Konzert
Gastensemble

Ensemble Modern / Beat Furrer

Pierre Boulez & E.E. Cummings

Ein Drama in vier Stationen. Es rückt näher. Die Perspektiven weiten sich. Ein einzelnes Instrument eröffnet den Abend. Es spielt gedämpft, einen Nachruf. Ihm antwortet ein Sänger, umgeben von zwei Ensembles, ebenfalls mit einem Nachruf. Er gilt einem Dichter und den alten venezianischen Komponisten von San Marco, die den Raum zur Hörerfahrung machten und ihn dadurch in einen imaginären verwandelten. Die Musik schafft Transsubstantiation. Danach großes Ensemble, Sänger, Instrumente. Sie erwecken ein Sprachkunstwerk von innen her zum vielfältig großen Klingen. Cummings’ Text ist ein »Gedicht-Bild« (Theo Hirsbrunner) aus wenigen Worten, Satzstücken und Parenthesen. Boulez verwandelt es in ein Klang-Raum-Spiel von visueller Suggestionskraft. Wer hört, sieht mehr.

Im zweiten Teil dann größte Besetzung. Imaginäres Theater. Der Held des »Begehrens« ist Orpheus, die mythische Figur des musikalischen Nachrufs, der zum Herausrufen aus dem Totenreich wurde. Beinahe. Beat Furrers Komposition folgt dem antiken Mythos durch die Zeiten, durch die vielen verschiedenen Gestalten und Reflexionsformen, die Dichter ihm gaben. Orpheus, der auch am Anfang der Operngeschichte mitspielte, wird in die Gegenwart geholt.

Konzertprogramm

Igor Strawinsky [1882–1971]
Élégie
für Viola solo [1944]

Igor Strawinsky
In memoriam Dylan Thomas
Dirge-Canons and Song auf eine Threnodie von Dylan Thomas
für Tenor, Streichquartett und vier Posaunen [1954]

Pierre Boulez [geb. 1925]
Cummings ist der Dichter
für 16 Solostimmen und Orchester auf ein Gedicht Edward Estlin Cummings [1970/86]

Beat Furrer [geb. 1954]
Begehren
Musiktheater nach Texten von Cesare Pavese, Günter Eich, Ovid und Vergil
für Sopran, Sprecher, gemischten Chor und Orchester [2001]
konzertante Aufführung