Diskussion
Stückemarkt

Theater in Zeiten der Krise

Von der Kunst, aktuelle Themen auf die Bühne zu bringen

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Live-Sendung (zeitversetzt) 19:05 auf Deutschlandradio Kultur

Kein Tag ohne neue Hiobsbotschaften. Die globale Finanzkrise ist inzwischen so weitreichend, dass sie sich kaum noch fassen lässt. Banken und Konzerne fordern finanzielle Unterstützung in großem Stil, nie war der Ruf nach dem Staat so laut. Und der Kapitalismus so kleinlaut. Deutsche Theater sind allerdings immer noch guten Mutes und locken mit der verwegenen Losung: „Bei uns ist ihr Geld sicher!“. Worte wie diese kann sich nur ein Theatersystem leisten, das öffentlich finanziert wird und unabhängig von Sponsoren und deren finanziellen Befindlichkeiten ist.

Wie aber spiegelt das Theater auf der Bühne die Finanzkrise und die wirtschaftliche Unsicherheit? Finden dort, wo gemeinsames Arbeiten noch vor Vereinzelung und Individualisierung steht, Themen wie soziale Gerechtigkeit, Arbeitslosigkeit, Globalisierung oder Ausbeutung ihr künstlerisches Äquivalent? Klassiker wie Brechts „Die Dreigroschenoper“, Hauptmanns „Die Weber“, Horváths „Kasimir und Karoline“ oder Ibsens „Ein Volksfeind“ erzählen von den Widersprüchen des Kapitalismus. Doch selbst Brecht ist an der „Nichtdarstellbarkeit komplexer Verhältnisse“ auf der Bühne verzweifelt. Kann das Theater, das fast immer zu langsam ist, um aktuelle Themen zu behandeln, ernsthaft mit Texten zu Geld und Krise etwas begreifbar machen, das über die aktuelle Berichterstattung in den Medien hinausgeht?

„Theater in Zeiten der Krise“ – in unserer Diskussion wollen wir mit Theatermachern über Möglichkeiten sprechen, die aktuelle Finanzkrise künstlerisch darzustellen und soziale Themen abzubilden. Wie sinnvoll ist es, im Stil von Dokumentartheater Betroffene selbst auf die Bühne zu bringen? Wie verändert die konkrete gesellschaftliche Thematik die zu verwendenden Mittel? Warum gibt es so wenige zeitgenössische Autoren, die sich in ihren Arbeiten an Welterklärungsmodellen versuchen? Und schließlich: Lässt sich aus der derzeitigen Krise des Finanzmarktes und des Kapitalismus eine Besinnung auf neue Werte oder politische Utopien ableiten?

Es diskutieren

Christine Dössel Theaterkritikerin
Matthias Lilienthal Intendant Hebbel am Ufer, Berlin
Volker Lösch Regisseur „Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?“
Armin Petras Autor, Regisseur und Intendant Maxim Gorki Theater Berlin

Moderation Susanne Burkhardt und Jürgen König

In Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur