Tanz

Tristi Tropici

Compagnia Virgilio Sieni
Frei nach Tristes Tropiques [Traurige Tropen]
von Claude Lévi-Strauss

Deutschlandpremiere
Uraufführung 10. Juni 2010, Teatro Piccolo Arsenale, Biennale Danza, Venedig

TRISTI TROPICI

Tristi Tropici. Compagnia Virgilio Sieni

© Virgilio Sieni

  • 1 h 10 min, ohne Pause

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Ausgangspunkt von Virgilio Sienis Stück Tristi Tropici ist Claude Lévi-Strauss’ epochaler, zivilisationskritischer Text von 1955 und dessen geradezu beängstigende Aktualität als ein Requiem auf die westliche Kultur. Traurige Tropen [Tristes Tropiques], im Kern ein Reisebericht, in dem der Ethnologe seine Eindrücke bei den Indianern am Amazonas schildert, ist zugleich eine brillant geschriebene, anthropologische Studie, in der sich Autobiografisches und die Erfahrungen des Reisenden mit Feldforschung im engeren Sinne mischen.

Sieni widmet sein Quintett für fünf Darstellerinnen den »bonnes sauvages« der Caduveo, wie sie Lévi-Strauss in seinem Werk beschreibt. Als Symbol für die verlorengegangenen Kulturen der »Naturvölker« wecken sie eine tiefe Sehnsucht nach einem Leben im Gleichklang mit der Schöpfung. »Körper, die sich bewegen aus einem Verlangen nach Freude. Körper, die durch den Tanz Freude erfahrbar werden lassen. Körper, durch die wiederum ein Schimmer von Hoffnung nach Schönheit gehegt wird.« [Virgilio Sieni]

Seit den Achtziger Jahren gilt der aus Florenz stammende Virgilio Sieni als ein Vorreiter des zeitgenössischen italienischen Tanzes. Mit der von ihm 1992 gegründeten Compagnia Virgilio Sieni ist er auf allen wichtigen europäischen Tanzfestivals zu Gast, daneben erarbeitet er Choreografien für die großen italienischen Opernhäuser und Ballette.

»… so entschied ich, mich mit diesen ›zerlumpten, tief in ihrem Sumpf verlorenen Bauern‹ [Claude Lévi-Strauss] zu beschäftigen – und damit, wie sie trotz des Verlustes ihrer Würde und Identität doch einige Aspekte der Vergangenheit bewahrt haben: Aspekte, wie sie sich in den von den Ahnen übernommenen Körper- und Gesichtsverzierungen zeigen oder auch in den verwandtschaftlichen Verhältnissen zwischen kosmischen Hierarchien und Mythen.«
VIRGILIO SIENI

»Die Bühne wird zu einem Ort des antiken Mysteriums, zu einem behüteten Raum in zarten, ineinander verschmelzenden Beige- und Ockertönen, zu einem Ort, der für eine vergangene Zeit steht, in dem sich die Silhouetten der Tänzerinnen im Gegenlicht zu bewegen beginnen, eingesponnen in das sehr emotionale Gewebe der Musik von Francesco Giomi. … Ein filmisch angehauchtes Schauspiel mit einem großartigen visuellen Auftakt und von dichter Poesie.«
Il Manifesto, 13. Juni 2010

»Nur der Genius eines Virgilio Sieni konnte im Stande sein, aus Tristes Tropiques von Claude Lévi-Strauss, einem der fundamentalen Texte des 20. Jahrhunderts, ein Bühnenstück zu kreieren. … Zusammen mit Tempest: Without a Body von Lemi Ponifasio war Tristi tropici von Sieni das beste Tanzstück der diesjährigen Biennale Danza 2010. Allein schon das von Marco Santambrogio und Sieni selbst geschaffene Licht ist phantastisch: Es entsteht ein undefinierbar grün-blauer Raum mit Silhouetten von Figuren, die sich wie im Nebel bewegen – ein fast frei schwebendes Szenenbild, das an ein frühzeitliches Menschendasein erinnert und visuell und emotional sehr stark beeindruckt. … Eine Hymne an die Unschuld, an die Nostalgie und die Schönheit des Weiblichen. Beim Publikum war es ein Triumph.«
La Nuova Venezia, 13. Juni 2010

Besetzung

Compagnia Virgilio Sieni
Konzept, Choreografie und Bühne Virgilio Sieni
Originalmusik Francesco Giomi
Kostüme Lydia Sonderegger
Licht Marco Santambrogio

Darstellung und Kollaboration Simona Bertozzi, Ramona Caia, Elsa De Fanti, Michela Minguzzi, Filippa Tolaro

Produktion La Biennale di Venezia, spielzeit’europa | Berliner Festspiele und Bitef Teatar Belgrad im Rahmen von ENPARTS – European Network of Performing Arts
Mit Unterstützung des Kulturprogramms der Europäischen Kommission
In Koproduktion mit Biennale de la danse de Lyon, Teatro Stabile di Napoli und Compagnia Virgilio Sieni