Konzert
Gastorchester

Bamberger Symphoniker / Jonathan Nott

Pierre Boulez & Stéphane Mallarmé

Pli selon pli ist ein Hauptwerk bis in die äußere Erscheinung. Es hat die Maße eines Oratoriums, das mit einer menschlichen Stimme auskommt, entfaltet sich in fünf Stationen wie ein klassisches Drama, braucht jedoch keine Szenerie, es trägt sie in sich. Pli selon pli, Falte um Falte, enthülle die Musik (zu welcher der Gesang und damit auch dessen Laute und Worte gehören) das Porträt eines Menschen, der durch die und in der Sprache lebte, und damit auch ein Porträt der Sprache und ihrer Eingänge in die Musik, ein Porträt von Stéphane Mallarmé, dem Dichter, »nach dem es so gut wie keine formelle Entwicklung mehr gab« (Boulez). Der Titel ist aus einem der Sonette genommen, die Boulez nicht komponierte. Pli selon pli, »Falte um Falte rege sich der lang verwaiste Stein«. Auch das, was nicht mehr im Titel steht, sagt viel. Es weist auf die »metallene Zartheit« vieler Klänge und Klangbilder hin, die Boulez’ Komposition über weite Strecken bestimmen. Es deutet auf die Klarheit der Kontur, der Struktur, der Form, die Dichter und Komponist anstrebten.

Im Gegensatz zu vielen Aufgeregtheiten in der und um die Nachkriegsmoderne ereignet sich Pli selon pli in erstaunlicher Ruhe. Die Zeitmaße des Werkes könnten wie die prägenden Passagen, die aus der Idee des Glocken- und Schlagwerkklangs entwickelt sind, aus fernen, aus außereuropäischen Kulturen stammen. Es gibt auch in Pierre Boulez’ Komponieren so etwas wie ein Sehnsuchtsland.

Konzertprogramm

Richard Wagner [1813–1883]
Siegfried Idyll
für Orchester [1870]

Pierre Boulez [geb. 1925]
Pli selon pli
Portrait de Mallarmé
auf Gedichte von Stéphane Mallarmé
für Sopran und Orchester [1957/89]

I Don [du poème]
«Je t’apporte l’enfant d’une nuit d’Idumée!»
II Improvisation I sur Mallarmé
«Le vierge, le vivace et le bel aujourd’hui»
III Improvisation II sur Mallarmé
«Une dentelle s’abolit»
IV Improvisation III sur Mallarmé
«A la nue accablante tu»
V Tombeau
«Un peu profond ruisseau calomnié la mort»