zurück und nutzt die bissige Satire der Tragikomödie, um die vielschichtige, wettbewerbsorientierte Welt des modernen Arbeitsplatzes und seine manchmal fatalen Folgen zu erforschen.

Für seine Stücke „Appropriate“ und „An Octoroon“ gewann er den Obie Award 2014 für das Best New American Play. Seine Stücke „Gloria“ und „Everybody“ waren Finalisten für den Pulitzer-Preis 2016 bzw. 2018 für Dramatik. Zu seinen jüngsten Auszeichnungen zählen der Windham-Campbell-Preis für Dramatik, der PEN/Laura Pels International Foundation Theatre Award, der Benjamin H. Danks Award, der Steinberg Playwriting Award und der erstmals verliehene Tennessee Williams award. 2016 erhielt er die MacArthur-Fellow-Auszeichnung. Jacobs-Jenkins ist derzeit Artist in Residence am Signature Theatre und Master-Artist-in-Residence des Residency 5 playwright programme des Signature Theatre sowie Dramatiker im Playwriting MFA-Programm des Hunter College von The City University of New York. Gemeinsam mit Annie Baker ist er zudem Co-Direktor des Playwriting MFA-Programms am Hunter College.

Amir Reza Koohestani
© Laetitia Vancon

Amir Reza Koohestani

Regisseur und Dramatiker – Teheran, Iran

Amir Reza Koohestani wurde 1978 in Shiraz, Iran geboren und gilt als einer der bedeutendsten iranischen Theatermacher seiner Generation. Nach Erfahrungen als Performancekünstler widmete er sich dem Theater und verfasste seine ersten Stücke: „The Day Never Came“ (1999), das nie zur Aufführung kam, und „The Murmuring Tales“ (2000), das auf dem 18. International FADJR Theatre Festival in Teheran gezeigt und von der Kritik hoch gelobt wurde. 2001 gründete er in Teheran die Mehr Theatre Group, deren erstes Stück „Dance on Glasses“ Koohestani internationale Anerkennung verschaffte. Nachdem er mehrere Jahre in Manchester, Großbritannien studiert hatte, kehrte er nach Teheran zurück, wo er mit seinen Arbeiten zu einem der maßgeblichen Akteure für das Wiederaufleben des Theaters in seinem Land wurde. Im Februar 2012 gewann der Film „Modest Reception“, an dessen Drehbuch Koohestani und Mani Haghighi mitschrieben, den NETPAC Award bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2012. Koohestanis Arbeiten wurden in den letzten 15 Jahren in vielen europäischen Ländern gezeigt. „Amid the Clouds“, „Timeloss“ und „Hearing“ (2015) wurden unter anderem im Iran, beim Kunstenfestivaldesarts in Brüssel, bei den Wiener Festwochen, beim Oslo International Theatre Festival, beim Zürcher Theater Spektakel, beim Santarcangelo Festival in Italien und beim Festival d'Automne à Paris gezeigt. Koohestani inszenierte auch an mehreren deutschen Theatern, darunter die Münchner Kammerspiele, das Schauspiel Köln, das Theater Dortmund, das Künstlerhaus Mousonturm und das Theater Freiburg. Darüber hinaus inszenierte er Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ am Staatstheater Darmstadt. Koohestanis Stücke sind vor allem wegen ihres poetischen Stils bekannt und erkunden mit einer kritischen Symbolik den Alltag von Charakteren, die in den Wirren ihrer Umwelt gefangen sind. Zu seinen kommenden Projekten zählen eine Performance an der Comédie de Genève im September 2018, eine Adaption von „Macbeth“ an den Münchner Kammerspielen im Dezember 2018 und eine Adaption von „The Kitchen“ von Arnold Wesker im Mai 2019 am Theater Freiburg.

Wiebke Puls

Schauspielerin – München, Deutschland

Wiebke Puls wurde 1973 in Husum geboren und absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste Berlin. Nach ihrem Abschluss 1997 ging sie ans Schauspiel Hannover, bevor sie 2000 ins Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg wechselte, wo sie u. a. Jürgen Gosch begegnete. Für ihre dortige Leistung erhielt sie 2003 den Boy-Gobert-Preis, verliehen durch die Körber-Stiftung. Seit 2005 ist Wiebke Puls Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Mit „Die Nibelungen“ (Regie: Andreas Kriegenburg, 2005), „Dunkel lockende Welt“ (Regie: Sebastian Nübling, 2006), „Orpheus steigt herab“ (Regie: Sebastian Nübling, 2013) und „Trommeln in der Nacht“ (Regie: Christopher Rüping, 2018) war sie bereits vier Mal zum Theatertreffen eingeladen.

Für ihre Rolle der Kriemhild in „Die Nibelungen“ wurde sie 2005 mit dem Alfred-Kerr-Darstellerpreis ausgezeichnet und im selben Jahr von der Fachzeitschrift Theater heute zur Schauspielerin des Jahres gewählt. 2008 erhielt sie den Preis der Förderer der Münchner Kammerspiele. 2013 und 2018 belegte sie den zweiten Platz bei der Wahl von Theater heute zur Schauspielerin des Jahres. 2018 wurde ihr im Rahmen des 55. Theatertreffens der 3sat-Preis für ihre darstellerische Leistung in der Inszenierung „Trommeln in der Nacht“ in der Regie von Christopher Rüping und ihr Wirken an den Münchner Kammerspielen verliehen.

Gelegentlich inszeniert Wiebke Puls und arbeitet mit Studierenden. Gern tritt sie mit musikalischen Programmen auf. Regelmäßig ist sie als Sprecherin tätig. Neben ihren Bühnenrollen war Wiebke Puls in zahlreichen Film- und Fernsehrollen zu sehen. Ab Oktober 2018 ist sie in der neuen Produktion „#Genesis. A Starting Point“ (Regie: Yael Ronen) an den Münchner Kammerspielen zu sehen.

Maria Nübling
© Christoph Blaas

Maria Nübling

Dramaturgin und Leiterin Stückemarkt – Berlin, Deutschland

Maria Nübling ist seit 2017 Dramaturgin des Theatertreffens und seit der Spielzeit 2018/2019 Leiterin des Stückemarkts. Sie wurde 1989 in Hildesheim geboren und studierte Theaterwissenschaft und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Parallel zu ihrem Studium absolvierte sie Dramaturgiehospitanzen, Assistenzen und Produktionsdramaturgien an den Münchner Kammerspielen, am Maxim Gorki Theater Berlin, am Staatsschauspiel Dresden, am Pathos Theater in München und am Schauspiel Stuttgart. Gemeinsam mit Christina Gassen initiierte und organisierte sie 2015 das Symposium „Theater.Frauen“ an der Freien Universität Berlin, das sich mit Geschlechterungleichheit am Theater auseinandersetzte, und ko-leitet die gleichnamige Initiative. Von 2015 bis 2017 war sie in der Dramaturgie des Schauspiel Stuttgart beschäfigt, mit Produktionsdramaturgien und Assistenzen u.a. bei Jossi Wieler, Schorsch Kamerun, Sebastian Hartmann, Sébastien Jacobi, Thomas Schmauser, Armin Petras und Eugene Jebeleanu. Außerdem übernahm sie die Leitung der Stückentwicklung „Songs of Europe“ in Kooperation mit dem Schauspiel Stuttgart und der Staatsoper Stuttgart, und kuratierte die Reihe Schauspiel x Offene Gesellschaft sowie ein interdisziplinäres Begegnungsformat zwischen Theater und Bildender Kunst in Kooperation mit der Galerie Projektraum LOTTE.

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