Szenische Lesung
Stückemarkt

Das Prinzip Meese

für alle die, die die Wasserfarben auch im Dunkeln sehen

von Oliver Kluck (Berlin, Deutschland)

Oliver Kluck

Oliver Kluck

© Ali Ghandtschi

Vergangene Termine

„Das Prinzip Meese“ ist ein Stück ohne Stück, es hat keine Handlung, es hat keine Personen, die Form ist offen. Nein, so offen ist die Form vielleicht doch nicht, da gibt es erzählerische Fragmente eines „Ichs“, und dieses Ich hat entweder sehr sehr schlechte oder manisch gute Laune, vermutlich ist die Laune aber eher schlecht, auch wenn das Ich das bestreiten würde: Auf jeden Fall brodelt es im Kopf.
Als Jugendlicher hat sich das Ich einen Fernseher gekauft, und dieser Fernseher ist „mit Wiederholungen aus den achtziger Jahren gefüllt“ und mit „Black Emanuelle“, für „Black Emanuelle“ stellt sich das Ich sogar den Wecker.
Das Ich lebt in der Angstvorstellung, jemand könnte seinen Fernseher konfiszieren, und dann müsste das Ich ins Theater gehen oder im Konzert beim Pianissimo niesen oder auf Vernissagen rumpesten. Generation tritt gegen Generation an, was ist das überhaupt, diese Generation des Ichs: Es ist die Privatfernsehen-Generation, die Generation RTL, die der Arbeitslosigkeit ins Angesicht schaut, oder sie hat Arbeit, aber die Arbeit bedeutet in dem Fall Schichtdienst in Lagerhallen. „Alles an dieser Generation ist erbärmlich.“
Aber die Phantasie mäandert, das Ich wäre gerne ein Schriftsteller, es hätte gerne Sex mit der Frau, die auf dem Ich sitzt, aber nur Thomas Bernhard liest, das Ich erfindet einen Schriftsteller, der in der heißen Badewanne liegend ein Ich erfindet, und dieses erfundene Ich muss wie bei Kafka von einer Instanz zur nächsten hecheln, und dabei hat das Ich nicht einmal warmes Wasser. Und Meese, der Titelheld? Meese wird erwähnt, aber er kommt nicht vor.
Ein Text, beim besten Willen nicht zusammenfassbar, schnell, wütend, witzig, verzweifelt.
Roland Schimmelpfennig

Oliver Kluck wurde 1980 in Bergen auf Rügen geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Wasserbauer und begann ein Studium der Nautik. Seit 2006 beschäftigt er sich mit dem literarischen Schreiben und hat seitdem u.a. Dramaturgie bei Jens Groß und Roland Schimmelpfennig studiert, Prosa bei Jens Sparschuh und Essayistik bei You Il Kang. 2007 entstanden sein erstes Theaterstück „Mut macht Mut“ und die Erzahlsammlung „Ein Himmel voller Bratschen“. Im Sommer 2008 wurde sein Drehbuch „Ukrainische Verhältnisse“ in Kiew verfilmt. Im gleichen Jahr begann er die Arbeit an einem Essay über die Generation Meese, aus dem er sein Theaterstück entwickelte. Oliver Kluck lebt in Berlin.

Besetzung

Szenische Einrichtung Claudia Bauer
Dramaturgie Jens Hillje

Es lesen
Robert Beyer, Sandra Hüller, Astrid Meyerfeldt, Heide Simon und Ingo Günther (DJ)