Szenische Lesung
Stückemarkt

stehende gewässer

(verlier dein herz nicht an dinge johnny lass es bei den menschen)

von Markus Bauer (Konstanz, Deutschland)

Markus Bauer

Markus Bauer

© privat

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Wie „stehende gewässer“ scheinen sich alle Figuren des Stücks in ihrem Leben zu fühlen. Die Schönheit des Wohnorts, das Haus, der See, die Lebendigkeit der Natur stehen im umgekehrten Verhältnis zur Gefühlswelt dieser Menschen: Vater, Mutter, Tochter Cora, Sohn Martin und dessen Freundin Lotte. Sie fühlen sich zunehmend lebloser, am Ende abgestorben und ihrem ursprünglichen Lebensplan entfremdet. Der See wird zur Metapher für den emotionalen Stillstand der Familie. Keiner kann aus seiner Haut heraus, aber es schafft auch niemand, den Ort zu verlassen.

Markus Bauer erzählt seine Geschichte in Zeitsprüngen, zwischen 1982 und 2003. Der scheinbare Entwicklungsstau der Figuren wird damit erstaunlich lebendig. So kommt immer wieder die Frage auf: Wann wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, sich zu verändern, die Familie zu verlassen, um sich seine Lebendigkeit, seine Liebesfähigkeit und auch die Fähigkeit, noch Schmerz zu fühlen, erhalten zu können. Am Ende bleibt für niemanden in der Familie Hoffnung auf das ersehnte Leben. Einzig Lotte scheint mit ihrer Tochter am Ende des Stücks ihr Vorhaben wegzugehen wahr machen zu können. Sie plant, alle zu verlassen: Martin, den Kindsvater, seine Familie, den See.

Die große Kunst des Autors ist, scheinbar einfache, vertraute Konflikte und Charaktere zu erschaffen, deren Sprache aber den Leser tief in die Abgründe seiner Figuren führt. Markus Bauer brilliert mit einer sehr eigenen Sprache und seiner besonderen Form des Erzählens – und entfacht damit eine große poetische und dramatische Kraft.
Iris Laufenberg

Markus Bauer, Autor und Regisseur, wurde 1973 in Heilbronn geboren. Er studierte Germanistik, Theater- und Politikwissenschaft sowie Philosophie in Würzburg, Leipzig und Wien. Er war Regiehospitant am Schauspiel Stuttgart sowie Regieassistent am Theater Rampe Stuttgart und am Stadttheater Konstanz. Sein Stück „stehende gewässer“ wurde 2008 beim Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg als bemerkenswert erwähnt und ist beim Verlag S. Fischer Theater und Medien erschienen. 2008 nahm er an den Werkstatttagen am Wiener Burgtheater teil. Markus Bauer inszeniert zurzeit im Rahmen des Festivals „Verlorene Paradiese“ am Stadttheater Bern das Stück „Einbruch“ von Odile Cornuz. Er lebt in Konstanz.

Besetzung

Szenische Einrichtung Nuran David Calis
Dramaturgie Beret Evensen

Es lesen
Leslie Malton, Katharina Schmalenberg, Bernd Stempel, Lavinia Wilson und Jirka Zett