Konzert
Berliner Orchester

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Marek Janowski

Folksongs II

Musik ist eine abstrakte Kunst. Sie malt nicht, sie erzählt nichts. Auch wenn sie manchmal so tut, es bleibt ein »Als ob«. Konsequenz? Sachlich bleiben wie Strawinsky. Agon ist ein abstraktes Ballett ohne Handlung, pure Bewegung, geleitet und vorgegeben durch die Musik. Und doch geht es um etwas Urmenschliches: das Wettspiel in vielen verschiedenen, kontrastierenden Formen. Sie sind in der musikalischen Partitur so deutlich konzentriert, dass auch noch die zweite Abstraktion vollzogen werden und die Musik ganz ohne Szene aufgeführt werden kann.

Luciano Berios Voci sind Lieder ohne Worte, eingebettet in die Raumwirkung zweier Ensembles. Lieder der Arbeit und der Liebe, Wiegenlieder, eben Volkslieder, die Berio aus Sizilien mitgebrachte und in die Sphäre des instrumentalen Gesangs der Bratsche übertrug. Abstrahiert von Wortlaut, Textsinn und Stimme, erhalten die Melodien einen neuen Körper, den des Orchesters und der Solo-Bratsche.

Strauss’ Suite Der Bürger als Edelmann verdankt sich einer ganz üblichen Abstraktion: Stücke aus einer Bühnenmusik werden aus dem dramatischen oder komödiantischen Zusammenhang genommen und für den Konzertgebrauch eingerichtet. In Strauss’ Œuvre ist das Opus 60 ein »Als ob« ohne Parallele: Der Komponist zieht sich gleichsam ein Barock-Kostüm über, aber er bleibt natürlich Strauss, Richard Strauss – diesmal als Verkleidungskünstler.

Konzertprogramm

Luciano Berio [1925–2003]
Voci (Folk Songs II)
für Viola und zwei Instrumentalgruppen [1984]

Igor Strawinsky [1882–1971]
Agon
handlungsloses Ballett für 12 Tänzer und Orchester [1954–57]
konzertante Aufführung

Richard Strauss [1864–1949]
Der Bürger als Edelmann
Suite für Orchester op. 60 [1917/18]

Eine Veranstaltung des RSB in Kooperation mit dem musikfest berlin | Berliner Festspiele