Konzert
Gastorchester

London Symphony Orchestra / Valery Gergiev

Merkwürdige Zeitverschiebung. 1957 feierte die Sowjetunion den 40. Jahrestag der Oktoberrevolution. Schostakowitsch aber schrieb eine Symphonie über die Februarrevolution von 1905, die Volkserhebung gegen jegliche Autokratie. Arbeiter- und Rebellenlieder steuern wie Wegzeichen ihren Verlauf und werden von diesem schließlich mitgerissen. – Es gibt in der russischen Kultur eine lange Tradition, die Gegenwart vor der Kulisse der Geschichte kritisch zu durchleuchten. Die Elfte »bezieht sich auf die Gegenwart von 1957, obwohl ich sie Das Jahr 1905 genannt habe. Sie handelt vom Volk, das den Glauben verlor, weil der Kelch der Missetaten übergelaufen war.« (D.S.)

An seinem Studenten Boris Tischtschenko schätzte Schostakowitsch die musikalische Begabung und die stille Trutzigkeit, die sich das künstlerische Denken und Handeln nicht von politischen Konjunkturen aufzwingen lässt. Tischtschenko komponierte seine Solokonzerte wie kleine Dramen. Für die Cellokonzerte sah er ausgefallene Ensemblebesetzungen vor. Schostakowitsch bearbeitete das erste für Symphonieorchester und ebnete ihm damit den Weg in die Konzertsäle.

Konzertprogramm

Boris Tistschenko [geb. 1939]
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 op. 23 [1963]
für Bläser, Schlagzeug, Harmonium und Streicher
bearbeitet von Dmitri Schostakowitsch [1969]

Dmitri Schostakowitsch [1906–1975]
Symphonie Nr. 11 g-Moll op. 103 Das Jahr 1905 [1956–57]
Schlossplatz Adagio
9. Januar Allegro
Ewiges Gedenken Adagio
Sturmläuten Allegro ma non troppo

Besetzung

Tim Hugh Violoncello

London Symphony Orchestra
Valery Gergiev Leitung