Berliner Festspiele 70

In der ersten Hälfte des Geburtstagsjahres planen die Berliner Festspiele internationale Gastspiele, ein „lebendiges Archiv“ und ein von den Festivalleiter*innen und Kurator*innen gemeinsam konzipiertes Aufführungsprogramm.

Dem stundenlangen Regen trotzend, erleben Musikenthusiasten im Herbst 1964 ein Open-Air-Musikfestival der Berliner Festwochen mitsamt einzigartiger Slapstick-Einlagen auf der spiegelglatten Bühne.

Dem stundenlangen Regen trotzend, erleben Musikenthusiasten im Herbst 1964 ein Open-Air-Musikfestival der Berliner Festwochen mitsamt einzigartiger Slapstick-Einlagen auf der spiegelglatten Bühne.

© Filmstill aus: „Blick in die Welt“, 1964/42, PROGRESS Film GmbH

2021 werden die Berliner Festspiele 70: Am 5. September 1951 wurden die ersten Berliner Festwochen, wie sie damals hießen, im Berliner Schillertheater eröffnet. Es war der Start einer ungewöhnlichen Festivalgeschichte zwischen Ost und West, im Theater- und Stadtraum, mit Pop und Avantgarde, Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, Kino und den Kulturen der Welt.

In einem zum Jubiläum gemeinsam von den künstlerischen Leiter*innen der Berliner Festspiele zusammengestellten Programm empfangen wir vom 10. bis 14. März 2021 im Gropius Bau unter dem Titel „Wild Times, Planetary Motions“ Künstler*innen wie Jimmy Robert, Nikhil Chopra mit Yuko Kaseki, Manuela Infante, Monira Al Qadiri & Raed Yassin, Alexander Hawkins & Siska u. v. a. Sie zeigen Installationen und internationale Aufführungen, die als Tages- oder Nachtversion für jeweils sechs Stunden zu erleben sind. Ebenfalls Teil des fünftägigen Programms sind sieben Archivräume, die sich unterschiedlichen Schwerpunkten widmen, darunter die Festspielgeschichte im urbanen Raum, die großen Themenausstellungen und die originären Ensemblekonstellationen in den Musikfestivals.

Die Berliner Festspiele realisierten in sieben Jahrzehnten so viel Unterschiedliches – einen „Tag der Sensationen“ genauso wie das „Große Welttheater“ vor dem Schloss Charlottenburg, die Ausstellung „Ostdeutsche Kunst der Gegenwart“ oder eine Funk-Brücke in die DDR nach dem Bau der Berliner Mauer. The Living Theatre zeigte „Antigone“ von Bertolt Brecht; Brian Eno, Steve Reich und Terry Riley traten beim Metamusik-Festival auf, unter den Besucher*innen: ein begeisterter David Bowie.

Diese bewegte Geschichte soll sich in einem „lebendigen Archiv“ vor allem durch die Menschen erzählen, die live dabei waren – Zuschauer*innen, (ehemalige) Mitarbeiter*innen und Künstler*innen können dort ihre Geschichten, Objekte und Erinnerungen an Veranstaltungen der Berliner Festspiele mit den Besucher*innen im Gropius Bau teilen. So entsteht neben der Präsentation von historischen Fotos, Fundstücken und Filmen ein kaleidoskopisches Narrativ der Festspielgeschichte, das aus subjektiven Erfahrungen und Sichtweisen besteht.

Unmittelbar nach „Wild Times, Planetary Motions“ wird die erste umfassende Retrospektive von Yayoi Kusama in Deutschland im Gropius Bau eröffnen. Im innovativen Ausstellungskonzept von Stephanie Rosenthal werden historische Ausstellungsräume rekonstruiert, die Kusama im Laufe der letzten Jahrzehnte als Rauminstallationen gestaltet hat, und ein neuer Infinity Mirror Room wird präsentiert und zeigt so die Entwicklung von Kusamas Schaffen.

Die internationalen Gastspiele, die wir während der kurzen Baupause im Haus der Berliner Festspiele im März und April zeigen, setzen sich in unserem Geburtstagsjahr aus deutschen Erstaufführungen und Koproduktionen der Berliner Festspiele zusammen. In der ersten Jahreshälfte präsentieren wir „INFINI 1–17“ des Szenografen Jozef Wouters (5. bis 6. März 2021), gefolgt von „Temple du Présent. Solo for an Octopus“ des Regisseurs Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) in Zusammenarbeit mit Judith Zagury und Nathalie Küttel (ShanjuLab) (9. bis 11. März 2021). Daran schließen an „The Goldberg Variations BWV 988“ der Choreografin und Tänzerin Anne Teresa De Keersmaeker / Rosas (25. bis 26. März 2021), „Outwitting the Devil“ des Choreografen Akram Khan (8. bis 10. April 2021), „Screws“, ein Miniaturperformance-Parcours des Zirkuskünstlers und Choreografen Alexander Vantournhout (9. bis 11. April 2021) sowie die von den Berliner Festspielen koproduzierte Performance-Trilogie „Porca Miseria“ des Choreografen und Tänzers Trajal Harrell (17. bis 18. April 2021).

Unsere Festivals MaerzMusik – Festival für Zeitfragen (19. bis 28. März 2021), Theatertreffen (7. bis 23. Mai 2021) und der Bundeswettbewerb Theatertreffen der Jugend (28. Mai bis 5. Juni) zeigen unterschiedliche Programmschwerpunkte im Haus der Berliner Festspiele und an anderen Spielorten der Stadt. Die Programmreihe Immersion führt uns nach Kreuzberg: Im Kühlhaus Berlin wird die mit dem Goldenen Löwen der Biennale di Venezia ausgezeichnete Opern-Performance „Sun & Sea“ von Rugilė Barzdžiukaitė, Vaiva Grainytė und Lina Lapelytė aufgeführt (10. bis 13. & 15. bis 17. Juni 2021).

2021 ist für die Berliner Festspiele ein Jahr gleich mehrerer Jubiläen. Nicht nur werden die Berliner Festspiele 70; der Gropius Bau wurde vor 140 Jahren als Kunstgewerbemuseum eröffnet und das Festival MaerzMusik findet zum 30. Mal statt. Wir arbeiten daran, unsere Veranstaltungen und Festivals unter Berücksichtigung des pandemischen Geschehens so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen, auch in der Hoffnung, den vielen zeitgenössischen Künstler*innen Auftritts- und Produktionsmöglichkeiten bieten zu können. 2021 wird nicht nur das Jahr der Wahl des Deutschen Bundestages, sondern für die Berliner Festspiele auch eines der Wahl neuer Wege, unser Publikum zu erreichen und neue Impulse zu setzen.