Theatertreffen

Stückemarkt 2018 – Geteilte Welt

Der Stückemarkt des Theatertreffens 2018 hat unter dem Thema „Geteilte Welt“ nach neuen Stücken gesucht, die sich auf globaler Ebene mit Fragen der Teilung, aber auch des Teilens auseinandersetzen – ohne dabei stereotype Narrative fortzuschreiben, sondern neue Sichtweisen auf das Teilen von Ressourcen, Möglichkeiten und (Macht-)Räumen zu eröffnen.

Auf die Ausschreibung haben sich insgesamt 263 Autor*innen aus ganz Europa beworben. Etwa zwei Drittel der Einsendungen waren Theatertexte, ein Drittel Projekte/Performances. Insgesamt wurden Arbeiten aus 27 Nationen eingereicht, Einsendungen aus dem Ausland machten dabei einen Anteil von ca. 41 Prozent aus, was zeigt, dass das Festival von Jahr zu Jahr internationaler wird.

Viele der eingesendeten Stücke setzten sich nicht (mehr) ausschließlich mit Individuen und ihren privaten Problemen im Kontext nationaler gesellschaftlicher Fragestellungen auseinander. Milo Raus Begriff des „Globalen Realismus“ folgend, gäbe es ohnehin kaum noch eine Frage, die erkenntnisstiftend rein auf nationaler Ebene zu betrachten wäre.

Die Jury des Stückemarkts - Joy Kristin Kalu, Anne Lepper, Philippe Quesne, Dimitrji Schaad und Christina Zintl - hat 2018 sechs Texte und Projekte ausgewählt, die eine weite und (selbst)kritische Perspektive einnehmen und auf unterschiedliche Weise um das Thema Empathie kreisen. Das Performancekollektiv Turbo Pascal hat das Publikum in „Böse Häuser“ eingeladen, sich in unterschiedlich sympathische Gedankengebäude zu begeben und sich auf eine Auseinandersetzung mit dem radikal Andersdenkenden einzulassen. Li Lorian hat in „Exodus“ auf spielerische Weise historische und zeitgenössische Geschichten über Flucht, Vertreibung und die Suche nach Heimat verwoben und einen Ort der Begegnung für ein Publikum in Jerusalem und Berlin geschaffen. In ihrem Stück „Amsterdam“ konfrontierte Maya Arad Yasur eine junge israelische Geigerin mit Heimat(losigkeit) und einer zunehmend misogynen und xenophoben Umgebung. Leon Engler erzählte mit „Die Benennung der Tiere“ von der verzweifelten Suche nach Erlösung aus persönlichen und kollektiven Miseren und zeichnete in absurden Situationen eine Gesellschaft, deren Empathiefähigkeit auf den Prüfstand gestellt wird. In „Fresque“ ist das Performancekollektiv Old Masters den großen Fragen menschlichen Zusammenlebens und dem Scheitern von Kommunikation nachgegangen. Und Olivia Wenzel zeigte in „1 yottabyte leben“, was mit zwischenmenschlichen Beziehungen geschieht, wenn wir uns primär im digitalen Raum begegnen und menschliche Grundbedürfnisse wie Intimität, Körperlichkeit und Liebe nicht mehr befriedigt werden.

Nicht Opulenz, Spektakel oder Lametta waren in den ästhetischen Ansätzen und Erzählweisen die Mittel der Wahl. Es waren vielmehr die relativ nüchternen, oft bescheiden einfachen Anordnungen der Stücke, die uns mit der suggestiven Kraft, der Verdichtung und dem Versagen von Sprache konfrontiert haben. Das Publikum einem genauen Nachdenken und umfangreichen Recherchen und Analysen szenisch beizuwohnen zu lassen, war für die ausgewählten Künstler*innen wichtiger als die Erzeugung von großen Bildern und Affekten. Unter Umständen kann so Theater etwas wie ein Übungsraum für die Welt sein, in dem das Sich-Selbst-in-Frage-Stellen – vielleicht sogar das Neudenken und Umlernen – im Spiel gegen die fatalistischen Gewissheiten unserer Zeit doch attraktiv wird.

Der Werkauftrag des Stückemarkts in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb wurde in diesem Jahr nach einer öffentlichen Diskussion der Werkauftrag-Jury – Beate Heine (Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin Schauspiel Köln), Dominic Huber (Regisseur und Szenograf) und Margarita Tsomou (Dramaturgin, Autorin und Kuratorin) – an die Dramatikerin Maya Arad Yasur vergeben. Der Werkauftrag ist mit 7.000 Euro dotiert und verbunden mit einer Uraufführung am Schauspiel Köln. Die zahlreichen Begleitformate des Stückemarkts – wie Workshops, Autor*innengespräche, Podiumsdiskussionen, Lectures und Get-Togethers – wurden in diesem Jahr um ein erstes internationales Verleger*innen-Treffen erweitert.

Christina Zintl und Maria Nübling


Der Stückemarkt findet in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb statt.
Wir danken unseren Partnern für die Unterstützung.

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