Gespräche

10 Days of Iranian Cinema

Hintergrundgespräche zur Filmreihe „10 Days of Iranian Cinema“ bieten Einblicke in das Filmhandwerk der Regisseur*innen, Produktionsbedingungen im Iran, die Rezeption ihrer Filme im In- und Ausland, die wechselhafte Geschichte des Landes und seiner Hauptstadt Teheran, sowie die Geschichte und Zukunft des Kinos.

Die Gespräche sind in englischer Sprache bzw. in Farsi mit englischen Untertiteln. Sie haben die Möglichkeit sich innerhalb der Videos mittels Kapitelauswahl zu navigieren.

Interview mit Bahram Beyzai („Bashu, the Little Stranger“)

Film und Theaterregisseur & Professor an der Stanford University, USA
18 min, Farsi mit englischen Untertiteln

Bahram Beyzai zählt zu den bedeutendste Film- und Theaterregisseuren und zeitgenössischen iranischen Autoren. In seinen Werken befasst er sich mit der Kultur, Geschichte, Identitäten und Mythen des Iran. Trotz seiner großen Popularität – bereits sein erster Film „Ragbar“ von 1972 war lange Zeit der erfolgreichste Kinofilm aller Zeiten im Iran – ist es Beyzai weder vor noch nach der islamischen Revolution gelungen, dauerhaft Unterstützung für seine Projekte zu gewinnen. Sein heute bekanntester Film „Bashu, the Little Stranger“ (1986) – der auch für die Reihe „10 Days of Iranian Cinema“ eine zentrale Rolle spielt – entstand in einer Zeit als dessen Antikriegspathos den Autoritäten im Iran so missfiel, dass er trotz finanzieller staatlicher Förderung verboten wurde.

In dem mit vielen mythischen Bildern komponierten Film flieht ein Zehnjähriger im Inferno des Irak-Iran-Krieges aus seinem bombardierten Dorf im arabischen Süden des Iran in den persischen Norden. Mit der feingliedrigen Geschichte um die Annäherung Fremder in Zeiten des Krieges schuf er eine pazifistische Utopie, die in der Filmgeschichte des Iran ihresgleichen sucht. Nach Beendigung des Iran-Irak-Kriegs wurden neue Töne angestoßen und der Film passte nun zur versöhnlichen Staatsräson als volksverbindender Friedensfilm und durfte wieder gezeigt werden.

Wir haben Bahram Beyzai in Stanford (USA) per Video interviewt, wo er seit einigen Jahren lebt, an der hiesigen Universität Theater und iranische Geschichte lehrt und Theaterstücke inszeniert. Er berichtet, wie er aus der Entfernung seines Exils auf seine alte Heimat blickt, über mangelnden Weitblick und Geschichtsbewusstsein der Iraner*innen, darüber, wie ihm sein eigenes filmisches Werk abhanden gekommen ist und auch neue filmische Vorhaben kaum Unterstützung finden. Gerne hätte er seinen Film „Bashu, the Little Stranger” der Filmreihe zur Verfügung gestellt, doch konnte keine Einigung mit den Lizenzinhaber*innen erreicht.

Interview mit Rakhshan Banietemad („The May Lady“)

Filmregisseurin und Drehbuchautorin, Teheran
22 min, Farsi mit englischen Untertiteln

Die Kuratorin Afsun Moshiry im Gespräch mit Vivien Buchhorn (Kuratorin und Wissenschaftlerin, Berlin) & Reza Haeri (Filmregisseur, Teheran) über den Filmregisseur Sohrab Shahid Saless („A Simple Event“)

27 min, Englisch

Er ist ein Weltbürger des iranischen Kinos: 1944 geboren im Iran, studiert Sohrab Shahid Saless in den 1960er Jahren in Wien und Paris. Er dreht im Iran einige Kurz- und zwei Langfilme, für die er auf internationalen Festivals gefeiert und auf der Berlinale 1974 mit einem silbernen Bären ausgezeichnet wird: „Stilleben“ und „Ein einfaches Ereignis“, der in unserem Programm zu sehen ist.

Er wandert nach Westdeutschland aus, wo er vier Kino-, sieben Fernseh- und drei Dokumentarfilme realisiert, ehe er nach kurzem Aufenthalt in der Tschechoslowakei in die USA auswandert.

Was nach Jet-Set-Life klingt, war in Wirklichkeit ein Leben voller Widerstände. Zu Studienzeiten in Europa lebte er, von Krankheiten gebeutelt, am Existenzminimum. War er im Iran mit der Zensur des Shah-Regimes konfrontiert, sieht er sich in Deutschland – zwar hoch dekoriert mit Documenta-Einladungen, Mitgliedschaft in die Akademie der Künste in Berlin und dem Adolf-Grimme Preis –, polemischer Auseinandersetzungen mit der Filmförderung und den Fernsehredakteuren ausgesetzt. Saless kommt über seine Rolle als Gast im Neuen Deutschen Film nie hinaus.

1998 stirbt Saless in Chicago und lässt uns ein unvergleichbares Werk zurück: Lange, statische Einstellungen, Stille und Konzentration geben Raum für die Einsamkeit, Melancholie und Hoffnungslosigkeit einfacher, wenig begüterter Menschen.

In jüngster Vergangenheit erlebt Saless’ Werk eine Wieder- und Neuentdeckung, die zu Retrospektiven in Berlin, München, Brüssel und Teheran führte. Die deutsche Filmwissenschaftlerin Vivien Buchhorn und der iranische Filmemacher Reza Haeri gelten seit ihrer Zusammenarbeit an diversen Retrospektiven als Experten in Sachen Saless’ Forschung und geben uns im Gespräch mit der Kuratorin Afsun Moshiry Einblicke in das Werk und Wirken des Ausnahmeregisseurs.

Interview mit Daniel Kötter („Hashti Tehran“)

Film- & Theaterregisseur, Berlin
19 min, Englisch

Interview mit Mohammadreza Farzad („Blames and Flames“)

Filmregisseur, Teheran
Englisch

“When films don’t represent and show the people, people will not wait for films but rather make their own picture.”
Interview mit Mohammadreza Farzad im Berliner Festspiele Blog

Interview mit Afsun Moshiry

Kuratorin und Filmproduzentin, Berlin/Teheran
Englisch

“The period before and after the Islamic revolution (1978–1979) is critical to understanding Iran’s current problems.”
Interview mit der Kuratorin Afsun Moshiry im Berliner Festspiele Blog